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Älterer Mann mit Lesebrille hält Smartphone nah vor die Augen und schaut konzentriert auf das Display, warmes Wohnzimmerlicht
Ratgeber

Banking-App Barrierefreiheit: Welche App können Senioren wirklich bedienen?

· Tobias Rehermann · 9 Min. Lesezeit
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Älterer Mann mit Lesebrille hält Smartphone nah vor die Augen und schaut konzentriert auf das Display, warmes Wohnzimmerlicht

Kleine Schrift, fummeliges TAN-Verfahren, keine Sprachausgabe. Viele Banking-Apps sind für ältere Menschen schlicht nicht bedienbar. Seit Juni 2025 zwingt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) Banken zum Umdenken. Aber halten sich die Anbieter daran?

Wir haben die Banking-Apps der größten deutschen Banken auf Barrierefreiheit geprüft. Schriftgröße, Kontrast, Screenreader, TAN-Verfahren. Das Ergebnis: Zwei Banken liefern ab, der Rest hat Nachholbedarf.

Das Wichtigste in Kürze

Top 3 Vorteile:

  • Sparkasse und Deutsche Bank unterstützen Screenreader (VoiceOver/TalkBack), skalierbare Schrift und barrierefreie TAN-Verfahren
  • chipTAN mit Sprachausgabe ist das barrierefreieste TAN-Verfahren. Kein Smartphone nötig, großes Display, Audio-Feedback
  • iOS und Android bieten Systemeinstellungen, die jede Banking-App deutlich lesbarer machen

Ehrliche Nachteile:

  • Kein deutscher Anbieter hat einen echten Senioren-Modus
  • N26 und Revolut dokumentieren Barrierefreiheit öffentlich nicht

Perfekt für dich, wenn du eine Banking-App suchst, die mit Screenreader und barrierefreiem TAN-Verfahren funktioniert.
Nicht ideal, wenn du auf N26 oder andere Neobanken ohne Barrierefreiheitsdokumentation angewiesen bist.
Unser Urteil in einem Satz: Das BFSG gilt seit Juni 2025, aber nur Sparkasse und Deutsche Bank erfüllen die Anforderungen wirklich.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Was sich seit Juni 2025 geändert hat

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das BFSG. Es setzt die europäische Richtlinie zur Barrierefreiheit (European Accessibility Act) in deutsches Recht um. Banking-Apps fallen ausdrücklich unter das Gesetz.

Der technische Standard heißt EN 301 549 v3.2.1. Dahinter stecken die WCAG 2.1 Level AA Richtlinien. Konkret bedeutet das: Ausreichende Kontraste, skalierbare Schrift, Screenreader-Kompatibilität und bedienbare Formulare.

Für neue Apps gilt das sofort. Bestehende Apps haben eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2030. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro. Eine Sache, die dabei oft übersehen wird: QR-Code-Scanning gilt laut BFSG nicht als barrierefreie Authentifizierung. Das betrifft einige TAN-Verfahren direkt.

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Lies die ausführlichen Testberichte oder schau dir die Anbieter direkt an.

Was „barrierefrei“ bei einer Banking-App wirklich bedeutet

Barrierefreiheit klingt abstrakt. Bei einer Banking-App geht es um vier sehr unterschiedliche Dinge.

Die App muss Bildschirminhalte vorlesen können. Auf dem iPhone heißt das VoiceOver, auf Android TalkBack. Jeder Button, jedes Eingabefeld, jeder Kontostand muss korrekt vorgelesen werden. Das nennt sich Screenreader-Kompatibilität.

Die Schrift muss skalieren. Du vergrößerst die Systemschrift auf deinem Handy und die Banking-App zieht mit. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Apps ignorieren die Systemeinstellung und zeigen ihre eigene, feste Schriftgröße an.

Der Kontrast muss stimmen. Helle Schrift auf hellem Hintergrund ist für Senioren mit nachlassender Sehkraft kaum lesbar. WCAG 2.1 fordert ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 für normalen Text.

Und die App muss per Wischgeste oder externer Tastatur navigierbar sein, nicht nur per Touch. Wer einen Screenreader nutzt, tippt selten direkt auf Buttons.

Dazu kommt ein Problem, das selten erwähnt wird: Banking-Apps blockieren manchmal TalkBack und VoiceOver aus Sicherheitsgründen. Die Schnittstellen, die Screenreader nutzen, sind identisch mit denen von Schadsoftware. Manche Banken sperren deshalb den Zugriff komplett. Für sehbehinderte Nutzer ein echtes Dilemma.

Banking-Apps im Barrierefreiheits-Check

Sechs Banking-Apps, fünf Kriterien. Die Tabelle zeigt, wer das BFSG ernst nimmt und wer nicht.

Banking-Apps im Barrierefreiheits-Vergleich

Screenreader (VoiceOver/TalkBack)
Sparkasse Sehr gut
Deutsche Bank Größtenteils
ING Getestet, funktional
DKB iOS gut, Android eingeschränkt
comdirect In weiten Teilen
N26 Keine Dokumentation
Systemschriftgröße übernommen
Sparkasse Ja
Deutsche Bank Ja, Zoom bis 200 %
ING Ja + Dark Mode
DKB Teilweise
comdirect Teilweise
N26 Unklar
WCAG 2.1 AA bestätigt
Sparkasse In Umsetzung
Deutsche Bank Offiziell bestätigt
ING Nicht dokumentiert
DKB Externes Review
comdirect Nicht dokumentiert
N26 Nicht dokumentiert
Barrierefreies TAN-Verfahren
Sparkasse chipTAN mit Audio-Kit
Deutsche Bank chipTAN + photoTAN
ING pushTAN (Gerät nicht barrierefrei)
DKB chipTAN mit Sprachausgabe
comdirect chipTAN + photoTAN
N26 Nur App-basiert
Leichte Sprache / Gebärdensprache
Sparkasse Ja, beides
Deutsche Bank Nein
ING Nein
DKB Nein
comdirect Nein
N26 Nein

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Die Sparkasse und die Deutsche Bank liegen klar vorn. Beide unterstützen Screenreader, skalierbare Schrift und bieten barrierefreie TAN-Verfahren. Die Sparkasse ist die einzige Bank mit Inhalten in Leichter Sprache und Gebärdensprache-Videos.

Die ING landet bei der allgemeinen Bedienqualität auf Platz 1 (SWI Finance 2025), hat aber ein spezifisches Problem: Das photoTAN-Gerät ist laut ING selbst nicht barrierefrei. Wer die ING nutzt, sollte auf pushTAN über die App setzen.

Bei N26 und Revolut fehlt jede öffentliche Dokumentation zur Barrierefreiheit. Das bedeutet nicht zwingend, dass die Apps unbrauchbar sind. Aber wer keine Dokumentation veröffentlicht, signalisiert, dass das Thema keine Priorität hat. Mehr dazu, welche Neobanken für Senioren geeignet sind.

Schriftgröße, Kontrast, Screenreader: Die wichtigsten Funktionen im Detail

Bei der Schriftgröße liegt die Deutsche Bank vorn. Ihre App unterstützt Zoom bis 200 Prozent ohne Textüberlauf. Bei den meisten anderen Apps wird der Text ab einem bestimmten Vergrößerungsgrad abgeschnitten oder überlappt sich.

Beim Kontrast macht die ING das Rennen: Sie übernimmt den systemweiten Dark Mode. Das hilft besonders bei Sehschwäche, weil helle Schrift auf dunklem Hintergrund für viele leichter lesbar ist. Nicht alle Apps bieten diese Option.

Beim Screenreader hat die Sparkasse die Nase vorn. VoiceOver und TalkBack werden in der Sehbehinderten-Community als „sehr gut“ bewertet. Bei der DKB gibt es einen Unterschied zwischen iOS (gut) und Android (eingeschränkt). Samsung-Geräte kommen hinzu, weil sie ein modifiziertes TalkBack nutzen, das mit manchen Banking-Apps Kompatibilitätsprobleme erzeugt.

Die Sparkassen-App (Version 7.2/7.3) hat Barrierefreiheit erst mit diesen Versionen systematisch nachgerüstet. Mit 19,8 Millionen aktiven Installationen ist sie auch die am weitesten verbreitete. Im Capital-Test 2025 erreichte sie 92,7 von 100 Punkten (Platz 1), im Handelsblatt-Ranking 2026 ebenfalls Platz 1.

TAN-Verfahren: SMS-TAN, pushTAN, photoTAN, chipTAN. Was ist am einfachsten?

Das TAN-Verfahren entscheidet oft darüber, ob Senioren eine Banking-App überhaupt nutzen können. Ein Überweisungsformular ausfüllen schaffen die meisten. Aber dann kommt die Freigabe, und da wird es kompliziert.

chipTAN (Empfehlung ohne Smartphone): Du steckst deine Bankkarte in einen kleinen TAN-Generator (kostet ca. 15 bis 20 Euro). Das Gerät zeigt eine Nummer an, die du eingibst. Kein Smartphone nötig, großes Display. DKB und Sparkasse bieten chipTAN-Geräte mit Sprachausgabe an. Das ist aktuell die barrierefreieste Lösung.

pushTAN: Die Freigabe kommt über eine zweite App auf deinem Smartphone. Funktioniert gut, setzt aber voraus, dass du zwei Apps bedienen kannst. Bei der ING ist die pushTAN barrierefrei, das separate photoTAN-Gerät dagegen nicht.

SMS-TAN: Die einfachste Methode. Du bekommst eine SMS, tippst die Nummer ein. Kein Smartphone nötig, kein zweites Gerät. Problem: Immer mehr Banken schaffen SMS-TAN ab, weil SIM-Swap-Betrug zunimmt.

photoTAN (Gerät): Du hältst ein separates Gerät vor den Bildschirm, um einen Code zu scannen. Das funktioniert für sehbehinderte Menschen schlecht bis gar nicht. Die ING bestätigt das auf ihrer eigenen Website.

Wenn du kein Smartphone nutzt oder nutzen willst: chipTAN mit Sprachausgabe bei der Sparkasse oder DKB. Wenn du ein Smartphone hast, aber Wert auf einfache Bedienung legst: pushTAN bei der ING. Du bist unsicher, welche Bank insgesamt am besten zu dir passt? Im Einstieg ins Online-Banking für Senioren findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Tipps: So machst du jede Banking-App lesbarer

Die gute Nachricht: Selbst wenn deine Bank bei Barrierefreiheit schlechte Arbeit leistet, kannst du auf dem Smartphone selbst nachhelfen. Die Betriebssysteme bieten mehr als die meisten Nutzer wissen.

Auf dem iPhone (iOS):

  • Öffne Einstellungen, dann Bedienungshilfen, dann Anzeige und Textgröße.
  • Aktiviere „Größerer Text“ und ziehe den Regler nach rechts.
  • Seit iOS 15 kannst du die Textgröße pro App einstellen. Öffne das Kontrollzentrum, tippe auf „Textgröße“ und wähle „Nur [App-Name]“.
  • Unter Bedienungshilfen findest du auch „Kontrast erhöhen“ und „Transparenz reduzieren“. Beides hilft.

Auf Android-Geräten:

  • Öffne Einstellungen, dann Eingabehilfe (oder Bedienungshilfen, je nach Hersteller).
  • Unter „Anzeige vergrößern“ oder „Schriftgröße“ kannst du die Darstellung anpassen.
  • Aktiviere „Hoher Kontrast“ falls verfügbar.
  • Samsung-Geräte haben zusätzlich einen „Einfachen Modus“, der die Startseite und Schriftgröße vereinfacht.

Einen Haken gibt es: Die App muss „Dynamic Type“ (iOS) bzw. die System-Schriftgröße (Android) überhaupt unterstützen. Tut sie das nicht, helfen auch die besten Systemeinstellungen nichts. Sparkasse, Deutsche Bank und ING übernehmen die Einstellung. Bei N26 und Revolut ist das nicht dokumentiert.

Wenn du Angehörige beim Einrichten unterstützen möchtest, findest du im Ratgeber Kinder helfen Eltern beim Banking praktische Tipps für den gemeinsamen Start.

Häufige Fragen

Die Sparkassen-App schneidet in Praxistests am besten ab. Sie unterstützt VoiceOver und TalkBack („sehr gut“ laut Sehbehinderten-Community), bietet chipTAN mit Sprachausgabe und hat Inhalte in Leichter Sprache. Im Capital-Test 2025 erreichte sie 92,7 von 100 Punkten.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verpflichtet Banken seit Juni 2025 dazu, neue digitale Produkte barrierefrei zu gestalten. Der Standard ist WCAG 2.1 Level AA. Bestehende Apps haben bis Juni 2030 eine Übergangsfrist. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 100.000 Euro.

Grundsätzlich ja, aber nicht bei allen Banken gleich gut. Sparkasse und Deutsche Bank unterstützen Screenreader am besten. Bei der DKB funktioniert VoiceOver (iOS) gut, TalkBack (Android) nur eingeschränkt. Ein generelles Problem: Manche Banking-Apps blockieren Screenreader aus Sicherheitsgründen, weil die Schnittstellen denen von Schadsoftware ähneln.

chipTAN mit Sprachausgabe. Du brauchst kein Smartphone, das Gerät hat ein großes Display und gibt bei DKB und Sparkasse akustisches Feedback. Kostet einmalig 15 bis 20 Euro. pushTAN ist die zweitbeste Option, erfordert aber ein Smartphone mit zweiter App.

Kein deutscher Anbieter bietet aktuell einen dedizierten Senioren-Modus. International hat HSBC eine „Lite“-Version mit vereinfachter Oberfläche (800.000 Nutzer). Bis ein deutscher Anbieter nachzieht, helfen die Bedienungshilfen von iOS und Android: Schrift vergrößern, Kontrast erhöhen, VoiceOver oder TalkBack aktivieren.

Quellen

  1. Bundesfachstelle Barrierefreiheit: BFSG und Bankdienstleistungen
  2. Deutsche Bank: Barrierefreiheit
  3. Finanz Informatik: Barrierefreiheit der Sparkassen-App
  4. ING: Informationen zur Barrierefreiheit
  5. Biallo: Barrierefreies Banking
  6. Handelsblatt: Mobile-Banking-Ranking 2026

Den vollständigen Überblick über Banking für Rentner mit allen Anbietern und Strategien findest du in unserem Banking für Rentner Ratgeber.

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