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Du denkst, eine Bankvollmacht ist etwas für später? Das Problem: Wenn du sie brauchst, ist es oft zu spät. Ein Schlaganfall, ein Unfall, ein Todesfall. Ohne Vollmacht haben deine Angehörigen keinen Zugriff auf dein Konto. Auch nicht, wenn sie dein Ehepartner sind.
Bei Direktbanken und Neobanken ist die Situation komplizierter als bei der Sparkasse. Kein Schalter, an den du gehen kannst. Kein Berater, der dich kennt. Stattdessen: Formulare, Post, E-Mail-Adressen. Dieser Ratgeber zeigt dir Anbieter für Anbieter, wie Vollmacht und Todesfall geregelt sind.
Das Wichtigste in Kürze
- DKB und C24 ermöglichen Vollmacht komplett digital, transmortale Wirkung inklusive
- Ein Erbschein ist nicht immer nötig: BGH-Urteil 2016 erlaubt Testament mit Eröffnungsprotokoll
- Mit Bankvollmacht UND Vorsorgevollmacht bist du für alle Fälle abgesichert
Ehrliche Nachteile:
- N26 und Revolut sind im Todesfall problematisch: kein Telefon-Support, bis zu 28 Tage Bearbeitungszeit
- Jede Bank hat einen eigenen Prozess, es gibt keinen einheitlichen Standard
Perfekt für dich, wenn du bei einer Direktbank oder Neobank ein Hauptkonto führst und deine Angehörigen im Ernstfall handlungsfähig sein sollen.
Nicht ideal, wenn du dein Konto bei Revolut hast und auf eine echte Vollmachtslösung angewiesen bist.
Unser Urteil in einem Satz: Wer bei einer Neobank bankt, muss die Vollmacht aktiv einrichten, denn anders als an der Sparkasse geht das nicht mal eben am Schalter.
Warum Bankvollmacht bei Neobanken anders funktioniert
Bei der Sparkasse gehst du mit deinem Bevollmächtigten in die Filiale. Beide unterschreiben. Fertig. Der Bevollmächtigte kann ab sofort am Schalter Überweisungen tätigen oder Geld abheben.
Bei einer Direktbank gibt es keinen Schalter. Also muss der Bevollmächtigte anders legitimiert werden: per PostIdent, per Formular, per App. Jede Bank macht das unterschiedlich. Manche vergeben eigene Zugangsdaten für den Bevollmächtigten, andere nicht. Bei einigen Anbietern gibt es schlicht keine Vollmacht-Funktion.
Dazu kommt ein Punkt, den viele vergessen: Die Vorsorgevollmacht, die du beim Notar erstellt hast, wird von vielen Banken nicht als Bankvollmacht akzeptiert. Banken bestehen oft auf ihrem eigenen Formular. Du brauchst also beides: eine allgemeine Vorsorgevollmacht für Gesundheit, Behörden und Verträge, und zusätzlich eine Bankvollmacht auf dem Formular deiner Bank.
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C24 Bank
79 · Gut
Bankvollmacht einrichten: So geht es bei ING, comdirect, C24, DKB
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
DKB: Der schnellste Weg. Du richtest die Vollmacht direkt im Online-Banking ein, dein Bevollmächtigter bekommt eigene Zugangsdaten und optional eine eigene Visa-Karte oder V-Pay-Karte. Die Vollmacht gilt über den Tod hinaus.
C24: Ebenfalls digital. Über die Funktion „Konto teilen“ in der App. Laut AGB bleibt die Vollmacht über den Tod hinaus gültig. Eigene Zugangsdaten oder eine eigene Karte gibt es allerdings nicht.
comdirect: Klassischer Weg per Formular. Der Bevollmächtigte muss sich per PostIdent legitimieren. Transmortale Wirkung ist gegeben. Bis zu fünf Vollmachten pro Konto möglich.
ING: PDF-Formular auf der Website herunterladen, beide Parteien unterschreiben, per Post an die ING schicken. Die Vollmacht gilt über den Tod hinaus. Der Prozess ist umständlich, aber dokumentiert.
norisbank: Formular plus PostIdent für den Bevollmächtigten. Besonderheit: Die norisbank bietet drei Vollmacht-Typen an. Transmortale (gilt über den Tod hinaus), prämortale (erlischt mit dem Tod) und postmortale (beginnt erst mit dem Tod). Der Bevollmächtigte bekommt eigene Login-Daten und optional eine eigene Debitkarte.
N26: Du musst das Formular beim Kundenservice anfordern und per Post einreichen. Shared Spaces als Alternative sind nur eine gemeinsame Spar-Funktion, keine echte Vollmacht mit transmortaler Garantie.
Revolut: Keine Vollmacht möglich. Es gibt kein Formular, keinen Prozess, keine Option. Wenn du Revolut als Hauptkonto nutzt, hat im Ernstfall niemand Zugriff auf dein Geld, bis der Erbfall abgewickelt ist.
Was passiert im Todesfall? Anbieter für Anbieter
Wenn ein Kontoinhaber stirbt, wird das Konto gesperrt. Karten funktionieren nicht mehr, Daueraufträge werden gestoppt, Online-Banking wird deaktiviert. Das gilt bei jeder Bank. Was sich unterscheidet: wie Erben an das Geld kommen und wie lange das dauert.
Grundregel: Welche Dokumente brauchen die Erben?
Immer nötig: Sterbeurkunde (Original oder beglaubigte Kopie).
Dazu eines von beiden: Erbschein ODER Testament mit gerichtlichem Eröffnungsprotokoll.
BGH-Urteil 2016: Banken dürfen bei klaren Testamenten keinen Erbschein verlangen. In der Praxis bestehen manche trotzdem darauf. Erbschein-Kosten: ca. 150 Euro bei einem Nachlasswert von 50.000 Euro.
N26 im Todesfall: Konto gesperrt, Erben müssen Dokumente per Post senden
N26 ist im Todesfall die schwierigste Bank im Vergleich. Es gibt keinen Telefon-Support für Erbfälle. Die Kontaktaufnahme läuft ausschließlich über bereavement.service@n26.com oder per Post bzw. Fax.
Sobald N26 vom Tod erfährt, werden alle Karten und der App-Zugang sofort gesperrt. Daueraufträge werden gestoppt. Die Erben müssen Sterbeurkunde, Erbschein oder Testament mit Eröffnungsprotokoll und eine Kopie des eigenen Ausweises einreichen.
Die Bearbeitungszeit beträgt laut N26 bis zu 28 Tage. In Foren berichten Angehörige von längeren Wartezeiten. Wenn zum Beispiel die Miete vom Konto des Verstorbenen bezahlt werden musste, kann das Wochen zu spät sein.
ING im Todesfall: Dokumentierter Prozess, telefonische Hilfe
Die ING hat einen dokumentierten Nachlassprozess. Erben melden sich per E-Mail an nachlass@ing.de oder per Post. Im Gegensatz zu N26 gibt es telefonischen Support: Du kannst die allgemeine Hotline anrufen und wirst an die Nachlassabteilung weitergeleitet.
Benötigte Dokumente: Sterbeurkunde plus Erbschein oder Testament mit gerichtlichem Eröffnungsprotokoll. Wenn eine transmortale Vollmacht vorliegt, behalten Bevollmächtigte ihren Zugriff.
Die Bearbeitungszeit beschreibt die ING mit „ein paar Tagen“. Angehörige berichten in Foren von ein bis zwei Wochen für die meisten Fälle. Bei einem Nachlasswert über 5.000 Euro meldet die ING den Fall automatisch ans Finanzamt.
Sparkasse im Todesfall: Filialbesuch, persönlicher Kontakt
Die Sparkasse ist im Todesfall für viele Angehörige der einfachste Weg. Du gehst in die Filiale, sprichst mit einem Mitarbeiter, legst die Dokumente vor. Es gibt einen persönlichen Ansprechpartner, der den Fall begleitet.
Allerdings: Die Sparkasse verlangt Original-Dokumente. Alle Erben müssen sich persönlich legitimieren. Das kann bei einer Erbengemeinschaft mit mehreren Personen an verschiedenen Standorten aufwendig werden.
Das gilt auch für die comdirect: Als Tochter der Commerzbank kannst du die Nachlassabwicklung über eine Commerzbank-Filiale einleiten. Testament plus Eröffnungsprotokoll reichen dort in den meisten Fällen.
DKB: Dokumente per Upload auf der Website oder per Post an die Nachlassbearbeitung in Potsdam. Online-Banking und Karten werden gesperrt, bestehende Vollmachten bleiben gültig.
Revolut: Kontakt ausschließlich per E-Mail an deceased@revolut.com. Kein Telefon, kein Chat. Besonderheit: Revolut liquidiert Aktien und Krypto-Bestände automatisch zum aktuellen Marktwert. Ein Erbschein wird häufig verlangt.
norisbank: Online-Formular oder Telefon (24 Stunden erreichbar). Testament mit Eröffnungsprotokoll oder Erbschein. Der Prozess ist unkomplizierter als bei N26 oder Revolut.
Checkliste: Vorsorge für den Ernstfall
Vorsorge-Checkliste: 7 Punkte, die du jetzt erledigen kannst
1. Bankvollmacht einrichten. Auf dem Formular deiner Bank, nicht nur als Vorsorgevollmacht beim Notar. Stelle sicher, dass sie transmortale Wirkung hat (über den Tod hinaus gültig).
2. Vorsorgevollmacht erstellen. Für alles, was über Bankgeschäfte hinausgeht: Gesundheit, Behörden, Wohnung, Verträge. Am besten notariell beglaubigt.
3. Patientenverfügung hinterlegen. Gehört zur Vorsorge dazu, auch wenn sie nichts mit dem Bankkonto zu tun hat.
4. Zugangsdaten dokumentieren. Wo liegt das Konto? Wie heißt die Bank? Welche Kontonummer? Dein Bevollmächtigter muss wissen, wo er anfangen soll. Am besten in einem verschlossenen Umschlag beim Notar oder im Bankschließfach.
5. Zweitkonto prüfen. Wenn du dein Hauptkonto bei einer Neobank hast: Überlege, ob ein Zweitkonto bei einer Filialbank sinnvoll ist. Für den Fall, dass die Nachlassabwicklung bei der Neobank länger dauert. Mehr dazu: Girokonto fürs Ehepaar im Ruhestand.
6. Bestehende Vollmachten prüfen. Wenn du die Bank wechselst, erlischt die alte Vollmacht. Du musst sie bei der neuen Bank neu einrichten. Vergiss das nicht beim Kontowechsel von der Sparkasse.
7. Angehörige informieren. Die beste Vollmacht hilft nichts, wenn deine Familie nicht weiß, dass sie existiert und wo sie liegt.
Häufige Fragen
Nicht zwingend. Der BGH hat 2016 entschieden, dass Banken bei eindeutigen Testamenten auch das Testament mit dem gerichtlichen Eröffnungsprotokoll akzeptieren müssen. In der Praxis bestehen einige Banken trotzdem auf einem Erbschein. Das kommt auf die Bank und die Komplexität des Falls an. Kosten für einen Erbschein: etwa 150 Euro bei einem Nachlasswert von 50.000 Euro.
Die Bankvollmacht gilt nur für Bankgeschäfte und wird auf dem Formular der jeweiligen Bank erstellt. Die Vorsorgevollmacht ist breiter: Sie deckt Gesundheit, Behörden, Verträge und Wohnung ab. Das Problem: Viele Banken akzeptieren eine Vorsorgevollmacht nicht für Bankgeschäfte. Deshalb solltest du beides haben.
Nur wenn sie als „transmortale Vollmacht“ erteilt wurde, also mit der ausdrücklichen Klausel, dass die Vollmacht mit dem Tod des Kontoinhabers nicht erlischt. Die meisten Banken in unserem Vergleich (ING, DKB, comdirect, C24, norisbank) bieten transmortale Vollmachten an. Bei N26 gibt es keine Garantie für transmortale Wirkung. Bei Revolut gibt es gar keine Vollmacht.
Bei der ING berichten Angehörige von ein bis zwei Wochen. Bei N26 sind laut offizieller Angabe bis zu 28 Tage möglich, Forenbeiträge nennen teils längere Zeiträume. Bei Revolut gibt es keine konkreten Zeitangaben. Die Sparkasse ist oft schneller, weil der persönliche Kontakt die Kommunikation beschleunigt.
Banken stoppen Daueraufträge nach der Todesmeldung. Lastschriften werden ebenfalls nicht mehr ausgeführt. Das kann schnell zum Problem werden: Miete, Strom und Versicherungen werden nicht mehr bezahlt. Wer eine transmortale Vollmacht hat, kann der Bevollmächtigte diese Zahlungen weiterhin anweisen.
Nein. Revolut bietet keine Vollmacht-Funktion an. Es gibt kein Formular und keinen Prozess. Im Todesfall ist der Kontakt nur per E-Mail an deceased@revolut.com möglich. Das macht Revolut als Hauptkonto für Senioren problematisch. Details dazu auch im Vergleich seniorenfreundliche Neobanken.
Quellen und Transparenz
- ING: Kontovollmacht einrichten
- DKB: Vollmacht für das Konto
- N26: Was passiert im Todesfall?
- BGH-Urteil XI ZR 440/15: Erbschein nicht immer erforderlich
- Verbraucherzentrale: Bankvollmacht richtig einrichten
Dieser Artikel ist Teil unseres Banking für Rentner Ratgebers. Weitere relevante Artikel: Seniorenfreundliche Neobanken im Vergleich, Girokonto fürs Ehepaar im Ruhestand und Kinder helfen Eltern beim Banking.
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