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Du hast dich entschieden: Die Sparkasse ist zu teuer, die Filiale schließt oder du willst einfach ein besseres Konto. Gute Entscheidung. Aber ein Kontowechsel im Ruhestand läuft nicht genauso ab wie für Berufstätige. Die Rente muss separat umgeleitet werden, und das dauert länger als du denkst. Diese Anleitung führt dich in sechs Schritten durch den kompletten Wechsel.
Das Wichtigste in Kürze
- Der gesetzliche Kontowechselservice (seit 2016) erledigt Daueraufträge und Lastschriften in 12 Werktagen. Kostenlos.
- Die Rente musst du separat umleiten. Zuständig ist der Renten Service der Deutschen Post, nicht die DRV direkt. Bearbeitungszeit: 3 bis 4 Wochen.
- Plane mindestens 3 Monate Parallelbetrieb ein. Jahresabbuchungen wie Versicherungen tauchen in der 12-Monats-Auswertung des Kontowechselservices nicht immer auf.
- Kein Filialbesuch nötig: Sparkassen-Konto kannst du per Brief kündigen. Neues Konto per PostIdent eröffnen.
- Vor dem Wechsel unbedingt: Kontoauszüge sichern, Vollmacht klären, Sparbuch separat regeln.
Perfekt für dich, wenn du dein Sparkassen-Konto als Rentner wechseln willst und einen strukturierten Plan brauchst.
Nicht ideal, wenn du bereits weißt, wie der Kontowechselservice funktioniert und nur die Rentenumleitung brauchst.
Bevor du wechselst: Diese 3 Dinge klären
Bevor du dich ans neue Konto setzt, solltest du drei Punkte abhaken. Sonst holst du dir Probleme, die du leicht vermeiden kannst.
1. Kontoauszüge sichern. Nach der Schließung deines Sparkassen-Kontos hast du keinen Zugriff mehr auf das Online-Banking. Lade alle Kontoauszüge der letzten Jahre als PDF herunter. Alternativ: Papierauszüge am Kontoauszugsdrucker ziehen. Mach das jetzt, nicht erst am Tag der Kündigung.
2. Vollmacht prüfen. Hast du eine Kontovollmacht für deinen Partner oder deine Kinder eingerichtet? Die erlischt mit der Kontoschließung. Bei der neuen Bank musst du sie neu einrichten. Wie das bei Direktbanken funktioniert, erklären wir ausführlich im Artikel Bankvollmacht bei Neobanken.
3. Sparbuch ist nicht gleich Girokonto. Dein Sparbuch bei der Sparkasse ist ein eigenes Produkt. Du kannst das Girokonto kündigen und das Sparbuch behalten. Wenn du das Sparbuch ebenfalls auflösen willst: 3 Monate Kündigungsfrist oder maximal 2.000 Euro pro Monat ohne Kündigung abheben. Bei vorzeitiger Auflösung fallen Vorschusszinsen an (ca. 25 % des aktuellen Zinssatzes).
Kontowechsel von der Sparkasse als Rentner
Neues Konto eröffnen (mit PostIdent)
Kontowechselservice nutzen
Rente umleiten
Daueraufträge und Lastschriften prüfen
3 Monate Parallelbetrieb
Sparkassen-Konto schließen
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C24 Bank
79 · Gut
N26
83 · Sehr gut
Schritt 1: Neues Konto eröffnen (mit PostIdent-Option)
VideoIdent klingt modern, funktioniert aber nicht immer reibungslos. Schlechte Beleuchtung, wackeliges WLAN, eine Kamera die den Ausweis nicht erkennt. PostIdent ist einfacher: Du gehst in eine Postfiliale, zeigst deinen Personalausweis, unterschreibst ein Formular. Fertig in fünf Minuten. Auch Supermarkt-Filialen der Post bieten PostIdent an.
PostIdent bieten an: comdirect, DKB, C24 und norisbank. Die ING bietet leider nur VideoIdent. Falls du VideoIdent hinbekommst, ist die ING trotzdem eine gute Wahl. Wenn du sagst „Ich will einfach zur Post gehen“, streich die ING von der Liste.
Welche Bank insgesamt zu deinen Anforderungen passt, hängt von Mindestgeldeingang, Girocard und Telefon-Support ab. Alle Details dazu: Seniorenfreundliche Neobanken im Vergleich. Bei kleiner Rente unter 700 Euro lohnt sich ein Blick auf Girokonto bei kleiner Rente.
Schritt 2: Kontowechselservice nutzen (gesetzlicher Anspruch seit 2016)
Seit September 2016 ist der Kontowechselservice für alle Banken Pflicht. Das regelt das Zahlungskontengesetz (ZKG, Paragraf 21 bis 24). Für dich als Verbraucher ist der Service kostenlos.
So läuft es ab: Du gibst bei deiner neuen Bank den Kontowechselservice in Auftrag. Die neue Bank schickt innerhalb von 2 Geschäftstagen eine Anfrage an die Sparkasse. Die Sparkasse liefert dann innerhalb von 5 Geschäftstagen die Zahlungspartner der letzten 13 Monate. Die neue Bank richtet Daueraufträge ein und informiert deine Zahlungspartner (Vermieter, Stromanbieter, Versicherungen) über die neue IBAN.
In der Praxis dauert das 7 bis 12 Werktage. Das klappt bei den meisten Banken zuverlässig. comdirect und C24 nutzen automatisierte Tools, bei denen du dich in dein altes Online-Banking einloggst und die Daten direkt ausgelesen werden. Das ist etwas schneller als der Postweg.
Achtung: Der Kontowechselservice hat Lücken
Der Kontowechselservice wertet nur die letzten 13 Monate aus. Zahlungen, die seltener als einmal im Jahr eingehen, werden nicht erfasst. Typische Beispiele: Kfz-Steuer (jährlich), Vereinsbeiträge mit unregelmäßiger Abbuchung, Dividendenzahlungen. Geh deine Kontoauszüge der letzten 2 Jahre durch und notiere alles, was nicht monatlich oder quartalsweise läuft.
Schritt 3: Rente umleiten, Formular bei der Rentenversicherung
Das ist der Schritt, den viele Rentner unterschätzen. Der Kontowechselservice informiert deine Zahlungspartner automatisch. Beim Renten Service klappt das aber nicht zuverlässig. Du musst die Änderung selbst melden.
Zuständig ist der Renten Service der Deutschen Post. Nicht die Deutsche Rentenversicherung (DRV) direkt. Das verwechseln viele.
So meldest du die neue Bankverbindung:
- Online: Auf onlinemitteilung.deutschepost.de/rentenservice/ deine neue IBAN eintragen.
- Per Formular: In jeder Postfiliale erhältst du das passende Formular. Ausfüllen, abgeben, fertig.
Du brauchst: Deinen Namen, deine Adresse, die neue IBAN und deine 17-stellige Rentenversicherungsnummer. Die Nummer findest du auf deiner Rentenanpassungsmitteilung, dem Schreiben, das jedes Jahr im Juli kommt.
Die Bearbeitung dauert 3 bis 4 Wochen. Plane deshalb mindestens 8 Wochen Vorlauf ein, bevor du das alte Konto schließt. Bei Fragen: Die DRV-Hotline erreichst du kostenlos unter 0800 1000 4800 (Montag bis Donnerstag 8 bis 19 Uhr, Freitag 8 bis 15:30 Uhr).
Rente nicht dem Kontowechselservice überlassen
Theoretisch könnte der Kontowechselservice den Renten Service informieren. In der Praxis klappt das aber nicht immer. Das Risiko, dass eine Rentenzahlung ins Leere läuft, ist zu hoch. Melde die neue IBAN immer selbst beim Renten Service. Das kostet dich 5 Minuten.
Schritt 4: Daueraufträge und Lastschriften prüfen
Nach etwa 2 bis 3 Wochen sollten die ersten Abbuchungen auf dem neuen Konto laufen. Jetzt ist Kontrollzeit.
Öffne das Online-Banking beider Konten und vergleiche:
- Laufen alle Daueraufträge (Miete, Strom, Internet)?
- Werden Lastschriften korrekt eingezogen (Versicherungen, Telefon)?
- Gehen Gutschriften auf dem richtigen Konto ein (Rente, Nebenjob, Mieteinnahmen)?
Besonders aufpassen bei Jahresbeiträgen. ADAC, Haftpflichtversicherung, Rundfunkbeitrag: Diese Abbuchungen kommen nur einmal im Jahr. Wenn sie gerade nicht im 13-Monats-Fenster des Kontowechselservices lagen, musst du die IBAN bei diesen Stellen manuell ändern.
Erstelle eine Liste mit allen regelmäßigen Zahlungen und hake ab, sobald jede Zahlung auf dem neuen Konto bestätigt ist. Die Checkliste weiter unten hilft dir dabei.
Schritt 5: Mindestens 3 Monate Parallelbetrieb
Viele Ratgeber empfehlen, das alte Konto schnell zu schließen. Bei Rentnern ist das keine gute Idee. Drei Monate Parallelbetrieb kosten dich bei der Sparkasse vielleicht 30 bis 50 Euro. Dafür weißt du, dass wirklich nichts durchrutscht.
In diesen drei Monaten:
- Prüfe regelmäßig, ob noch Zahlungen auf dem alten Konto eingehen.
- Halte ein kleines Guthaben auf dem Sparkassen-Konto (50 bis 100 Euro), damit keine Rücklastschriften entstehen.
- Überweise nach und nach das restliche Guthaben auf das neue Konto.
Erst wenn drei Monate lang keine einzige Buchung mehr auf dem alten Konto passiert, ist es Zeit für Schritt 6.
Wenn du Hilfe bei der Umstellung brauchst: Der Artikel Kinder helfen Eltern beim Banking erklärt, wie Familie den Wechsel gemeinsam angehen kann.
Schritt 6: Altes Sparkassen-Konto schließen
Du musst nicht in die Filiale. Ein formloses Schreiben per Post reicht. Wir empfehlen Einschreiben, damit du einen Nachweis hast.
Dein Schreiben enthält:
- Kontonummer und IBAN des Sparkassen-Kontos
- Dein Wunsch, das Konto zu schließen
- Die IBAN, auf die das Restguthaben überwiesen werden soll
- Datum und Unterschrift
Es gibt keine Kündigungsfrist für Girokonten. Das Konto muss lediglich ein positives Guthaben aufweisen. Die Sparkasse überweist den Restbetrag automatisch auf dein neues Konto.
Bei einem Gemeinschaftskonto müssen beide Kontoinhaber unterschreiben. Wenn dein Partner das Konto mitbenutzt, stimmt euch vorher ab.
Alternativ kannst du auch deine neue Bank beauftragen, die Kontoschließung im Rahmen des Zahlungskontengesetzes zu veranlassen. Das spart dir den Brief.
Checkliste zum Ausdrucken
Kontowechsel-Checkliste für Rentner
Vor dem Wechsel:
- Kontoauszüge der letzten 2 Jahre sichern (PDF oder Papier)
- Vollmacht prüfen und bei neuer Bank neu einrichten
- Sparbuch-Situation klären (behalten oder auflösen?)
- 17-stellige Rentenversicherungsnummer heraussuchen
- Liste aller Daueraufträge, Lastschriften und Jahresbeiträge erstellen
Kontoeröffnung:
- Neue Bank auswählen (PostIdent-Option beachten)
- Konto per PostIdent oder VideoIdent eröffnen
- Onlinebanking-Zugang einrichten und testen
Umstellung:
- Kontowechselservice der neuen Bank beauftragen
- Rente umleiten beim Renten Service der Deutschen Post
- Jahresbeiträge manuell umstellen (ADAC, Versicherungen, Vereine)
Kontrolle (3 Monate):
- Woche 2 bis 3: Erste Abbuchungen auf neuem Konto prüfen
- Monat 2: Renteneingang auf neuem Konto bestätigen
- Monat 3: Keine Buchungen mehr auf altem Konto?
Abschluss:
- Sparkassen-Konto per Einschreiben kündigen
- Restguthaben auf neues Konto überweisen lassen
- Kündigung schriftlich bestätigen lassen
Häufige Fragen
Du meldest die Änderung beim Renten Service der Deutschen Post. Entweder online unter onlinemitteilung.deutschepost.de/rentenservice/ oder per Formular aus der Postfiliale. Du brauchst deine neue IBAN und deine 17-stellige Rentenversicherungsnummer. Die Bearbeitung dauert 3 bis 4 Wochen.
Du solltest es selbst machen. Der Kontowechselservice informiert zwar theoretisch alle Zahlungspartner, beim Renten Service klappt das aber nicht immer zuverlässig. Die eigene Meldung dauert 5 Minuten und ist der sicherere Weg.
Der reine Wechsel per Kontowechselservice dauert 7 bis 12 Werktage. Die Rentenumleitung braucht 3 bis 4 Wochen. Mit dem empfohlenen 3-Monats-Parallelbetrieb solltest du insgesamt 4 bis 5 Monate einplanen, bis alles abgeschlossen ist.
Nein. Ein formloses Schreiben per Post reicht. Wir empfehlen Einschreiben mit Rückschein. Es gibt keine Kündigungsfrist. Alternativ kannst du deine neue Bank beauftragen, die Schließung im Rahmen des Zahlungskontengesetzes zu veranlassen.
Nichts. Sparbuch und Girokonto sind getrennte Produkte. Du kannst das Girokonto kündigen und das Sparbuch behalten. Wenn du das Sparbuch ebenfalls auflösen willst: 3 Monate Kündigungsfrist, bis 2.000 Euro pro Monat ohne Kündigung abhebbar.
Ja, bei den meisten Direktbanken. PostIdent bieten an: comdirect, DKB, C24 und norisbank. Die ING bietet nur VideoIdent. PostIdent ist kostenlos, dauert wenige Minuten in der Postfiliale und funktioniert auch in Supermarkt-Filialen der Post.
Die Durchschnittsrente liegt 2026 bei rund 1.100 Euro. Damit erfüllst du die Bedingungen bei comdirect (700 Euro), DKB (700 Euro) und norisbank (500 Euro). Nur bei der ING (1.000 Euro) wird es bei kleiner Rente knapp. C24 hat keinen Mindestgeldeingang. Details dazu: Girokonto bei kleiner Rente.
Quellen und Transparenz
Dieser Artikel basiert auf folgenden Quellen:
- BaFin: Kontowechsel
- Zahlungskontengesetz (ZKG), Paragraf 21 bis 24
- Deutsche Rentenversicherung: Bankverbindung ändern
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Konto wechseln
Letzte Aktualisierung: März 2026. Wir prüfen alle Angaben regelmäßig und aktualisieren diesen Artikel, wenn sich Konditionen oder gesetzliche Regelungen ändern.
Du willst wissen, welche Bank insgesamt am besten zu Rentnern passt? Unser Hauptartikel Banking für Rentner vergleicht alle Optionen im Detail.
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