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Ältere Frau sitzt konzentriert und ruhig vor einem Laptop am hellen Küchentisch, warmes Morgenlicht durch das Fenster
Ratgeber

Online Banking für Senioren: Der Einstieg ohne Angst

· Tobias Rehermann · 10 Min. Lesezeit
C24 Smart eröffnen
Ältere Frau sitzt konzentriert und ruhig vor einem Laptop am hellen Küchentisch, warmes Morgenlicht durch das Fenster

Du hast jahrzehntelang deine Bankgeschäfte am Schalter erledigt. Überweisungsträger ausfüllen, Kontoauszüge am Automaten ziehen. Das hat funktioniert. Jetzt schließen immer mehr Filialen, und deine Bank drängt dich Richtung Online-Banking. Das fühlt sich an, als würde dir jemand den sicheren Boden unter den Füßen wegziehen.

Diese Angst ist berechtigt. Sie ist nur größer als das tatsächliche Risiko. Hier lernst du, wie der Einstieg gelingt. Ohne Zeitdruck, ohne Fachchinesisch.

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste vorab:

  • 83 Prozent der 65- bis 74-Jährigen nutzen bereits Online-Banking. Du bist nicht allein, wenn du jetzt einsteigst.
  • Das größte Risiko ist nicht die Technik, sondern Phishing. Drei einfache Regeln schützen dich zuverlässig.
  • Wenn bei einer nicht autorisierten Überweisung etwas schiefgeht, muss die Bank dir das Geld erstatten (§675v BGB). Die Beweislast liegt bei der Bank.
  • Speichere die Sperrhotline 116 116 in deinem Telefon ein. Damit sperrst du Karte und Online-Banking sofort, rund um die Uhr, kostenlos.
  • Kostenlose Schulungen gibt es beim Digital-Kompass (ca. 300 Standorte), bei Volkshochschulen und in vielen Sparkassen-Filialen.

Online-Banking ist sicherer als du denkst

66 Prozent der Senioren haben Angst vor Datenmissbrauch. 61 Prozent fürchten Betrug. Das sind keine irrationalen Ängste. Phishing, Enkeltrick, gefälschte Bank-Mails existieren. Aber die Fakten zeichnen ein anderes Bild als das Gefühl.

Dein Geld ist bis 100.000 Euro pro Bank gesetzlich geschützt. Bei einer deutschen Vollbank (Sparkasse, ING, DKB, comdirect) greift zusätzlich die freiwillige Einlagensicherung. Selbst wenn die Bank pleitegeht: Dein Geld ist da.

Seit 2009 regelt §675v BGB, dass die Bank bei nicht autorisierten Zahlungen erstatten muss. Du haftest maximal mit 50 Euro, wenn du nicht grob fahrlässig gehandelt hast. Die Beweislast liegt bei der Bank, nicht bei dir.

Und seit Oktober 2025 müssen Banken bei jeder Überweisung prüfen, ob IBAN und Empfängername zusammenpassen. Vertippst du dich bei der IBAN, bekommst du eine Warnung. Das war früher nicht so.

Zum Vergleich: Ein Überweisungsträger aus Papier bietet keinen dieser Schutzmechanismen. Kein TAN-Verfahren, kein Namensabgleich, keine sofortige Benachrichtigung. Online-Banking ist nicht perfekt. Aber es ist sicherer als der Papierweg.

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Was du brauchst: Smartphone oder Computer?

Beides funktioniert. Die Frage ist: Was liegt dir mehr?

Viele Senioren kommen mit einem Tablet am besten zurecht. Großer Bildschirm, Bedienung per Fingertipp, keine Maus nötig. Ein gebrauchtes iPad oder Samsung-Tablet ab 150 Euro reicht völlig. Wenn du ohnehin am Computer sitzt und E-Mails schreibst, kannst du Online-Banking auch im Browser nutzen. Der Vorteil: eine echte Tastatur für IBAN-Eingaben.

Das Smartphone funktioniert, aber der kleine Bildschirm macht es Einsteigern schwerer. Zahlen tippen und IBAN prüfen auf 6 Zoll ist mühsam. Als Zweitgerät für unterwegs in Ordnung, als Hauptgerät eher nicht.

Du brauchst auch kein Smartphone für die TAN-Bestätigung. Ein chipTAN-Generator kostet etwa 20 Euro: Du steckst deine Girocard ein, das Gerät zeigt die TAN an. Kein Internet nötig, keine App. Frag bei deiner Bank nach, ob sie chipTAN unterstützt.

So richtest du Online-Banking ein

Online-Banking einrichten

30 bis 60 Minuten (ohne Wartezeiten für Post) 0 EUR
1

Konto mit Online-Banking-Zugang eröffnen

Wenn du bereits ein Konto hast: Ruf deine Bank an und lass den Online-Zugang freischalten. Bei einer neuen Bank wählst du zwischen VideoIdent (Videoanruf am Bildschirm) und PostIdent (mit Ausweis zur Postfiliale). PostIdent ist einfacher, dauert aber ein paar Tage länger.
2

Erstanmeldung durchführen

Du bekommst Zugangsdaten per Post. Tippe die Webadresse deiner Bank selbst in den Browser ein. Klicke nie auf Links in E-Mails. Beim ersten Login vergibst du ein neues Passwort. Notiere es auf Papier und bewahre es sicher auf.
3

TAN-Verfahren einrichten

Deine Bank bietet dir pushTAN (App auf dem Smartphone) oder chipTAN (Kartenlesegerät) an. Für Einsteiger ohne Smartphone ist chipTAN die stressfreiere Variante. Folge der Anleitung deiner Bank, die kommt meistens mit der Post.
4

Erste Überweisung mit kleinem Betrag testen

Überweise 1 Euro an ein Familienmitglied. So lernst du den Ablauf kennen, ohne Risiko. Prüfe am nächsten Tag, ob das Geld angekommen ist.
5

Sicherheit konfigurieren

Richte eine Bildschirmsperre auf deinem Gerät ein (PIN oder Fingerabdruck). Aktiviere Benachrichtigungen für Kontobewegungen, damit du sofort siehst wenn Geld abgebucht wird. Logge dich nach jeder Sitzung aus.

Ein häufiger Stolperstein: Viele tippen die Bank-URL nicht selbst ein, sondern googeln. Google zeigt manchmal Anzeigen über den echten Ergebnissen. Tippe die Adresse immer direkt ein: ing.de, dkb.de, sparkasse.de. Wenn du unsicher bist, ruf bei deiner Bank an und frag nach der genauen Adresse.

Kontostand prüfen, überweisen, Dauerauftrag einrichten

Im Alltag reichen drei Funktionen. Alles andere kommt später, oder gar nicht.

Den Kontostand siehst du sofort nach dem Login. Keine TAN nötig. Die letzten Buchungen stehen chronologisch darunter. Das ersetzt den Gang zum Kontoauszugsdrucker.

Für eine Überweisung gibst du IBAN, Betrag und Verwendungszweck ein und bestätigst mit einer TAN. Das Geld ist meist am nächsten Werktag beim Empfänger. Tipp: Speichere häufige Empfänger (Strom, Miete, Versicherung) als Vorlage, dann musst du die IBAN nur einmal eingeben.

Für laufende Rechnungen wie Miete oder Strom richtest du einmal einen Dauerauftrag ein. Danach läuft alles automatisch. Ändern oder löschen kannst du ihn jederzeit.

Kontoauszüge findest du als PDF im Postfach deines Online-Bankings. Du kannst sie herunterladen, ausdrucken oder digital aufbewahren. Das Finanzamt akzeptiert beides.

Sicherheit: So schützt du dich vor Betrug

Die meisten Betrugsfälle funktionieren nicht über technische Schwachstellen. Sie funktionieren, weil jemand unter Druck gesetzt wird. Wer diese drei Regeln kennt, ist vor dem Großteil der gängigen Maschen geschützt.

Klicke nie auf Links in E-Mails oder SMS, die angeblich von deiner Bank kommen. Deine Bank schickt dir keine Links per E-Mail. Wenn du eine Nachricht bekommst, die dich zum Einloggen auffordert: Lösche sie. Öffne stattdessen die App oder tippe die Bank-Adresse selbst in den Browser.

Gib niemals PIN oder TAN am Telefon weiter. Kein Bankmitarbeiter wird dich jemals nach deiner PIN oder einer TAN fragen. Wer das tut, ist ein Betrüger. Egal wie überzeugend der Anruf klingt, egal ob die Nummer auf dem Display die deiner Bank ist (Nummern lassen sich fälschen). Leg auf.

Bei Zeitdruck sofort misstrauisch werden. „Sie müssen jetzt sofort handeln, sonst wird Ihr Konto gesperrt.“ Das ist die Standardmasche. Echte Banken setzen dich nie unter Zeitdruck. Wenn du unsicher bist: Leg auf und ruf die offizielle Hotline deiner Bank an.

Drei Warnsignale für Phishing

1. Du wirst nach PIN, TAN oder Passwort gefragt. 2. Die Nachricht erzeugt Zeitdruck („Sofort handeln!“). 3. Die Absenderadresse sieht fast richtig aus, aber nicht ganz (z. B. ing-diba-service.com statt ing.de). Wenn eines dieser Signale auftaucht: Nicht reagieren, löschen, bei der Bank melden.

Was tun wenn etwas schiefgeht?

Du hast aus Versehen Geld an die falsche IBAN überwiesen. Oder du befürchtest, dass jemand Zugriff auf dein Konto hat. Keine Panik. Für beides gibt es eine konkrete Vorgehensweise.

Die Sperrhotline 116 116 ist kostenlos, rund um die Uhr erreichbar, an jedem Tag im Jahr. Mit einem Anruf sperrst du Girocard, Kreditkarte, Online-Banking und eID. Speichere diese Nummer jetzt in deinem Telefon. Nicht morgen. Jetzt.

Bei einer falschen Überweisung: sofort bei deiner Bank anrufen. Wenn die Überweisung noch nicht ausgeführt wurde, kann die Bank sie stoppen. Ist das Geld schon beim Empfänger, versucht die Bank eine Rückbuchung. Je schneller du anrufst, desto besser die Chancen.

Passwort vergessen passiert jedem. Bei der ING und DKB gibt es einen Online-Self-Service: Du beantragst neue Zugangsdaten direkt auf der Webseite. Bei der C24 Bank geht das in der App. Bei der Sparkasse rufst du an oder gehst in die Filiale.

Wenn du mit der App nicht klarkommst: Ruf den Telefon-Support deiner Bank an. Bei der ING und comdirect erreichst du rund um die Uhr jemanden. Die Sparkasse bietet sogar vollständiges Telefon-Banking an, also Überweisungen per Telefon beauftragen, ganz ohne App oder Computer.

Kostenlose Hilfsangebote für den Einstieg

Digital-Kompass: Rund 300 Standorte deutschlandweit mit kostenlosen Schulungen für ältere Menschen. Themen: Smartphone-Bedienung, Online-Banking, Sicherheit. digital-kompass.de

Digitaler Engel: Info-Busse, die seit März 2026 durch Deutschland touren und vor Ort Hilfe anbieten. digitaler-engel.org

Sparkassen-Schulungen: Viele Sparkassen-Filialen bieten kostenlose Kurse für Online-Banking-Einsteiger an. Frag in deiner Filiale nach.

Volkshochschulen: VHS-Kurse zu „Smartphone für Einsteiger“ oder „Sicher im Netz“ kosten zwischen 20 und 50 Euro.

BaFin Verbraucher-Hotline: 0800 2 100 500 (kostenlos). Wenn du Probleme mit deiner Bank hast, die sich nicht lösen lassen.

Häufige Fragen

Ja. Die Sicherheitsmechanismen (TAN-Verfahren, Verschlüsselung, Namens-IBAN-Abgleich) schützen dich unabhängig vom Alter. Halte drei Grundregeln ein: keine Links in E-Mails anklicken, keine PIN am Telefon weitergeben, bei Zeitdruck auflegen. §675v BGB schützt dich zusätzlich: Bei nicht autorisierten Zahlungen muss die Bank erstatten.

Nein. Du kannst Online-Banking auf dem Computer, Laptop oder Tablet nutzen. Für die TAN-Bestätigung gibt es den chipTAN-Generator (ca. 20 Euro), der ohne Smartphone funktioniert. Du steckst deine Girocard ein und bekommst die TAN auf dem Display des Geräts angezeigt. Frag bei deiner Bank nach, ob sie chipTAN unterstützt.

Seit Oktober 2025 prüfen Banken, ob IBAN und Empfängername zusammenpassen. Bei einer Abweichung bekommst du eine Warnung, bevor die Überweisung rausgeht. Falls doch Geld an die falsche Person ging: Ruf sofort bei deiner Bank an. Je schneller du reagierst, desto höher die Chance auf eine Rückbuchung.

Online-Banking selbst ist bei den meisten Banken kostenlos. Du zahlst die reguläre Kontoführungsgebühr, egal ob du online oder am Schalter überweist. Bei vielen Direktbanken (ING, DKB, C24) ist sogar die Kontoführung komplett kostenlos. Ein chipTAN-Generator kostet einmalig etwa 20 Euro.

Ja, aber richtig. Dein Kind sollte sich nicht mit deinen Zugangsdaten einloggen. Das verstößt gegen die AGB der Bank und gefährdet deinen Haftungsschutz. Besser: eine Bankvollmacht einrichten, damit dein Kind offiziell Zugriff bekommt. Bei der DKB bekommen Bevollmächtigte sogar einen eigenen Online-Zugang. Alles Wichtige dazu findest du im Ratgeber Kinder helfen Eltern beim Banking.

Kostenlose Schulungen bietet der Digital-Kompass an rund 300 Standorten in Deutschland. Die Digitalen Engel sind mit Info-Bussen unterwegs. Viele Sparkassen und Volkshochschulen haben Kurse für Einsteiger. Und der Telefon-Support deiner Bank hilft bei konkreten Fragen: ING und comdirect sind rund um die Uhr erreichbar.

Online-Banking bietet mehr Schutzmechanismen als der Papierweg. Jede Online-Überweisung wird durch ein TAN-Verfahren abgesichert. Seit 2025 gibt es den verpflichtenden Namens-IBAN-Abgleich. Bei einer nicht autorisierten Transaktion haftet die Bank (§675v BGB). Ein Überweisungsträger aus Papier bietet keinen dieser Schutzmechanismen.

Quellen und Transparenz

Transparenz: Dieser Artikel enthält Empfehlungen für Banken, die wir selbst getestet haben. Wenn du über einen unserer Links ein Konto eröffnest, erhalten wir eine Provision. Das beeinflusst unsere Bewertung nicht. Unsere Bewertungsmethodik ist öffentlich einsehbar.

Dieser Artikel ist Teil des Themen-Clusters Banking für Rentner. Weitere Ratgeber: Kinder helfen Eltern beim Banking, Betrugsschutz beim Banking, Seniorenfreundliche Neobanken, Barrierefreie Banking-Apps.

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