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Am 1. Juli 2026 ist Schluss mit Payment for Order Flow. Knapp zehn Wochen vor dem Stichtag zeichnet sich ab, wie die drei großen deutschen Neobroker damit umgehen. Scalable Capital hat den Umbau längst hinter sich. Trade Republic fährt eine klare Linie mit eigener MTF-Lizenz. Bei justTRADE fehlt bislang eine Ansage, wie das Geschäft nach Juli funktionieren soll. Wenn du bei einem der drei Broker investierst, lohnt sich ein Blick auf den Status, bevor die Umstellung live geht.
Das Wichtigste in Kürze
- PFOF-Verbot tritt EU-weit am 1. Juli 2026 in Kraft. Broker dürfen dann keine Rückvergütungen mehr von Market Makern für weitergeleitete Orders annehmen.
- Scalable Capital ist seit Dezember 2024 PFOF-frei. Die eigene Börse EIX betreibt Scalable selbst als Market Maker, Einnahmen kommen über den Spread.
- Trade Republic hält seit Anfang 2026 eine eigene MTF-Lizenz und ordnet PFOF als kleineren Einnahme-Block ein. Die 1 Euro Fremdkostenpauschale bleibt.
- justTRADE hat als einziger größerer Neobroker keine kommunizierte Nachfolge-Strategie. Das Geschäftsmodell basiert bislang komplett auf PFOF-Rückvergütungen.
Was du tun kannst: Ausführungsplatz deiner letzten Order prüfen, Kommunikation vom Broker genau lesen, bei Unsicherheit Zweitdepot eröffnen.
Was ist Payment for Order Flow überhaupt?
Payment for Order Flow, kurz PFOF, ist ein Geschäftsmodell aus den USA. Der Broker leitet deine Order nicht an die große Börse wie Xetra, sondern an einen sogenannten Market Maker. Das ist ein Handelsplatz oder ein Finanzhaus, das selbst Aktien oder ETFs auf eigene Rechnung kauft und verkauft.
Dieser Market Maker zahlt dem Broker für den Auftrag eine Rückvergütung. Das ist PFOF. Der Broker verdient also nicht direkt an dir, sondern an dem Handelspartner, an den er dich weiterleitet.
Auf den ersten Blick klingt das gut für dich. Du bekommst oft 0 Euro Ordergebühr oder zahlst nur eine kleine Pauschale. Das Geld ist trotzdem da, nur eben versteckt. Der Market Maker finanziert die Rückvergütung über den Spread, also die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei marktengen Werten oder außerhalb der Haupthandelszeit kann dich das spürbar Rendite kosten.
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Trade Republic
85 · Sehr gut
Scalable Capital
84 · Sehr gut
Warum verbietet die EU das?
Die EU sieht in PFOF einen strukturellen Interessenkonflikt. Der Broker hat einen Anreiz, deine Order an den Market Maker mit der höchsten Rückvergütung weiterzuleiten, nicht zwingend an den mit dem besten Kurs. Das widerspricht der Pflicht zur bestmöglichen Ausführung, auf die du als Kunde laut MiFID II Anspruch hast.
Dazu kommt die Transparenz-Frage. In einer CNMV-Studie aus Spanien und bei Auswertungen der BaFin wurden Kursabweichungen zwischen PFOF-Handelsplätzen und der Referenzbörse von mehreren Basispunkten gemessen. Bei einzelnen Orders klingt das nach wenig. Aufsummiert über Millionen Trades wird daraus ein siebenstelliger Betrag, der auf keiner Abrechnung steht. Der Anleger sieht nur die 0 Euro oder 1 Euro Ordergebühr.
Mit der überarbeiteten MiFIR-Verordnung hat die EU reagiert. PFOF wird vollständig untersagt. Kein Broker mit Sitz in der EU darf künftig Rückvergütungen von Market Makern für weitergeleitete Kleinanleger-Orders annehmen.
Stichtag 1. Juli 2026
Der Termin steht fest. Am 1. Juli 2026 tritt das PFOF-Verbot in allen EU-Mitgliedsstaaten in Kraft. Deutschland hatte im Rahmen einer Übergangsregelung eine nationale Ausnahme genutzt, diese läuft mit dem Stichtag aus.
Für Broker heißt das, sie müssen ihr Geschäftsmodell spätestens bis Juni 2026 umgebaut haben. Für dich als Kunde heißt es, deine Konditionen können sich ändern. Denkbare Reaktionen: höhere Ordergebühren, breitere Spreads, der Aufbau eines eigenen Handelsplatzes mit eigener Market-Maker-Rolle, oder eine Kombination aus allem.
Hinweis zur Reichweite: Das PFOF-Verbot gilt für alle Broker mit EU-Sitz. Interactive Brokers oder Degiro über die Niederlande fallen also genauso darunter wie Trade Republic oder Scalable. Für rein US-basierte Anbieter wie Robinhood, die in Deutschland ohnehin nicht aktiv sind, ändert sich nichts.
Trade Republic: eigene MTF-Lizenz und 1-Euro-Pauschale
Trade Republic hat sich früh auf das Verbot vorbereitet. Seit Anfang 2026 hält der Broker eine eigene MTF-Lizenz (Multilateral Trading Facility). Trade Republic kann damit einen eigenen Handelsplatz betreiben und ist nicht mehr ausschließlich auf externe Market Maker angewiesen.
Aktuell läuft der Hauptteil der Orders noch über die LS Exchange, ein von Lang & Schwarz betriebenes MTF, an dem Trade Republic strategisch beteiligt ist. Die eigene MTF befindet sich im Aufbau. Gründer Christian Hecker hat in mehreren Interviews eingeordnet, dass PFOF-Einnahmen unter 30 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen. Die 1 Euro Fremdkostenpauschale pro Order soll nach seiner Aussage bleiben.
Für Trade-Republic-Kunden bedeutet das: Die Konditionen bleiben im Kern stabil. Ordergebühren weiterhin 1 Euro, Sparpläne weiterhin kostenlos, Kryptohandel mit 1 Euro plus Spread. Einen Interessenkonflikt gibt es trotzdem, wenn Trade Republic seinen eigenen Handelsplatz betreibt. Das benennt der Broker offen und verweist auf die regulatorischen Pflichten zur Best Execution. Den vollständigen Test mit Score und aktuellen Änderungen findest du in unserem Trade Republic Testbericht.
Scalable Capital: EIX-Börse seit Dezember 2024
Scalable Capital ist der einzige größere deutsche Neobroker, der den Umbau bereits vor über einem Jahr abgeschlossen hat. Seit Dezember 2024 laufen sämtliche Orders über die hauseigene EIX, eine von der BaFin regulierte Börse. Die Scalable Capital Bank GmbH tritt dort als Market Maker auf, zusammen mit mwb fairtrade als zweitem Liquiditätsanbieter.
Einnahmen entstehen über den Spread, also die Differenz zwischen Ankauf- und Verkaufskurs. Rückvergütungen von externen Market Makern fließen nicht mehr. Damit ist Scalable formell und faktisch PFOF-frei, gut anderthalb Jahre vor dem gesetzlichen Stichtag.
Auch das Scalable-Modell hat einen Interessenkonflikt. Wenn die Bank selbst Market Maker auf ihrer eigenen Börse ist, verdient sie am Spread ihrer eigenen Kunden. Der Unterschied zum klassischen PFOF ist die Transparenz: Die BaFin beaufsichtigt die EIX als vollwertige Börse, und die Spreads werden kontinuierlich mit Referenzkursen auf Xetra abgeglichen.
Konditionen bleiben wie bekannt. FREE-Tarif kostenlos mit 0,99 Euro pro Order, PRIME+ mit Flatrate für 4,99 Euro im Monat. PRIME für 2,99 Euro ist für Neukunden seit August 2024 nicht mehr buchbar, Bestandskunden behalten ihren Tarif. Alle Details im Scalable Capital Testbericht.
justTRADE: unklare Strategie, erhöhtes Risiko
Bei justTRADE ist die Lage deutlich weniger eindeutig. Der Broker gehört zur Sutor-Bank-Gruppe und hat sein Geschäftsmodell seit Jahren auf PFOF aufgebaut. Einnahmen kamen bisher zu einem sehr hohen Anteil aus Rückvergütungen der Market Maker Citadel Securities Europe, Tradegate und LS Exchange.
Im Juni 2023 hat justTRADE das Preismodell einmal umgebaut. Davor galt „0 Euro Ordergebühr ab 500 Euro Ordervolumen“, seither fallen bei jeder Aktien- oder ETF-Order 1 Euro Fremdkosten an, unabhängig vom Volumen. Diese Umstellung lässt sich als erste vorsichtige PFOF-Reaktion lesen, auch wenn justTRADE das selbst nie so kommuniziert hat.
Was für den 1. Juli 2026 folgt, ist offen. Geschäftsführer Michael Busshaus hat sich in Fachmedien bisher vage geäußert, unter anderem mit dem Verweis auf „noch unklare Details aus Brüssel“. Eine konkrete Ankündigung zu Gebührenanpassungen, einer eigenen Börsenlizenz oder einer Premium-Struktur fehlt bislang.
Achtung: Wenn du bei justTRADE investierst, solltest du die Kommunikation des Brokers in den nächsten Wochen genau verfolgen. Ohne PFOF-Rückvergütungen fällt die bisherige Haupteinnahmequelle weg. Eine Gebührenerhöhung oder ein Spread-Modell ist deshalb wahrscheinlich, die Frage ist eher, wie und wann das kommuniziert wird.
Den Stand zu Preismodell, Kryptohandel und aktuellen Zahlen findest du im justTRADE Testbericht.
So reagieren die drei Broker im Überblick
PFOF-Status und Strategie im Vergleich
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
Was heißt das für dich als Anleger?
Ehrlich gesagt ist das PFOF-Verbot für dich keine dramatische Sache. Bei Trade Republic und Scalable Capital ist das Geschäftsmodell für die Zeit nach Juli solide, beide Broker verdienen schon heute aus Gebühren, Zinsen und Spread. Bei justTRADE ist mehr Wachsamkeit sinnvoll, aber auch dort ist dein Depot nicht gefährdet.
Konkrete Schritte, die du jetzt angehen kannst:
1. Ausführungsplatz prüfen. Schau in deine letzte Orderabrechnung. Bei Trade Republic meistens LS Exchange, bei Scalable die EIX, bei justTRADE Tradegate, LS Exchange oder Quotrix. Der Ausführungsplatz steht auf jeder Abrechnung.
2. Spreads im Blick behalten. Ab Juli kann sich das Spread-Bild verändern. Wer aktiv handelt, kann die Differenz zwischen Ankauf- und Verkaufskurs bei marktengen Werten oder außerhalb der Xetra-Haupthandelszeit mit einem zweiten Broker vergleichen. Bei ETF-Sparplänen mit kleinen Volumen spielt der Spread meist eine untergeordnete Rolle.
3. Broker-Mails aufmerksam lesen. In den nächsten Wochen werden alle drei Anbieter voraussichtlich Updates zu ihren Konditionen verschicken. Bei justTRADE ist das besonders wahrscheinlich, weil das bisherige Modell ohne Anpassung nicht weiterlaufen kann.
4. Bei Zweifeln Zweitdepot eröffnen. Wer unsicher ist, kann heute schon ein Depot bei einem zweiten Broker öffnen. Neue Orders laufen dann dort, das alte Depot bleibt bestehen, bis die Lage klarer ist. Einen Komplett-Übertrag kannst du später nachholen, eingehende Überträge sind bei den großen Neobrokern kostenlos.
Häufige Fragen zum PFOF-Verbot
Eine MTF, also ein multilaterales Handelssystem, ist rechtlich eine eigene Kategorie. Trade Republic darf als Betreiber der Handelsplattform Einnahmen aus dem Handel generieren, zum Beispiel über Gebühren an die Market Maker oder über einen eigenen Spread. PFOF ist davon nicht betroffen, weil es hier keine Rückvergütung für die Weiterleitung einer Kundenorder an einen Dritten gibt. Der Broker betreibt die Börse selbst.
PFOF ist eine direkte Rückvergütung vom Market Maker an den Broker für die Weiterleitung der Order. Der Spread ist die Handelsspanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, die der Market Maker selbst einnimmt. Beim PFOF-Modell fließen zwei Geldströme, beim Spread-Modell einer. Die EU will mit dem Verbot den ersten Strom stoppen, der Spread bleibt das normale Marktinstrument.
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Bei Scalable Capital und Trade Republic sind keine größeren Anpassungen angekündigt, bei justTRADE ist eine Veränderung wahrscheinlich. Selbst wenn ein Broker die Ordergebühren erhöht, spricht das noch nicht gegen ihn. Wichtig ist, dass die Gesamtkosten aus Gebühr und Spread für dich transparent sind.
Nein, nicht aus reiner Vorsicht. Bei Trade Republic und Scalable Capital funktioniert das Modell auch ohne PFOF weiter. Bei justTRADE kann es sich lohnen, die Kommunikation bis Juni 2026 abzuwarten. Ein Depotübertrag ist jederzeit möglich, eingehende Überträge sind bei den großen Neobrokern kostenlos.
Ja, die MiFIR-Vorgaben umfassen Aktien, ETFs, Derivate und auch Kryptowerte, die über regulierte Plattformen gehandelt werden. Bei Trade Republic, Scalable und justTRADE läuft der Kryptohandel bereits heute über Spread-Modelle mit expliziter Kostenkennzeichnung, dort ändert sich durch das Verbot am wenigsten.
Das PFOF-Verbot ist für die großen deutschen Neobroker kein existenzielles Risiko, sondern eine Anpassung. Deine Wertpapiere sind ohnehin Sondervermögen und bleiben auch bei einer Broker-Insolvenz dein Eigentum. Bargeld auf dem Verrechnungskonto ist über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert. Wer bei justTRADE investiert, sollte das trotzdem einplanen und die Entwicklung beobachten.
Quellen
- BaFin: Hinweise zu MiFID II und Best Execution
- ESMA Statement zu Payment for Order Flow (2024)
- EU-Verordnung 2024/791 (MiFIR-Überarbeitung)
- Scalable Capital Pressebereich zur EIX-Börse
- Trade Republic Offizielle Seite
Wenn du tiefer in die Testberichte und Bewertungen einsteigen willst, lohnt sich ein Blick auf unsere Hub-Seiten zu Trade Republic, Scalable Capital und justTRADE. Dort findest du jeweils den vollständigen Score, Praxiserfahrungen und die aktuellen Konditionen im Detail.
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