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Du hast Geld auf dem Tagesgeldkonto, und die Zinsentwicklung ist schwer einzuschätzen. Jetzt fragst du dich: Soll ich einen Teil fest anlegen, bevor sich die Lage dreht? Oder lieber flexibel bleiben, weil die Zinsen zuletzt wieder gestiegen sind?
Die Frage ist berechtigt. Denn die EZB hat den Einlagenzins zuletzt am 17. Juni 2026 auf 2,25 % angehoben, nachdem er zuvor bei rund 2,00 % lag. Bei den Tagesgeldzinsen der Neobanken ist die Lage gemischt: Trade Republic zahlt 2,25 %, Scalable Capital immerhin 2,50 %. Gleichzeitig bekommst du bei Festgeld mit 12 Monaten Laufzeit aktuell um die 2,80 %. Spürbar mehr.
Das klingt nach einem klaren Fall. Ist es aber nicht. Denn Festgeld bedeutet: Dein Geld ist gesperrt. Steigen die Zinsen in der Zwischenzeit, guckst du in die Röhre. Fallen sie weiter, hast du richtig entschieden. Im Kern ist es eine Wette auf die Zukunft der EZB-Zinspolitik. Genau diese Wette schauen wir uns an. Mit konkreten Zahlen, einer Kombi-Strategie und einer ehrlichen Einordnung der Neobank-Angebote, die sich „Festgeld“ nennen, aber keines sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Festgeld bringt aktuell um die 2,80 % (12 Monate, Bank of Scotland), mehr als Dauerzins-Tagesgeld bei Neobanken (2,25–2,50 %).
- Die EZB hat den Einlagenzins am 17. Juni 2026 auf 2,25 % angehoben. Die weitere Richtung ist offen.
- Bei fallenden Zinsen sicherst du dir mit Festgeld den aktuellen Zins. Das ist der Hauptgrund, jetzt zuzuschlagen.
- Eine Festgeld-Leiter (gestaffelte Laufzeiten) kombiniert Flexibilität mit höheren Zinsen und bringt bei 50.000 € rund 4.269 € über 5 Jahre.
- Vorsicht bei Neobanken: Trade Republic und Scalable Capital bieten kein echtes Festgeld, sondern Anleihen ohne Einlagensicherung.
Perfekt für dich, wenn du Geld hast, das du 12–24 Monate nicht brauchst, und eher sinkende Zinsen erwartest.
Nicht ideal, wenn du flexibel bleiben musst oder der Zinsunterschied zum Tagesgeld minimal ist.
Unser Urteil in einem Satz: Festgeld lohnt sich jetzt, am besten kombiniert mit Tagesgeld als Puffer und einer Leiter-Strategie für mehr Flexibilität.
Festgeld und Tagesgeld: Die wichtigsten Unterschiede
Auf den ersten Blick ist die Sache simpel. Tagesgeld: Du kommst jederzeit an dein Geld. Festgeld: Dein Geld ist für eine bestimmte Laufzeit gesperrt, dafür bekommst du einen garantierten Zinssatz.
In der Praxis steckt mehr dahinter. Beim Tagesgeld kann die Bank den Zins jederzeit ändern. Und tut das auch. Als die EZB im Juni 2025 gesenkt hat, haben Trade Republic und Co. innerhalb weniger Wochen nachgezogen. Beim Festgeld dagegen steht der Zins fest. Egal was die EZB macht, du bekommst genau den Satz, den du bei Abschluss vereinbart hast.
Festgeld vs. Tagesgeld im Überblick
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
Der entscheidende Punkt: Festgeld schützt dich vor sinkenden Zinsen. Tagesgeld schützt dich vor steigenden Zinsen, weil du jederzeit wechseln kannst. Was gerade sinnvoller ist, hängt davon ab, wohin die Zinsen gehen.
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Scalable Capital
84 · Sehr gut
Trade Republic
85 · Sehr gut
C24 Bank
79 · Gut
Zinsen im Vergleich: Festgeld vs. Tagesgeld aktuell
Stand Juni 2026 sieht die Lage so aus: Scalable Capital zahlt 2,50 %, der aktuell beste Dauerzins unter den Neobanken. Trade Republic liegt bei 2,25 %, also genau auf dem EZB-Einlagensatz. Klassische Banken wie die C24 Bank bieten teils nur 0,50 %.
Dazu gibt es immer wieder Aktionszinsen, mit denen Banken wie die Consorsbank oder die Bank of Scotland Neukunden über einige Monate locken. Klingt gut, aber nach der Aktion landest du wieder beim normalen Zinssatz. Das ist Zins-Hopping, kein nachhaltiges Konzept.
Beim Festgeld sieht die Lage anders aus:
Festgeld-Zinsen nach Laufzeit (Juni 2026)
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
Bei 12 Monaten Laufzeit bekommst du um die 2,80 %, garantiert für ein ganzes Jahr. Das ist gut ein halber Prozentpunkt mehr als bei Trade Republic und rund 0,30 % mehr als bei Scalable. Bei 10.000 € macht das etwa 280 € vs. 250 € (Scalable) bzw. 225 € (Trade Republic) im Jahr. Kein riesiger Unterschied, aber auch nicht nichts.
Wann sich Festgeld lohnt (und wann nicht)
Festgeld ist kein Allheilmittel. Die Grundvoraussetzung: Du hast Geld, das du in den nächsten 12 bis 24 Monaten definitiv nicht brauchst. Kein Notgroschen, kein Urlaubsgeld, kein Geld für die neue Waschmaschine. Sondern echtes Parkgeld, das sowieso nur rumliegt.
Außerdem macht es nur Sinn, wenn du glaubst, dass die Zinsen eher sinken als steigen. Dann sicherst du dir den aktuellen, höheren Zins für die gesamte Laufzeit. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Finger weg vom Festgeld, wenn du flexibel bleiben willst oder musst. Bei den meisten Banken gibt es keine vorzeitige Kündigung. Dein Geld ist wirklich weg bis zum Laufzeitende. Und wenn der Zinsunterschied zum Tagesgeld gering ist, lohnt sich die Illiquidität kaum: Bei 2,80 % Festgeld vs. 2,50 % Tagesgeld (Scalable) ist der Aufpreis für die Unflexibilität ziemlich dünn.
Die Zinswette: Steigen oder fallen die Zinsen?
Ob Festgeld gerade eine gute Idee ist, hängt fast komplett von der Zinsentwicklung ab.
EZB-Zinsprognose Juni 2026
Der EZB-Einlagenzins liegt bei 2,25 %. Am 17. Juni 2026 hat die EZB den Einlagenzins auf 2,25 % angehoben, nachdem er zuvor bei rund 2,00 % lag. Die Inflation in der Eurozone liegt bei 2,6 %, also über dem EZB-Ziel von 2,0 %. Gleichzeitig wächst die Wirtschaft nur um 0,9 %. Wie es weitergeht, ist offen: Die jüngste Bewegung ging nach oben, die weitere Richtung hängt von der Inflations- und Konjunkturentwicklung ab.
Was bedeutet das für dich? Sollten die Zinsen im weiteren Jahresverlauf doch wieder nachgeben, würden auch die Tagesgeldzinsen folgen. Trade Republic und Scalable müssten ihre variablen Sätze dann nach unten anpassen.
Mit 12 Monaten Festgeld um die 2,80 % hättest du dir in diesem Fall den aktuellen Zins gesichert und würdest am Ende besser dastehen als jemand, der alles auf dem variablen Tagesgeldkonto gelassen hat. Das ist der eigentliche Sinn von Festgeld: Es schützt dich vor genau dieser Unsicherheit.
Das Gegenargument: Die Inflation liegt bei 2,6 % und die EZB könnte gezwungen sein, die Zinsen stabil zu halten oder sogar wieder anzuheben. In dem Fall wärst du mit Festgeld im Nachteil, weil dein Geld zum alten Zins festsitzt, während alle anderen mehr bekommen.
Die ehrliche Antwort: Niemand weiß es sicher. Die jüngste EZB-Bewegung ging nach oben, die weitere Richtung ist offen. Genau für diese Unsicherheit ist Festgeld das passende Instrument, weil es dir den heutigen Zins für die Laufzeit garantiert.
Kombi-Strategie: Tagesgeld + Festgeld-Leiter
Du musst dich nicht entscheiden. Die klügste Strategie kombiniert beides über eine sogenannte Festgeld-Leiter. Du teilst dein Geld in gleich große Tranchen auf und legst jede zu einer anderen Laufzeit an. Jedes Jahr wird eine Tranche fällig, die du dann entweder neu anlegst oder als Tagesgeld behältst. So hast du immer einen Teil des Geldes in Reichweite, profitierst aber von den höheren Festgeldzinsen.
Ein konkretes Beispiel mit 50.000 €:
Festgeld-Leiter mit 50.000 €
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
In Summe ergibt das rund 4.269 € Zinsen über die gesamte Laufzeit bei einem Durchschnittszins von etwa 2,83 %. Und jedes Jahr wird eine Tranche fällig, die du flexibel neu anlegen kannst.
Deinen Notgroschen und kurzfristig benötigtes Geld parkst du weiter auf dem Tagesgeldkonto bei Scalable Capital oder Trade Republic. So kombinierst du Flexibilität mit planbar höheren Zinsen.
Achte darauf, dass du pro Bank nicht mehr als 100.000 € anlegst. Das ist die Obergrenze der EU-Einlagensicherung. Bei einer Festgeld-Leiter über verschiedene Banken bist du automatisch diversifiziert.
Plattformen wie WeltSparen (Raisin) machen das besonders einfach: Du eröffnest ein Konto und hast Zugriff auf über 140 Partnerbanken in der EU. Alle mit Einlagensicherung, alles über ein Interface.
Neobank-Angebote für Festgeld
Hier wird es heikel. Denn was Neobanken als „Festgeld“ oder „Festzins“ verkaufen, ist oft kein echtes Festgeld.
Trade Republic und Scalable Capital bieten zwar Produkte mit festen Zinssätzen und Laufzeiten an. Aber es handelt sich um Anleihen, nicht um Bankeinlagen. Das bedeutet: Kein Schutz durch die gesetzliche Einlagensicherung (100.000 €). Im Insolvenzfall des Emittenten (bei TR z.B. verschiedene Emittenten, bei Scalable Goldman Sachs) könntest du Geld verlieren. Prüfe immer, ob es sich um eine Bankeinlage oder ein Wertpapier handelt.
Trade Republic bietet einen „Festzins“ mit Laufzeiten von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Die Zinsen liegen zwischen 2,12 % und 3,68 %. Klingt attraktiv. Aber es handelt sich um Anleihen verschiedener Emittenten. Kein Einlagenschutz, kein garantierter Rückzahlungsanspruch im Ernstfall. Für Trade Republic ist das ein Wertpapiergeschäft, kein Bankgeschäft.
Scalable Capital hat eine Goldman-Sachs-Anleihe im Angebot: 3 % für 3 Jahre. Auch hier gilt: Das ist eine Unternehmensanleihe, kein Festgeld. Goldman Sachs ist zwar keine wackelige Klitsche, aber du trägst das Emittentenrisiko.
N26 bietet aktuell gar kein Festgeld an. C24 hat Festgeld im Programm, aber mit maximal 1,15 %. Das liegt unter dem Tagesgeldzins der Konkurrenz und ist damit schlicht nicht konkurrenzfähig.
Wenn du echtes Festgeld mit Einlagensicherung willst, führt der Weg über klassische Banken oder über Zinsplattformen wie WeltSparen (Raisin). Dort bekommst du Festgeld bei EU-regulierten Banken mit voller Einlagensicherung bis 100.000 €. Du musst kein Konto bei jeder einzelnen Bank eröffnen.
Häufige Fragen
Festgeld bringt aktuell mehr. Bei 12 Monaten Laufzeit sind um die 2,80 % drin (Bank of Scotland), während die besten Tagesgeld-Dauerzinsen bei Neobanken bei 2,50 % (Scalable Capital) liegen. Allerdings können Aktionszinsen beim Tagesgeld kurzfristig höher sein, etwa bei der Consorsbank für Neukunden über die ersten Monate.
Die EZB hat den Einlagenzins zuletzt am 17. Juni 2026 auf 2,25 % angehoben, die weitere Richtung ist offen. Wenn du Geld hast, das du 12 bis 24 Monate nicht brauchst, kannst du dir mit Festgeld den heutigen Zins für die Laufzeit sichern, egal wohin sich die Zinsen danach bewegen. Alternativ: Eine Festgeld-Leiter, bei der du nicht alles auf eine Laufzeit setzt.
Bei einer Festgeld-Leiter teilst du dein Geld in gleich große Tranchen auf und legst jede zu einer anderen Laufzeit an (z.B. 1, 2, 3, 4 und 5 Jahre). Jedes Jahr wird eine Tranche fällig, die du flexibel neu investieren kannst. So profitierst du von höheren Langfristzinsen und hast trotzdem regelmäßig Zugriff auf einen Teil deines Geldes.
Die meisten nicht. Trade Republic und Scalable Capital verkaufen Anleihen als „Festzins“. Das ist kein Festgeld und fällt nicht unter die Einlagensicherung. Echtes Festgeld mit EU-Einlagenschutz bekommst du über Zinsplattformen wie WeltSparen (Raisin) oder direkt bei Banken wie der Bank of Scotland, HoistSpar oder Klarna.
Ja, solange die Bank ihren Sitz in der EU hat. Die EU-Einlagensicherung schützt Einlagen bis 100.000 € pro Person und Bank, unabhängig davon, ob die Bank in Deutschland, Schweden, Malta oder einem anderen EU-Land sitzt. Im Entschädigungsfall muss die Auszahlung innerhalb von 7 Arbeitstagen erfolgen.
Quellen
- EZB: Geldpolitische Beschlüsse (Übersicht) – ecb.europa.eu
- Raisin/WeltSparen: Festgeld-Vergleich, Stand Juni 2026 – weltsparen.de
- Verbraucherzentrale: Tagesgeld und Festgeld – was Sparer wissen müssen – verbraucherzentrale.de
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