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PFOF-Verbot ab Juli 2026: Was sich für Neobroker-Kunden ändert
Hintergründe

PFOF-Verbot ab Juli 2026: Was sich für Neobroker-Kunden ändert

· Tobias Rehermann · 8 Min. Lesezeit
PFOF-Verbot ab Juli 2026: Was sich für Neobroker-Kunden ändert

Das Wichtigste in Kürze

  • – Das EU-weite PFOF-Verbot greift am 1. Juli 2026. Die BaFin toleriert bis dahin die bestehende Praxis, danach ist Schluss
  • – Trade Republic hat im Januar 2026 eine MTF-Lizenz erhalten und betreibt künftig einen eigenen Handelsplatz. Die 1-Euro-Pauschale bleibt vorerst
  • – Scalable Capital handelt bereits PFOF-frei über die eigene European Investor Exchange (EIX) seit Dezember 2024
  • – finanzen.net zero hat seine Kostenstruktur umgestellt: Vermittlungsgebühr plus Bonifizierung ergibt netto weiterhin 0 Euro. Ob die BaFin das akzeptiert, ist offen
  • – Kostenlose Sparpläne bleiben bei allen großen Brokern bestehen. Für langfristige Anleger ändert sich wenig

Ab dem 1. Juli 2026 ist Schluss: Das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow (PFOF) tritt in Kraft. Für Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital bedeutet das einen fundamentalen Einschnitt in ihr Geschäftsmodell. Für dich als Anleger stellt sich die Frage: Wird der Aktienhandel jetzt teurer?

Dieser Ratgeber erklärt, was PFOF ist, warum es verboten wird und was sich für dich konkret ändert. Update März 2026: Alle Broker haben mittlerweile ihre Strategien offengelegt. Wir zeigen die konkreten Reaktionen.

Was ist Payment for Order Flow?

PFOF ist ein Vergütungsmodell: Wenn du über einen Neobroker eine Aktie kaufst, leitet der Broker deine Order an einen bestimmten Handelsplatz weiter. Dieser Handelsplatz zahlt dem Broker eine Provision dafür. Bei Trade Republic waren das zuletzt rund 4,50 Euro pro Order von Lang & Schwarz.

Das Geschäftsmodell: Dank PFOF konnten Neobroker extrem günstige Konditionen anbieten: 1 Euro pro Trade bei Trade Republic, kostenlose Sparpläne bei Scalable Capital. Die Handelsplatz-Provisionen finanzierten das Geschäft mit.

Das Problem: Kritiker argumentieren, dass PFOF einen Interessenkonflikt schafft. Der Broker hat einen Anreiz, deine Order an den Handelsplatz zu schicken, der ihm die höchste Provision zahlt. Nicht unbedingt an den, der dir den besten Preis bietet.

1. Juli 2026

Ab diesem Datum gilt das EU-weite PFOF-Verbot

Quelle: EU-Verordnung MiFIR (EU 2024/791)

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Trade Republic

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Scalable Capital

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Warum verbietet die EU das PFOF?

Die EU verfolgt mit dem Verbot drei Ziele:

Transparenz: Anleger sollen wissen, ob sie den bestmöglichen Preis für ihre Order bekommen. Nicht den Preis, der dem Broker die höchste Rückvergütung bringt.

Anlegerschutz: Das Verbot beseitigt den Interessenkonflikt zwischen Broker und Kunde. Der Broker muss nun den besten Ausführungspreis suchen (Best Execution).

Fairer Wettbewerb: Handelsplätze sollen über die Qualität ihrer Preise konkurrieren, nicht über die Höhe der Rückvergütungen an Broker.

Hintergrund: In den USA ist PFOF weiterhin erlaubt und wird dort von Anbietern wie Robinhood intensiv genutzt. Europa geht mit dem Verbot einen eigenen regulatorischen Weg. Die ESMA hat für 2026 eine koordinierte Aufsichtsaktion angekündigt, um die Umsetzung in allen Mitgliedstaaten zu überwachen.

Was machen die Neobroker? (Stand: März 2026)

Die Broker haben sich seit 2024 auf das Verbot vorbereitet. Die Strategien fallen unterschiedlich aus.

Trade Republic: Eigener Handelsplatz mit BaFin-Lizenz

Trade Republic hat im Januar 2026 von der BaFin die Erlaubnis erhalten, ein eigenes multilaterales Handelssystem (MTF) zu betreiben. Bisher liefen alle Orders über die Lang & Schwarz Exchange.

Mit dem eigenen Handelsplatz verdient Trade Republic künftig direkt am Spread statt an PFOF-Provisionen. Laut DAS INVESTMENT macht PFOF mittlerweile weniger als 30 % der Erträge aus. Zinserträge aus dem Tagesgeld-Angebot und die Kartengebühren haben einen Großteil der Abhängigkeit bereits reduziert.

Die 1-Euro-Fremdkostenpauschale pro Order bleibt vorerst bestehen. Mitgründer Christian Hecker deutete an, dass selbst eine Verdopplung auf 2 Euro noch deutlich unter klassischen Brokern wie Flatex (5,90 Euro) liegen würde.

Scalable Capital: Seit 2024 bereits PFOF-frei

Scalable Capital hat zusammen mit der Börse Hannover die European Investor Exchange (EIX) gegründet. Seit Dezember 2024 handelt Scalable in allen Ländern komplett PFOF-frei. Scalable agiert als eigener Market Maker und verdient direkt am Spread.

Das Abo-Modell bleibt: Prime Broker für 4,99 Euro/Monat mit 0 Euro Ordergebühren. CEO Erik Podzuweit rechnet damit, dass das PFOF-Verbot bei vielen Wettbewerbern zu steigenden Kosten führt. Scalable sieht sich als Vorreiter im Vorteil.

finanzen.net zero: Der buchhalterische Kunstgriff

finanzen.net zero hat seit März 2026 neue AGB. Die Lösung ist kreativ: DonauCapital erhält eine Vermittlungsgebühr von 7,50 Euro + 0,25 % des Ordervolumens, die Baader Bank berechnet eine Abwicklungsgebühr. Gleichzeitig wird eine „Bonifizierung“ verbucht, die diese Kosten exakt ausgleicht.

Netto-Ergebnis für dich als Kunde: weiterhin 0 Euro bei Orders ab 500 Euro über gettex. Ob die BaFin dieses Konstrukt nach dem 1. Juli 2026 als PFOF-konform akzeptiert, ist noch offen.

Smartbroker+: Kostensenkung statt Preiserhöhung

Smartbroker+ verspricht: keine Preisänderung, keine Einschränkung des Produktangebots. Vorstand Thomas Soltau betont, dass die wegfallenden PFOF-Erlöse „nahezu vollständig durch Kostensenkungen kompensiert“ wurden. Reguläres Handeln über gettex bleibt ab 500 Euro kostenlos.

justTRADE: Abwarten

justTRADE hat keine wesentlichen Änderungen angekündigt. Geschäftsführer Michael Busshaus kritisierte, es gebe „zu viele unklare Details aus Brüssel“. Die Preise sollen weitgehend stabil bleiben.

Neobroker-Strategien nach dem PFOF-Verbot (März 2026)

Trade Republic
PFOF-Strategie Eigenes MTF (BaFin-Lizenz Jan. 2026)
Ordergebühren (aktuell) 1 Euro
Ordergebühren (ab Juli 2026) Voraussichtlich 1 Euro
Scalable Capital
PFOF-Strategie EIX + Abo-Modell (seit Dez. 2024 PFOF-frei)
Ordergebühren (aktuell) 0 Euro (Prime)
Ordergebühren (ab Juli 2026) Unverändert
finanzen.net zero
PFOF-Strategie Gebühren-Umbuchung (netto 0 Euro)
Ordergebühren (aktuell) 0 Euro (ab 500 Euro)
Ordergebühren (ab Juli 2026) 0 Euro (BaFin-Prüfung steht aus)
Smartbroker+
PFOF-Strategie Kostensenkung intern
Ordergebühren (aktuell) 0 Euro (ab 500 Euro)
Ordergebühren (ab Juli 2026) Unverändert
justTRADE
PFOF-Strategie Noch unklar
Ordergebühren (aktuell) 0 Euro
Ordergebühren (ab Juli 2026) Weitgehend unverändert erwartet

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Spread-Vergleich: Wo bekommst du den besten Preis?

Ohne PFOF rückt die Frage in den Vordergrund, welcher Handelsplatz die besten Ausführungspreise liefert. Die Unterschiede sind messbar:

Handelsplätze im Vergleich

Xetra (Deutsche Börse)
Börsengebühren 0,06 Euro + 0,0008 %
Spread-Niveau Engste Spreads
Am besten für Große Orders ab 2.000 Euro
Tradegate
Börsengebühren Keine
Spread-Niveau Moderat
Am besten für Retail-Orders, lange Handelszeiten
gettex (Baader Bank)
Börsengebühren Keine
Spread-Niveau Etwas weiter
Am besten für Kleinere Orders unter 2.000 Euro
EIX (Scalable/Börse Hannover)
Börsengebühren Keine
Spread-Niveau Scalable-intern
Am besten für Scalable-Kunden

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Für Kleinanleger mit Ordergrößen unter 2.000 Euro sind die Spread-Mehrkosten bei gettex oder Tradegate gegenüber Xetra in der Regel durch die entfallenden Börsengebühren kompensiert. Bei größeren Orders lohnt sich ein Blick auf Xetra.

Was ändert sich für dich als Anleger?


Vorteile

  • Bessere Ausführungspreise: Ohne PFOF-Anreiz wird deine Order an den günstigsten Handelsplatz geleitet
  • Mehr Transparenz: Du siehst genau, welchen Preis du bekommst und warum
  • Weniger Interessenkonflikte: Der Broker arbeitet in deinem Interesse, nicht im Interesse des Handelsplatzes
  • Langfristig mehr Wettbewerb: Handelsplätze konkurrieren über Preisqualität

Nachteile

  • Ordergebühren könnten bei einzelnen Brokern leicht steigen (geschätzt 0,50-2 Euro pro Trade)
  • Kostenlose Sparpläne sind langfristig nicht garantiert
  • Kleinere Broker ohne alternative Einnahmequellen könnten vom Markt verschwinden
  • Rechtliche Grauzone: Ob Konstrukte wie bei finanzen.net zero halten, ist unsicher

Rechenbeispiel: Was kostet das PFOF-Verbot?

Konkrete Zahlen: Bei einem typischen ETF-Kauf über 1.000 Euro lag der PFOF-bedingte Spread-Nachteil bei geschätzt 0,20-0,80 Euro. Trade Republic erhielt dafür rund 4,50 Euro von Lang & Schwarz. Die Differenz finanzierte das günstige Geschäftsmodell.

Laut Finanztip: Selbst wenn Ordergebühren um 2 Euro pro Trade steigen, sind das bei einem monatlichen ETF-Sparplan nur rund 24 Euro Mehrkosten pro Jahr. Für Buy-and-Hold-Anleger mit langfristigem Sparplan ein überschaubarer Betrag.

Es gibt keinen Beleg, dass Anleger bei Neobrokern durch Exklusivverträge höhere Preise zahlen als an anderen Handelsplätzen.
Stiftung Warentest Neobroker-Test

Was solltest du jetzt tun?

Schritt-für-Schritt Anleitung

1

Gebührenmodell deines Brokers prüfen

Informiere dich, wie dein Broker auf das PFOF-Verbot reagiert. Die meisten haben bis Juli 2026 ihre neuen Konditionen veröffentlicht. Achte besonders auf Ordergebühren und Sparplan-Kosten.
2

Broker vergleichen

Nutze die Übergangsphase, um Broker zu vergleichen. Die Gebührenunterschiede könnten nach dem PFOF-Verbot größer werden als bisher. Unser Online-Broker-Vergleich hilft dir dabei.
3

Langfristige Strategie beibehalten

Lass dich vom PFOF-Verbot nicht zu überstürzten Depot-Wechseln verleiten. Für Buy-and-Hold-Anleger mit monatlichem Sparplan sind die Auswirkungen minimal. 24 Euro pro Jahr Mehrkosten bei einem sechsstelligen Depot? Kein Grund zur Panik.

Fazit

Stand März 2026 ist klar: Das PFOF-Verbot kommt, es wird nicht verschoben. Die großen Neobroker haben sich vorbereitet. Trade Republic hat die MTF-Lizenz, Scalable Capital handelt bereits seit über einem Jahr PFOF-frei, Smartbroker+ senkt intern die Kosten. finanzen.net zero versucht einen buchhalterischen Trick, dessen Bestand unklar ist.

Für die meisten Anleger ändert sich wenig: Der monatliche Sparplan über Trade Republic oder Scalable Capital bleibt erschwinglich. Wer aktiv handelt, sollte ab Juli 2026 die neuen Gebührenmodelle vergleichen. Panik ist fehl am Platz.

[stat_box number=“< 30 %" label="Anteil von PFOF an Trade Republics Erträgen (2025)" source="DAS INVESTMENT"]

Quellen

  1. Bundesfinanzministerium: „Weiterführung der PFOF-Praxis bis Mitte 2026″, März 2024. bundesfinanzministerium.de
  2. DAS INVESTMENT: „Trade Republic erhält Lizenz für eigenen Handelsplatz“, Januar 2026. dasinvestment.com
  3. Finanztip: „Neues Gesetz ab 1. Juli – Wird dein Depotanbieter jetzt teurer?“. finanztip.de
  4. Finanzfluss: „Payment for Order Flow Verbot“. finanzfluss.de
  5. broker-test.de: „Wegfall von PFOF – Keine Änderung für Smartbroker-Kunden“. broker-test.de
  6. ESMA: „Common Supervisory Action on MiFID II conflicts of interest“, 2026. esma.europa.eu

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