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Sparkassen starten S-Neo: Kann die App mit Trade Republic & Co. mithalten?
Hintergründe

Sparkassen starten S-Neo: Kann die App mit Trade Republic & Co. mithalten?

· Tobias Rehermann · 9 Min. Lesezeit
Sparkassen starten S-Neo: Kann die App mit Trade Republic & Co. mithalten?

Das Wichtigste in Kürze

  • – 4 Sparkassen sind seit April 2026 als Pilot-Institute mit S-Neo gestartet: Berliner Sparkasse, Sparkasse Mülheim a.d.R., Landessparkasse Oldenburg und Sparkasse Ulm. Über den Pilot hinaus sind inzwischen vier weitere Häuser live: Haspa, Sparkasse KölnBonn, Kreissparkasse Ludwigsburg und neu die Sparkasse Trier
  • – Preisspanne pro Trade: 0,95 € bis 1,25 €. Die Mülheimer 1-Euro-Einführungsaktion ist zum 30.06. ausgelaufen, eine Order kostet dort jetzt 0,95 €. Oldenburg hat den Orderpreis von 1,75 € auf 1,25 € gesenkt
  • – ETF-Sparpläne sind bei Berlin und Mülheim sowie bei den Neu-Häusern (Haspa, KölnBonn, Ludwigsburg, Trier) kostenlos. Oldenburg verlangt 0,50 €, Ulm 1,00 € pro Ausführung
  • – Depotgebühr entfällt bis 25.000 € (Berlin, Oldenburg), bis 50.000 € (Trier) bzw. bis 100.000 € (Mülheim). Erst darüber greifen prozentuale Staffeln
  • – Breitenrollout auf alle 338 Sparkassen ist für Sommer 2026 geplant, konkrete Termine stehen pro Haus noch nicht fest. Einen offiziellen DSGV-Wellenplan gibt es nicht
  • – Krypto-Handel (Bitcoin, Ethereum) soll ebenfalls im Sommer 2026 folgen
  • – Bei der Sparkasse Ulm läuft noch ein separates Trading-Cash-Konto mit 3,00 % p.a. bis 10.000 € (Zeitraum 15.05. bis 18.08.2026, danach 1,50 % p.a.). Die 50-€-Eröffnungsprämie ist zum 30.06.2026 ausgelaufen

Die Sparkassen haben im Wertpapiergeschäft ein Problem, und das heißt Trade Republic. Vor 20 Jahren hielten die Sparkassen 26 Prozent Marktanteil bei Wertpapier-Depots. Heute sind es noch 21 Prozent. Private Banken, angetrieben durch Neobroker, haben ihren Anteil im gleichen Zeitraum von 35 auf 59 Prozent gesteigert.

Seit April 2026 können Sparkassen-Kunden über die neue Funktion „S-Neo“ ETFs direkt in der Sparkassen-App kaufen und verkaufen. Das Depot lässt sich mit wenigen Klicks eröffnen, ohne separate Anmeldung und ohne Drittanbieter-App. Gestartet ist der Launch in vier Pilot-Instituten. Alle anderen Sparkassen sollen im Sommer nachziehen.

Was genau ist S-Neo?

S-Neo ist kein eigenständiger Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital. Es ist eine Erweiterung der bestehenden Sparkassen-App für Kunden, die ohne Beratung handeln wollen.

Die wichtigsten Eckdaten:

Depoteröffnung direkt in der App, kein separater Login
Fokus auf ETFs. Einzelne Aktien sind zum Start nicht vorgesehen
Handelsplatz: Tradegate
Krypto-Handel (Bitcoin, Ethereum) geplant ab Sommer 2026
App-only, kein Desktop-Zugang

Technisch basiert S-Neo je nach Sparkasse auf einem Depot der DWP Bank oder der Deka. Größere Institute tendieren zur DWP-Variante, kleinere zur Deka-Lösung. Sparkassen-Präsidentin Liane Buchholz hat diese Parallelstruktur selbst als „nicht sehr effizient“ bezeichnet.

Eine häufige Verwechslung gleich vorweg: S-Neo ist nicht das gleiche wie der klassische S Broker (sBroker) der DekaBank. Den Unterschied zwischen beiden Sparkassen-Welten klären wir in S-Neo vs sBroker: Was ist der Unterschied 2026?.

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Die Pilot-Sparkassen im Gebühren-Vergleich (Stand 01.07.2026)

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Das strukturelle Problem von S-Neo ist beim Launch sofort sichtbar: Jede Sparkasse bestimmt ihre eigenen Konditionen. Die aktuell geprüften Pilot-Institute liegen bei den Ordergebühren zwischen 0,95 € und 1,25 €, beim Sparplan zwischen kostenlos und 1,00 € pro Ausführung. Wer seine Sparkasse nicht wählen kann, zahlt je nach Haus spürbar mehr als beim günstigsten Institut. Alle vier April-Piloten sind mit aktuell geprüften Konditionen in der Tabelle. Außerhalb des Pilots sind inzwischen weitere Sparkassen mit S-Neo live (Stand 01.07.2026).

S-Neo Pilot-Sparkassen im direkten Vergleich (Stand 01.07.2026)

Berliner Sparkasse
Pro Trade 1,00 €
ETF-Sparplan Kostenlos
Depot kostenlos bis 25.000 €
Depot darüber 0,25 % p.a. (Gesamtbestand)
Sparkasse Ulm
Pro Trade 1,00 €
ETF-Sparplan 1,00 €
Depot kostenlos bis 50.000 €
Depot darüber 0,10 % bis 100.000 €, dann 0,15 % p.a.
Sparkasse Mülheim an der Ruhr
Pro Trade 0,95 €
ETF-Sparplan Kostenlos
Depot kostenlos bis 100.000 €
Depot darüber 0,20 % p.a. (Gesamtbestand)
Landessparkasse zu Oldenburg
Pro Trade 1,25 €
ETF-Sparplan 0,50 €
Depot kostenlos bis 25.000 €
Depot darüber 0,15 % bis 50.000 €, dann 0,30 % p.a.

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Was auffällt:

  • Berlin ist zum Launch das beste Paket im Pilot. 1,00 € pro Trade, kostenlose Sparpläne und Depot bis 25.000 € gratis. Damit liegt die Berliner Sparkasse auf Trade-Republic-Niveau.
  • Mülheim ist nach dem Aktionsende günstig geblieben. Die anfängliche 1-Euro-Einführungsaktion ist zum 30. Juni ausgelaufen. Statt der ursprünglich angekündigten 2 € liegt die Order seitdem bei 0,95 €, dazu Depot bis 100.000 € gratis. Damit gehört Mülheim jetzt zu den günstigsten Häusern.
  • Oldenburg hat nachgebessert. Der Orderpreis ist von 1,75 € auf 1,25 € gesunken, die Depotgebühr von 0,30 % greift weiterhin erst oberhalb von 50.000 €. Für sehr aktive Trader bleibt ein Neobroker günstiger, der Abstand ist aber kleiner geworden.
  • Kreissparkasse Freudenstadt bietet S-Neo nicht an. Die Kreissparkasse Freudenstadt war im April 2026 als Pilot angekündigt, bietet S-Neo nach eigener Auskunft aber aktuell nicht an. Das hat uns das Produktmanagement der Sparkasse am 2. Juli 2026 auf Anfrage bestätigt. Sobald S-Neo dort startet, veröffentlicht die Sparkasse die Konditionen auf ihrer Homepage und in den Pflichtunterlagen. Die früher genannten Freudenstadt-Werte haben wir deshalb entfernt.

Das Kleingedruckte: Je nach Standort zahlst du unterschiedlich

S-Neo ist kein bundesweit einheitliches Produkt. Die 338 Sparkassen legen ihre Preise selbst fest. Die Sparkasse KölnBonn bietet S-Neo mit 0,95 € pro Trade an. Das klassische Flexdepot läuft dort parallel weiter, einen Zwangsumstieg gibt es nicht. Auch die Hamburger Sparkasse (Haspa), die Kreissparkasse Ludwigsburg und die Sparkasse Trier sind mit S-Neo live, jeweils ebenfalls zu 0,95 € pro Trade. Der Rollout geht damit bereits über die vier Pilot-Häuser hinaus. Einen öffentlichen Wellenplan gibt es Stand 01.07.2026 weiterhin nicht.

Aktuelle Aktionen und Sonderkonditionen (Stand 01.07.2026)

Im Pilotbetrieb werben einzelne Sparkassen um S-Neo-Neukunden. Aktuell relevant ist vor allem ein Angebot:

  • Sparkasse Ulm: 3,00 % p.a. auf das Trading-Cash-Konto. Befristete Verzinsung bis 10.000 € im Zeitraum 15.05. bis 18.08.2026, oberhalb von 10.000 € sind es 0,50 % p.a. Nach dem 18.08.2026 sinkt der Satz auf 1,50 % p.a. Wichtig: Das Trading-Cash-Konto ist ein separates Beistellprodukt, nicht S-Neo selbst. S-Neo verzinst Cash auch in Ulm weiterhin mit 0 %. Wer beides kombiniert, kann den Cash-Anteil seines Depots aber zumindest temporär verzinsen. Quelle: Sparkasse Ulm

Die zuvor beworbene 50-€-Eröffnungsprämie der Sparkasse Ulm ist zum 30.06.2026 ausgelaufen und wird nicht mehr gewährt. Bei den übrigen Pilot- und Neu-Häusern sind aktuell keine vergleichbaren Aktionen aktiv. Wir beobachten den Trend, weil ähnliche Pilot-Boni in den kommenden Wochen bei anderen Häusern auftauchen könnten.

Vergleich mit Neobrokern

Wer nicht bereits Sparkassen-Kunde ist, merkt schnell: Die Gebühren sind zwar konkurrenzfähig, die Produktauswahl aber deutlich schmaler. Einzelaktien, kostenlose Sparpläne in der Breite, verzinste Verrechnungskonten und Desktop-Zugang gibt es bei S-Neo nicht.

S-Neo vs. Neobroker (Kern-Unterschiede)

S-Neo (Pilot-Schnitt)
Kosten pro Trade 0,95–1,25 €
Sparpläne 0–1 €
Produkte ETFs (Aktien folgen)
Zinsen Cash Keine
Desktop Nein
Kosten pro Trade 1 €
Sparpläne Kostenlos
Produkte Aktien, ETFs, Krypto, Derivate
Zinsen Cash 2,25 %
Desktop Web + App
Kosten pro Trade 0,99 €
Sparpläne Kostenlos
Produkte Aktien, ETFs, Krypto
Zinsen Cash 2,50 %
Desktop Web + App
Kosten pro Trade 0 € (ab 500 €)
Sparpläne Kostenlos
Produkte Aktien, ETFs, Derivate
Zinsen Cash 0,5 %
Desktop Web + App
Kosten pro Trade 0 € (ab 500 €)
Sparpläne Kostenlos
Produkte Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen
Zinsen Cash 1,5 %
Desktop Web + App

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Den Direktvergleich nur zwischen S-Neo und dem Branchenführer findest du in unserem ausführlichen Spoke-Artikel S-Neo vs Trade Republic 2026: Wer für wen besser?. Mit drei konkreten Persona-Rechnungen (Sparplan-Sparer, aktiver Trader, ETF-Vermögensaufbauer mit 50.000 € Depot) zeigen wir, ab welchem Depotwert sich der Wechsel lohnt.

Alle wichtigen Alternativen auf einen Blick findest du in unserem Listicle S-Neo Alternativen 2026: Diese 5 Broker sind oft die bessere Wahl, das Trade Republic, Scalable Capital, finanzen.net zero, ING und Smartbroker+ nach Anlegertyp sortiert und sagt, was zu wem passt. Für den Cash-Zinsen-Showdown gegen Scalable Capital mit konkreten Rechenbeispielen lohnt sich S-Neo vs Scalable Capital 2026: Bei 25.000 € Cash-Polster sind das 625 € pro Jahr Differenz.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall

S-Neo startet im April 2026 mit Blick auf ein konkretes Datum: Zum 1. Juli 2026 greift das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow (PFOF). Das ist das Geschäftsmodell, das Neobrokern bisher Handel für 0 bis 1 Euro ermöglicht hat.

Neobroker haben vorgebaut: Trade Republic wird zum eigenen Market Maker und hat seit Januar 2026 eine BaFin-Lizenz für ein eigenes multilaterales Handelssystem (MTF). Scalable Capital betreibt mit der European Investor Exchange (EIX) seit Dezember 2024 eine eigene Retailbörse. Ob die Gebühren für Neobroker-Kunden trotzdem steigen, ist noch offen.

Die BaFin hat 2025 rund 35 Prozent mehr Beschwerden verzeichnet. Über die Hälfte davon betreffen Neobroker: monatelange Depotüberträge, fehlende Einstandsdaten und Fehler bei Steuerabzügen. Trade Republic hat im April 2026 als Reaktion einen neuen Telefon-Support mit Rückrufservice eingeführt. Die Sparkassen könnten beim Service zumindest konzeptionell punkten, praktisch hängt das von der jeweiligen Filiale ab.

Mehr zum Thema: PFOF-Verbot ab Juli 2026: Was sich für Neobroker-Kunden ändert

Was bedeutet das für dich?

Wenn du bei einer der vier Pilot-Sparkassen bist: Prüfe die konkreten Konditionen deiner Sparkasse in der Tabelle oben. Für Berliner und Mülheimer ist S-Neo aktuell eine echte Alternative zu Trade Republic. Wer sehr aktiv handelt, schaut genau auf den Orderpreis, denn zwischen 0,95 € und 1,25 € liegt je nach Haus ein spürbarer Unterschied. Wenn du loslegen willst, hilft unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zur S-Neo-Depoteröffnung mit Voraussetzungen, App-Flow und typischen Stolperfallen.

Wenn deine Sparkasse noch nicht dabei ist: Wir pflegen einen Rollout-Tracker mit dem aktuellen Stand aller Sparkassen, den wir monatlich aktualisieren. Abwarten lohnt sich selten. Der Sommer-Rollout bringt voraussichtlich ähnlich breite Preisspannen wie bei den Pilot-Instituten. Wer heute einen kostenlosen Sparplan starten will, ist bei Trade Republic oder Scalable Capital besser aufgehoben.

Wenn du schon bei einem Neobroker bist: Ein Wechsel lohnt sich wahrscheinlich nicht. Die Produktauswahl bei Trade Republic oder Scalable Capital ist breiter, die Kosten mindestens gleich niedrig. Kostenlose Sparpläne, Zinsen aufs Verrechnungskonto und Desktop-Zugang fehlen bei S-Neo zum Start.

Unser Tipp

Die tatsächlichen Preise deiner Sparkasse erfährst du am schnellsten in der Sparkassen-App oder auf der Webseite deines Instituts. Eine zentrale Übersicht für alle 338 Sparkassen gibt es bewusst nicht. Einen Überblick über alle Alternativen findest du in unserem Online-Broker-Vergleich.

Weiterlesen: Banken kopieren Neobroker: Warum S-Neo, Pure Depot & Co. nicht reichen werden

Quellen

  1. finanz-szene.de: „So sieht das Pricing des Sparkassenbrokers S-Neo aus“, April 2026. finanz-szene.de
  2. Handelsblatt: „ETF-Handel: Sparkassen starten im April mit S-Neo“. handelsblatt.com
  3. Brokervergleich.de: „Sparkassen vs. die Welt: S-Neo startet im April“. brokervergleich.de
  4. t3n: „Sparkassen: 20 Millionen App-Nutzer zu Anlegern machen“. t3n.de
  5. Konditionen der Pilot- und Neu-Häuser primärquellen-geprüft am 01.07.2026: Berliner Sparkasse (Preis- und Leistungsverzeichnis), Sparkasse Mülheim a.d.R., Landessparkasse Oldenburg, Sparkasse Ulm und Sparkasse Trier (S-Neo-Produktseiten). Haspa, Sparkasse KölnBonn und Kreissparkasse Ludwigsburg zuletzt am 10.06.2026 geprüft. Die Kreissparkasse Freudenstadt bietet S-Neo aktuell nicht an (vom Produktmanagement am 2. Juli 2026 bestätigt); sie war im April nur als Pilot angekündigt. Die früheren Freudenstadt-Werte haben wir entfernt. Quellen u.a. sparkasse-ulm.de und sparkasse-trier.de

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