Du überlegst, in einen Rüstungs-ETF zu investieren, und fühlst dich dabei vielleicht ein bisschen unwohl. Das ist kein schlechtes Zeichen. Wir gehen die Frage hier ehrlich an: erst der Teil, über den kaum jemand offen spricht, dann die konkreten ETFs mit echten Zahlen, damit du am Ende eine bewusste Entscheidung treffen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
-
KNDS steckt in keinem dieser ETFs, weil das Unternehmen noch nicht an der Börse ist. Ein Verteidigungs-ETF gibt dir trotzdem heute schon breiten Zugang zum Thema.
-
Zwei Anker: der VanEck Defense (global, größter der Branche) und der WisdomTree Europe Defence (nur europäische Firmen, mit Rheinmetall stark gewichtet).
-
Die laufenden Kosten liegen niedrig, zwischen 0,35 und 0,55 Prozent pro Jahr. Alle hier vorgestellten ETFs sind bei Trade Republic und Scalable sparplanfähig.
-
Seriöse Defense-ETFs schließen Hersteller international geächteter Waffen aus, ziehen die Grenze aber unterschiedlich.
-
Ein Rüstungs-ETF ist eine bewusste Entscheidung, keine neutrale Geldanlage. Diesen Teil kann dir niemand abnehmen.
Der ehrliche Teil zuerst: Darf man das?
Bis zum Februar 2022 hätten viele Menschen einen Rüstungskonzern niemals freiwillig ins Depot gelegt. Nicht aus Naivität, sondern aus Haltung. Wer mit Waffen kein Geld verdienen wollte, hatte gute Gründe.
Der russische Angriff auf die Ukraine hat diese Frage für viele verschoben. Aus dem Reflex „an Krieg verdient man nicht“ wurde bei manchen ein „Abschreckung und Bündnisverteidigung sind Teil unserer Sicherheit“. Beide Gedanken sind verständlich, und der innere Widerspruch dazwischen löst sich nicht einfach auf. Genau deshalb solltest du ihn nicht wegdrücken, sondern bewusst abwägen.
Wir nehmen dir diese Entscheidung nicht ab. Manche investieren heute ganz bewusst in Verteidigung, andere schließen die Branche aus Überzeugung weiter aus. Beides ist legitim. Was wir tun können: die Fakten so hinlegen, dass du auf einer ehrlichen Grundlage entscheidest.
Ein Punkt ist dabei weniger Gefühl als Fakt, und er hilft vielen bei der Einordnung: die Grenze zu geächteten Waffen. Anti-Personen-Minen, Streumunition, biologische und chemische Waffen, all das ist durch internationale Verträge geächtet.
Was seriöse Defense-ETFs ausschließen
Sowohl der VanEck Defense als auch der WisdomTree Europe Defence filtern nach Emittentenangaben Hersteller von Anti-Personen-Minen (Ottawa-Konvention), Streumunition (Oslo-Konvention), biologischen, chemischen und Brandwaffen, Nuklearwaffen außerhalb des Atomwaffensperrvertrags sowie Waffen mit abgereichertem Uran und Weißem Phosphor heraus. Ein Freibrief ist das nicht, aber die schlimmsten Fälle bleiben draußen.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Rüstungs-ETF zieht die gleiche Grenze. Rheinmetall zum Beispiel ist im europäischen WisdomTree-ETF eine der größten Positionen, im globalen VanEck-ETF dagegen kaum gewichtet. Wenn dir solche Details wichtig sind, lohnt der Blick in die Holdings, bevor du kaufst.
Und falls dir Nachhaltigkeit im Depot besonders am Herzen liegt: Rüstung war lange aus vielen ESG-Fonds ausgeschlossen, und diese Einordnung ist bis heute umstritten. Wenn ein Rüstungs-ETF sich für dich grundsätzlich falsch anfühlt, ist das ein völlig legitimes Ergebnis dieser Abwägung. Die Branche ist dann nichts für dich, und das ist eine genauso klare Entscheidung wie die andere.
Was ist ein Rüstungs-ETF überhaupt?
Ein Rüstungs- oder Verteidigungs-ETF ist ein Fonds, der viele Unternehmen aus der Verteidigungsbranche gleichzeitig bündelt, vom Panzerbauer über den Flugzeughersteller bis zum Cybersecurity-Anbieter. Statt dein Geld auf eine einzige Aktie zu setzen, streust du es über Dutzende Firmen. Das senkt das Risiko, dass ein einzelner Rückschlag deine Anlage hart trifft.
Der Reiz gerade jetzt: Die europäischen Staaten erhöhen ihre Verteidigungsausgaben massiv, die Auftragsbücher der Hersteller sind voll. Ein ETF nimmt diesen Trend breit mit, ohne dass du einzelne Gewinner erraten musst.
Ist KNDS in einem ETF? Nein, und warum der ETF trotzdem dein Weg ist
Viele landen bei diesem Thema, weil sie den Börsengang von KNDS mitbekommen haben, dem Hersteller des Leopard-2-Panzers. Die klare Antwort: KNDS steckt in keinem der hier vorgestellten ETFs. Der Grund ist simpel, das Unternehmen ist noch gar nicht an der Börse. Der Börsengang wurde zudem verschoben, aktuell gilt September 2026 als frühester Termin.
Genau hier wird der ETF interessant. Statt Monate auf die KNDS-Erstnotiz zu warten und dann alles auf eine Karte zu setzen, bist du über einen Verteidigungs-ETF schon heute am Rüstungs-Thema beteiligt, breit gestreut über viele Hersteller. Sollte KNDS nach der Erstnotiz groß genug werden, kann der Konzern später in europäische Defense-Indizes aufgenommen werden. Du wärst dann automatisch dabei.
Depot für deinen ETF-Sparplan findenDie wichtigsten Rüstungs-ETFs im Vergleich
In Deutschland sind rund zwei Dutzend Rüstungs- und Verteidigungs-ETFs handelbar. Fünf davon lohnen sich für Privatanleger genauer anzuschauen. Alle sind thesaurierend, das heißt, Erträge werden automatisch wieder angelegt, und alle kannst du bei Trade Republic und Scalable Capital auch per Sparplan besparen.
| ETF | Fokus | Kosten (TER) | Rheinmetall enthalten? |
|---|---|---|---|
| VanEck Defense IE000YYE6WK5 |
Global (USA über 50 Prozent) | 0,55 Prozent | Nicht prominent |
| WisdomTree Europe Defence IE0002Y8CX98 |
Nur Europa | 0,40 Prozent | Ja, rund 11 Prozent |
| iShares Global Aerospace & Defence IE000U9ODG19 |
Global, mit ziviler Luftfahrt | 0,35 Prozent | Ja, rund 4 bis 5 Prozent |
| HANetf Future of Defence IE000OJ5TQP4 |
Global, stark Cybersecurity | 0,49 Prozent | Ja, rund 4 Prozent |
| Global X Defence Tech IE000JCW3DZ3 |
Global, konzentriert auf US-Konzerne | 0,50 Prozent | Ja, rund 7 Prozent |
Stand der Zahlen: Mitte 2026, Quellen justETF und die Factsheets der Anbieter. Gewichtungen und Fondsvolumen ändern sich laufend, prüf sie vor dem Kauf noch einmal aktuell.
VanEck Defense: der Platzhirsch
Der VanEck Defense ist der größte Rüstungs-ETF Europas mit einem Fondsvolumen von rund 6 Milliarden Euro. Er ist global aufgestellt, mehr als die Hälfte steckt in US-Konzernen. Zu den größten Positionen zählen Palantir, RTX, Thales, Leonardo und Elbit Systems. Mit 0,55 Prozent laufenden Kosten ist er nicht der günstigste der fünf, dafür der etablierteste und mit deutlichem Abstand der größte. Wer breit und global investieren will, kommt an ihm kaum vorbei.
WisdomTree Europe Defence: der Europäer
Dieser ETF setzt ausschließlich auf europäische Verteidigungsunternehmen, ganz ohne US-Konzerne. An der Spitze stehen Thales, BAE Systems und Rheinmetall, das hier mit rund 11 Prozent eine der größten Positionen ist. Mit 0,40 Prozent Kosten ist er günstig. Ein Punkt zur Einordnung: Der ETF wurde erst im März 2025 aufgelegt und hat damit eine kurze Historie. Wer gezielt auf den europäischen Rüstungsaufschwung und Firmen wie Rheinmetall setzen will, greift hier zu.
iShares Global Aerospace & Defence: der Günstige
Mit 0,35 Prozent der preiswerteste ETF im Vergleich. Er mischt Verteidigung mit ziviler Luftfahrt, daher sind Boeing, GE Aerospace und Rolls-Royce ähnlich stark vertreten wie klassische Rüstungswerte à la RTX und Lockheed Martin. Das macht ihn breiter aufgestellt, aber auch weniger klar auf Verteidigung fokussiert. Für Anleger, die mit dem Luftfahrt-Anteil leben können und vor allem auf die Kosten schauen, ist er eine klare Option.
HANetf Future of Defence: der mit dem Tech-Fokus
Auffällig anders: Dieser ETF ist stark auf Cybersecurity ausgerichtet. Die größten Positionen sind Palo Alto Networks, CrowdStrike, Cisco und Fortinet, klassische Rüstungswerte wie Safran folgen dahinter. Wer Verteidigung modern denkt, also digitale Abwehr und nicht nur Panzer, findet hier einen eigenen Ansatz. Kosten: 0,49 Prozent.
Global X Defence Tech: der Konzentrierte
Der kleinste der fünf und stark auf große US-Rüstungskonzerne konzentriert: RTX, General Dynamics, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Palantir machen einen großen Teil aus. Rheinmetall ist mit rund 7 Prozent vertreten. Durch die Konzentration auf wenige Schwergewichte schwankt er tendenziell stärker. Kosten: 0,50 Prozent.
Welcher passt zu dir?
Ein „bestes“ Produkt gibt es hier nicht, die Frage ist die Ausrichtung:
- Breit und global: der VanEck Defense, größter und etabliertester der Branche.
- Gezielt europäisch, inklusive Rheinmetall: der WisdomTree Europe Defence.
- Möglichst günstig: der iShares Global Aerospace & Defence mit 0,35 Prozent.
- Verteidigung digital gedacht: der HANetf Future of Defence mit Cyber-Schwerpunkt.
Ob ein neuer Trend wirklich in dein Depot gehört, entscheidet am Ende nicht der Hype, sondern deine langfristige Strategie. Ein Sektor-ETF wie dieser ist eine bewusste Wette auf eine einzelne Branche, kein breiter Weltindex.
So kaufst du einen Rüstungs-ETF
Du brauchst nur ein Wertpapierdepot. Alle fünf ETFs sind bei gängigen Brokern handelbar und bei Trade Republic sowie Scalable Capital sparplanfähig, oft ohne Ausführungsgebühr. Statt einer großen Einmalanlage kannst du also auch mit einem monatlichen Sparplan klein anfangen und dich langsam herantasten.
Wenn du noch kein Depot hast, hilft dir unser Broker-Vergleich bei der Auswahl.
Zum Broker-VergleichEin ehrlicher Risikohinweis. Ein Rüstungs-ETF hängt an einer einzigen Branche, die stark von Politik und Staatsausgaben abhängt. Nach den kräftigen Kursgewinnen der letzten Jahre ist auch das Rückschlagrisiko gestiegen. Mehrere der Produkte sind zudem noch jung und haben keine lange Historie. Investier nur Geld, dessen Schwankungen du aushältst, und mach den Sektor nicht zum Großteil deines Depots.
Häufige Fragen zu Rüstungs-ETFs
Nein. KNDS ist noch nicht börsennotiert, der Börsengang wurde auf frühestens September 2026 verschoben. Solange die Aktie nicht handelbar ist, kann sie in keinem ETF stecken. Über einen europäischen Verteidigungs-ETF bist du aber schon jetzt breit am Thema beteiligt und automatisch dabei, falls KNDS später in den Index aufgenommen wird.
Nein, das hängt vom ETF ab. Im europäisch ausgerichteten WisdomTree Europe Defence ist Rheinmetall mit rund 11 Prozent eine der größten Positionen. Im global aufgestellten VanEck Defense taucht der Konzern dagegen nicht prominent auf. Wenn dir eine bestimmte Aktie wichtig ist, prüf vor dem Kauf die aktuellen Holdings des ETFs.
Die hier vorgestellten großen ETFs von VanEck und WisdomTree filtern nach Anbieterangaben Hersteller von Anti-Personen-Minen, Streumunition, biologischen, chemischen und Brandwaffen sowie von Nuklearwaffen außerhalb des Atomwaffensperrvertrags heraus. Die genaue Ausgestaltung unterscheidet sich aber je nach ETF, ein Blick in die Index-Methodik lohnt sich.
Von den fünf vorgestellten ist der iShares Global Aerospace & Defence mit 0,35 Prozent laufenden Kosten pro Jahr der günstigste. Der WisdomTree Europe Defence liegt mit 0,40 Prozent knapp dahinter. Die Unterschiede sind gering, wichtiger als der letzte Zehntelprozentpunkt ist meist die inhaltliche Ausrichtung.
Ja. Alle fünf vorgestellten ETFs sind bei Trade Republic und Scalable Capital sparplanfähig, häufig ohne Ausführungsgebühr. Du kannst also mit einem kleinen monatlichen Betrag starten, statt einmalig eine größere Summe anzulegen.
Das ist umstritten. Rüstung war lange aus klassischen Nachhaltigkeitsfonds ausgeschlossen, seit 2022 wird die Einordnung neu diskutiert. Einen ESG-Stempel trägt ein reiner Rüstungs-ETF in der Regel nicht. Ob die Anlage zu deinen Werten passt, ist eine persönliche Entscheidung, die dir kein Siegel abnimmt.
Quellen
- justETF, ETF-Profile zu den genannten ISINs (Kosten, Fondsvolumen, Holdings, Sparplan-Broker), abgerufen Juli 2026
- Factsheets der Anbieter VanEck, WisdomTree, iShares (BlackRock), HANetf und Global X
- ETF Stream: Defence ETFs and the controversial weapon conundrum
Wenn dich vor allem KNDS hierhergeführt hat, findest du alle Details zum Börsengang in unserem Ratgeber KNDS-Aktie kaufen. Und für die Wahl des richtigen Depots hilft dir der Broker-Vergleich.
Transparenz-Hinweis: neuebanken.de finanziert sich über Affiliate-Links. Wenn du über unsere Links ein Konto eröffnest, erhalten wir eventuell eine Vergütung. Am Preis ändert sich für dich nichts. Unsere Bewertungsmethodik findest du unter So bewerten wir.