Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
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– Die Sparkassen starten im April 2026 mit „S-Neo“ eine ETF-Handelsplattform direkt in der Sparkassen-App
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– Alle 338 Sparkassen können S-Neo anbieten, die Gebühren legt jede Sparkasse selbst fest
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– Erste Indizien (Berliner Sparkasse): 1 € pro Trade über Tradegate, auf dem Niveau von Trade Republic
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– Ab Sommer 2026 soll auch Krypto-Handel über die Sparkassen-App möglich sein
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– Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Ab Juli 2026 greift das EU-weite PFOF-Verbot, das Neobroker unter Druck setzt
Die Sparkassen haben im Wertpapiergeschäft ein Problem — und das heißt Trade Republic. Vor 20 Jahren hielten die Sparkassen 26 Prozent Marktanteil bei Wertpapier-Depots. Heute sind es noch 21 Prozent. Private Banken, angetrieben durch Neobroker, haben ihren Anteil im gleichen Zeitraum von 35 auf 59 Prozent gesteigert.
Ab April 2026 können Sparkassen-Kunden über die neue Funktion „S-Neo“ ETFs direkt in der Sparkassen-App kaufen und verkaufen. Das Depot lässt sich mit wenigen Klicks eröffnen, ohne separate Anmeldung und ohne Drittanbieter-App.
Was genau ist S-Neo?
S-Neo ist kein eigenständiger Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital. Es ist eine Erweiterung der bestehenden Sparkassen-App für „digitale Selbstentscheider“, also Kunden, die ohne Beratung handeln wollen.
Die wichtigsten Eckdaten:
– Depoteröffnung direkt in der App, kein separater Login
– Fokus auf ETFs. Einzelne Aktien sind zum Start wohl nicht vorgesehen
– Handelsplatz: Tradegate
– Krypto-Handel (Bitcoin, Ethereum) geplant ab Sommer 2026
– App-only, kein Desktop-Zugang
Technisch basiert S-Neo je nach Sparkasse auf einem Depot der DWP Bank oder der Deka. Größere Institute tendieren zur DWP-Variante, kleinere zur Deka-Lösung. Sparkassen-Präsidentin Liane Buchholz hat diese Parallelstruktur selbst als „nicht sehr effizient“ bezeichnet.
Die Gebühren: Günstiger als erwartet
Erste Hinweise deuten darauf hin, dass S-Neo deutlich günstiger wird als das bisherige Sparkassen-Angebot. Die Berliner Sparkasse listet laut Community-Berichten 1 € pro Trade, also auf dem Niveau von Trade Republic.
Zum Vergleich: Bisher verlangen viele Sparkassen rund 10 € pro Order plus 25 € Depotgebühr im Jahr.
Gebührenvergleich: S-Neo vs. Neobroker
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
Der Haken: Jede der 338 Sparkassen legt ihre Preise selbst fest. Ob deine Sparkasse den 1-Euro-Tarif übernimmt oder teurer bleibt, steht noch nicht fest.
Sparkassen-Vorstand Walter Strohmaier hat das Problem erkannt: „Wir müssen das Angebot einfacher, digitaler und günstiger machen.“
Der strategische Zeitpunkt
S-Neo startet nicht zufällig im April 2026. Ab dem 30. Juni greift das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow (PFOF). Das ist das Geschäftsmodell, das Neobrokern bisher Handel für 0 bis 1 Euro ermöglicht hat.
Neobroker haben vorgebaut: Trade Republic wird zum eigenen Market Maker, Scalable Capital betreibt mit der EIX eine eigene Retailbörse. Ob die Gebühren für Kunden trotzdem steigen, ist noch offen.
Gleichzeitig hat die BaFin 2025 rund 35 Prozent mehr Beschwerden verzeichnet. Über die Hälfte davon betreffen Neobroker: monatelange Depotüberträge, fehlende Einstandsdaten und Fehler bei Steuerabzügen. Die Sparkassen könnten hier mit besserem Service punkten.
Mehr zum Thema: PFOF-Verbot ab Juli 2026: Was sich für Neobroker-Kunden ändert
Was bedeutet das für dich?
Wenn du bereits Sparkassen-Kunde bist und bisher kein separates Depot eröffnen wolltest: S-Neo könnte ein unkomplizierter Einstieg in den ETF-Handel sein. Alles bleibt in einer App, dein Geld bei deiner Sparkasse.
Wenn du schon bei einem Neobroker bist: Ein Wechsel lohnt sich wahrscheinlich nicht. Die Produktauswahl bei Trade Republic oder Scalable Capital ist breiter, die Kosten mindestens gleich niedrig. Kostenlose Sparpläne, Zinsen aufs Verrechnungskonto und Desktop-Zugang fehlen bei S-Neo zum Start.
Unser Tipp
Vergleiche die konkreten Konditionen deiner Sparkasse, sobald S-Neo im April startet. Die Gebühren unterscheiden sich je nach Institut. Einen Überblick über alle Alternativen findest du in unserem Online-Broker-Vergleich.
Weiterlesen: Banken kopieren Neobroker: Warum S-Neo, Pure Depot & Co. nicht reichen werden