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Nachdenklicher junger Mann am Schreibtisch mit DKB-App auf Smartphone, die Depot mit 18.463 Euro Portfoliowert und 1,90 Euro Neukundenaktion zeigt, daneben Laptop mit Upvest-Website
Hintergründe

DKB greift Neobroker an: Was der Upvest-Deal für Anleger bedeutet

· Tobias Rehermann · 7 Min. Lesezeit
Nachdenklicher junger Mann am Schreibtisch mit DKB-App auf Smartphone, die Depot mit 18.463 Euro Portfoliowert und 1,90 Euro Neukundenaktion zeigt, daneben Laptop mit Upvest-Website

Das Wichtigste in Kürze

  • Die DKB wechselt ihren Wertpapier-Dienstleister: Statt DWP Bank übernimmt das Berliner Fintech Upvest die technische Abwicklung
  • Neukunden handeln ab 2026 über die neue Plattform, Bestandskunden werden ab 2027 migriert
  • Aktuelle Neukundenaktion: 1,90 EUR pro Order über Baader Trading (bis 30.09.2026), kostenlose Sparpläne
  • Im Hintergrund steckt ein 35-Milliarden-Euro-Deal und der Versuch, Trade Republic und Scalable Capital Kunden abzujagen
  • Für DKB-Bestandskunden ändert sich vorerst nichts, der Übergang erfolgt automatisch

Die DKB hat ein Problem. Trade Republic nimmt 1 Euro pro Order, Scalable Capital im Prime-Abo gar nichts. Die DKB? Bis zu 30 Euro pro Trade. Das ist nicht mehr zeitgemäß, und die DKB weiß das.

Die Reaktion: Die DKB trennt sich von ihrem langjährigen Wertpapier-Partner DWP Bank und setzt künftig auf die Infrastruktur des Berliner Fintechs Upvest. Dieselbe Technologie, die auch N26, Revolut und Vivid für ihr Brokerage nutzen.

Was bedeutet das für dich als Anleger? Und wird die DKB damit tatsächlich zur Neobroker-Alternative?

Was steckt hinter dem Upvest-Deal?

35 Mrd. €

Kundenvermögen wandert von DWP Bank zu Upvest

Quelle: FinanceFWD, 2025

Bisher wickelte die DWP Bank (ein Joint Venture von DZ Bank und Sparkassen) sämtliche Wertpapiergeschäfte der DKB ab. Die Kosten pro Transaktion waren so hoch, dass die DKB-Muttergesellschaft BayernLB öffentlich kritisierte, man zahle „bei jeder Wertpapiertransaktion drauf“.

Upvest ist ein Berliner Fintech, das sich auf Wertpapier-Infrastruktur spezialisiert hat. Die API-basierte Plattform ermöglicht schnellere Produktentwicklung und niedrigere Stückkosten. Die DKB kann damit Bruchstücke-Handel und günstigere Orders deutlich schneller umsetzen als mit der alten DWP-Infrastruktur.

Die technische Kette: Upvest übernimmt die Abwicklung, BNP Paribas und Clearstream stellen die Depotinfrastruktur. Deine Einlagen bleiben rechtlich bei der DKB. Upvest ist reiner Technologie-Dienstleister.

Timeline: Was passiert wann?

DKB-Upvest-Migration im Zeitplan

1

Seit März 2026: Neukundenaktion

Wer jetzt ein DKB-Depot eröffnet, handelt über Baader Trading für 1,90 EUR pro Order. Alle ETF-, Aktien- und Fondssparpläne sind kostenlos. Die Aktion läuft bis 30.09.2026.
2

Ab 2026: Neukunden auf Upvest

Neu eröffnete Depots laufen direkt auf der Upvest-Plattform. Die DKB testet die neue Infrastruktur mit frischen Kunden.
3

Ab 2027: Bestandskunden-Migration

Bestehende Depots werden schrittweise von DWP Bank auf Upvest übertragen. Der Übergang läuft automatisch — du musst nichts tun.

DKB-Gebühren: Vorher vs. jetzt vs. Neobroker

Die Gebührenstruktur der DKB war bisher der größte Schwachpunkt. Hier der direkte Vergleich:

Ordergebühren im Vergleich (März 2026)

DKB (regulär)
Order bis 1.000 € 10 €
Order bis 5.000 € 10 €
ETF-Sparplan 1,50 €
Depotführung 0 €
DKB (Neukunden-Aktion)
Order bis 1.000 € 1,90 €
Order bis 5.000 € 1,90 €
ETF-Sparplan 0 €
Depotführung 0 €
Trade Republic
Order bis 1.000 € 1 €
Order bis 5.000 € 1 €
ETF-Sparplan 0 €
Depotführung 0 €
Scalable Capital (Free)
Order bis 1.000 € 0,99 €
Order bis 5.000 € 0,99 €
ETF-Sparplan 0 €
Depotführung 0 €
Scalable Capital (Prime)
Order bis 1.000 € 0 €
Order bis 5.000 € 0 €
ETF-Sparplan 0 €
Depotführung 4,99 €/Monat
flatex
Order bis 1.000 € 5,90 €
Order bis 5.000 € 5,90 €
ETF-Sparplan 0 €
Depotführung 0 €

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Die Neukundenaktion macht die DKB auf dem Papier konkurrenzfähig. Regulär bleiben aber 10 Euro pro Order, das Fünffache von Trade Republic. Ob die Upvest-Migration dauerhaft günstigere Konditionen ermöglicht, hat die DKB bisher nicht verraten.

Achtung: Girokonto-Pflicht

Ein DKB-Depot setzt ein DKB-Girokonto voraus. Ohne mindestens 700 EUR monatlichen Geldeingang zahlst du 4,50 EUR/Monat Kontoführung. Trade Republic und Scalable haben keine solche Hürde.

Warum macht die DKB das jetzt?

Drei Gründe treiben den Strategiewechsel:

1. Kundenverluste an Neobroker

DKB-Vorstand Stefan Unterlandstättner hat das Problem klar benannt: „Die Herausforderung für die DKB liegt darin, Trade Republic und Revolut zu kontern. Wir sehen, dass ein Teil der Kunden Sparpläne lieber woanders anlegt.“ Wenn deine eigenen Kunden für ETF-Sparpläne zu Trade Republic wechseln, verlierst du nicht nur die Handelsgebühren. Du verlierst die Kundenbeziehung.

2. PFOF-Verbot schafft ein Zeitfenster

Das PFOF-Verbot ab Juli 2026 zwingt Neobroker, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Wenn Trade Republic und Scalable ihre Gebühren erhöhen müssen, wird der Preisabstand zur DKB kleiner. Mit der neuen Upvest-Infrastruktur kann die DKB diesen Moment nutzen.

3. Die Technologie war veraltet

Die DWP-Bank-Infrastruktur stammt aus einer Zeit, in der Wertpapierhandel per Telefon und Fax abgewickelt wurde. Bruchstücke-Handel, Echtzeit-Kurse, eine brauchbare App: mit der alten Plattform kaum umsetzbar. Upvest ist eine API-first-Plattform, die genau dafür gebaut wurde.

DKB vs. Neobroker: Die ehrliche Einschätzung


Vorteile

  • Vollbank mit Girokonto, Kreditkarte und Kredit in einem Paket
  • Einlagensicherung: DKB ist BaFin-reguliert, Teil der gesetzlichen Einlagensicherung + Sicherungseinrichtung des BVR
  • Kein PFOF: DKB handelt über reguläre Börsenplätze (Xetra, Tradegate, gettex)
  • Mehr Handelsplätze als Neobroker: Xetra, Tradegate, gettex, Regionalbörsen, Auslandsbörsen
  • Neukundenaktion aktuell attraktiv (1,90 EUR/Order)

Nachteile

  • Reguläre Ordergebühren (10-30 EUR) weit über Neobroker-Niveau
  • Girokonto-Pflicht mit 700 EUR Mindestgeldeingang
  • ETF-Sparplan regulär 1,50 EUR (Trade Republic und Scalable: 0 EUR)
  • App und UX liegen deutlich hinter Trade Republic und Scalable
  • Unklarheit, welche Konditionen nach der Neukundenaktion dauerhaft gelten

Die DKB wird durch den Upvest-Wechsel nicht über Nacht zum Neobroker. Die Stärke liegt woanders: Wer sowieso ein DKB-Girokonto hat und gelegentlich handelt, bekommt mit der Neukundenaktion brauchbare Konditionen — ohne ein separates Broker-Konto eröffnen zu müssen.

Für aktive Anleger, die häufig handeln oder hohe Sparplan-Raten fahren, bleiben Trade Republic und Scalable Capital die bessere Wahl. Der Kostenunterschied ist nach Ende der Aktion zu groß.

Was bedeutet der DKB-Move für den Markt?

Der Upvest-Deal ist Teil eines größeren Trends: Traditionelle Banken kopieren Neobroker. Die Sparkassen haben S-Neo gestartet, Comdirect senkt aggressiv die Preise, und jetzt zieht die DKB nach.

Für Neobroker hat das zwei Seiten. Wenn Deutschlands zweitgrößte Direktbank ihre komplette Infrastruktur wechselt, um mithalten zu können, haben Trade Republic und Scalable offensichtlich etwas richtig gemacht. Gleichzeitig wird der Markt enger.

Die DKB bringt einen Vorteil mit, den kein Neobroker hat: 5,9 Millionen Bestandskunden mit Girokonto und knapp 900.000 bestehende Depots. Das Ziel bis 2030: 2 Millionen Depots — dafür investiert die DKB 500 Millionen Euro in Digitalisierung und neue Produkte. Wenn die Rechnung aufgeht, verschiebt das Marktanteile.

Was solltest du jetzt tun?

Du bist DKB-Kunde ohne Depot? Die Neukundenaktion (1,90 EUR/Order, kostenlose Sparpläne bis 30.09.2026) ist ein guter Einstieg. Depot eröffnen kostet nichts, und du musst nirgendwo wechseln.

Du bist DKB-Kunde mit bestehendem Depot? Abwarten. Die Migration auf Upvest startet 2027 und läuft automatisch. Ob sich die regulären Gebühren danach ändern, ist noch offen.

Du bist bei Trade Republic oder Scalable? Kein Handlungsbedarf. Die Neobroker sind bei reinen Depot-Kosten weiterhin günstiger. Nur wenn du sowieso ein DKB-Girokonto brauchst und wenig handelst, könnte das DKB-Depot als Zweitdepot Sinn machen.

Du suchst noch den richtigen Broker? Unser Online-Broker-Vergleich hilft dir bei der Entscheidung. Dort findest du alle Konditionen im direkten Vergleich.

Fazit

Mit dem Upvest-Wechsel legt die DKB die technische Grundlage, um bei den Gebühren mitzuhalten. Kurzfristig profitierst du vor allem von der Neukundenaktion mit 1,90 EUR pro Order. Ob die DKB danach dauerhaft günstige Konditionen anbietet, ist offen. Die regulären 10 bis 30 Euro pro Order sind jedenfalls kein Argument gegen Trade Republic oder Scalable Capital.

Aber: Das PFOF-Verbot ab Juli 2026 könnte die Karten neu mischen. Wenn Neobroker ihre Gebühren erhöhen müssen, schrumpft der Preisabstand. Und dann wird das Gesamtpaket der DKB (Girokonto + Kreditkarte + Depot) plötzlich interessanter. Das ist die Wette, die hinter dem Upvest-Deal steckt.

Quellen

  1. DKB Pressemitteilung: DKB kooperiert mit Wertpapier-Plattform Upvest
  2. FinanceFWD: Direktbank DKB setzt auf Fintech Upvest als Wertpapier-Partner
  3. Finanz-Szene: DKB paktiert mit Upvest — und trennt sich von DWP Bank
  4. DAS INVESTMENT: Wie Comdirect und DKB den Neobroker-Boom stoppen wollen
  5. stock3: Harter Konkurrenzkampf: Jetzt will auch noch die DKB die Neobroker angreifen

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