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Brauche ich als Freelancer ein Geschäftskonto?
Du hast dich gerade selbstständig gemacht oder bist schon länger als Freelancer unterwegs. Jetzt fragst du dich: Brauche ich wirklich ein separates Konto für mein Business? Kurze Antwort: rechtlich nicht. Praktisch schon.
Das Wichtigste in Kürze
- Freelancer und Freiberufler haben keine gesetzliche Pflicht für ein Geschäftskonto (anders als GmbH oder UG).
- Trotzdem verbieten viele Banken die gewerbliche Nutzung des Privatkontos in ihren AGB.
- Bei einer Betriebsprüfung sieht das Finanzamt bei einem gemischten Konto alle Privatausgaben mit.
- Kostenlose Optionen: N26 Business (unbegrenzte SEPA), Finom Solo (50 SEPA, DATEV), FYRST Base (50 SEPA, Girocard).
- Ab ca. 50 Buchungen pro Monat lohnt sich ein Pauschalmodell statt Pay-as-you-go.
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FINOM
74 · Gut
Qonto
77 · Gut
Pflicht oder Empfehlung? Die rechtliche Lage
Freiberufler fallen unter §18 EStG. Für sie gibt es keine gesetzliche Pflicht, ein Geschäftskonto zu führen. Das unterscheidet dich grundlegend von Kapitalgesellschaften wie der GmbH oder UG, die zwingend ein separates Firmenkonto brauchen.
Aber: Die Praxis sieht anders aus. Viele Banken schließen gewerbliche Nutzung in ihren AGB aus. Die Sparkasse etwa kann dir das Privatkonto kündigen, wenn regelmäßig Rechnungszahlungen darüber laufen. Die DKB und ING tolerieren es meistens, schreiben es aber nicht vertraglich zu.
Vorsicht bei Betriebsprüfungen
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– Wenn du dein Privatkonto für beides nutzt, hat das Finanzamt bei einer Betriebsprüfung Einsicht in alle Kontobewegungen.
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– Jeder Restaurantbesuch, jede private Überweisung liegt dann offen.
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– Mit einem separaten Geschäftskonto gibst du nur die geschäftlichen Umsätze frei.
Dein Steuerberater wird dir ein separates Konto ebenfalls empfehlen. Nicht aus Bürokratieliebe, sondern weil gemischte Kontoauszüge die Buchhaltung aufwändig machen. Das kostet dich Steuerberater-Stunden, und die werden nach Zeit abgerechnet.
Privatkonto vs. Geschäftskonto: Die wichtigsten Unterschiede
Ein Geschäftskonto hat gegenüber dem Privatkonto ein paar praktische Vorteile, die sich im Alltag bemerkbar machen.
Erstens die Trennung von privat und geschäftlich. Klingt banal, spart aber bei der Steuererklärung Stunden. Dein Steuerberater bekommt saubere Kontoauszüge statt einer Mischung aus Netflix-Abo und Kundenzahlungen.
Dann die DATEV-Anbindung. Geschäftskonten bei Neobanken wie Finom oder FYRST bieten direkte DATEV-Exporte. Dein Steuerberater kann die Buchungen automatisch importieren, ohne manuellen Abgleich. Das spart nach Angaben mehrerer Steuerberater-Verbände im Schnitt 600 bis 1.200 EUR pro Jahr an Abrechnungsaufwand.
Und schließlich das Auftreten nach außen. Rechnungen mit einer Geschäfts-IBAN wirken seriöser als mit einem erkennbaren Privatkonto. Bei größeren Kunden oder öffentlichen Aufträgen kann das den Unterschied machen.
Die besten Geschäftskonten für Freelancer
Vier Neobanken bieten kostenlose Konten, die für Freelancer passen. Die Unterschiede liegen im Detail.
Geschäftskonten für Freelancer im Vergleich
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
Unter 2.000 EUR Monatsumsatz reicht N26 Business vollkommen aus. Unbegrenzte SEPA-Überweisungen, keine Grundgebühr. Die fehlende DATEV-Anbindung ist bei wenigen Buchungen verkraftbar.
Zwischen 2.000 und 5.000 EUR Monatsumsatz ist Finom Solo die bessere Wahl. 50 SEPA-Überweisungen reichen für die meisten Freelancer, und die integrierte DATEV-Anbindung spart deinem Steuerberater Zeit. Dazu kommt eine eingebaute Rechnungserstellung.
Über 5.000 EUR Monatsumsatz lohnt sich ein Pauschalmodell. FYRST Complete (ab 10 EUR/Monat) oder Finom Start bieten mehr inkludierte Buchungen. Wenn du regelmäßig über 50 Überweisungen im Monat kommst, zahlst du bei Pay-as-you-go-Tarifen schnell mehr als bei einem festen Monatspaket.
FYRST Base hat einen Vorteil, den kein anderer Anbieter bietet: eine Girocard zusätzlich zur Visa Debit. Falls du Kunden hast, die per Kartenterminal zahlen, oder in Regionen unterwegs bist, wo Girocard noch dominiert, ist das relevant.
Kontist Free richtet sich an Freelancer, die vor allem die automatische Steuerrücklage brauchen. Das Konto berechnet aus jeder Einnahme die voraussichtliche Einkommensteuer und Umsatzsteuer und legt den Betrag beiseite. Mit nur 10 SEPA-Überweisungen pro Monat ist der Free-Tarif allerdings schnell am Limit.
Buchhaltung und Steuern: Warum ein separates Konto Zeit spart
Wer sein Privat- und Geschäftskonto zusammenlegt, hat davon vor allem einen Nachteil: mehr Aufwand bei der Buchhaltung. Dein Steuerberater muss jeden Monat manuell Kontoauszüge importieren, Buchungen zuordnen und private von geschäftlichen Posten trennen. Das sind zusätzliche Arbeitsstunden, die du bezahlst.
Mit direkter DATEV-Anbindung (Finom, FYRST) läuft der Import automatisch. Dein Steuerberater sieht alle Buchungen in Echtzeit, kann direkt zuordnen und muss nur Rückfragen stellen, wenn etwas unklar ist. Wie stark das ins Gewicht fällt, hängt von deinem Buchungsvolumen ab. Bei 30 Buchungen pro Monat ist der Unterschied überschaubar, bei 100 Buchungen nicht mehr.
Tipp für den Wechsel
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– Du nutzt noch dein Privatkonto bei der Sparkasse oder Volksbank?
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– In unserem Ratgeber Wechsel von der Sparkasse zum Geschäftskonto findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du den Übergang sauber hinbekommst.
Neben DATEV bieten Finom und Kontist auch Integrationen mit Lexoffice und sevDesk. Falls du deine Buchhaltung selbst machst statt über einen Steuerberater, ist das eine gute Alternative. Die Belege lassen sich per App fotografieren und automatisch der passenden Buchung zuordnen.
Häufige Fragen
Nein, für Freiberufler nach §18 EStG gibt es keine gesetzliche Pflicht. Allerdings verbieten viele Banken die gewerbliche Nutzung eines Privatkontos in ihren AGB. Aus steuerlichen Gründen ist ein separates Konto trotzdem dringend empfehlenswert.
Im schlimmsten Fall kündigt dir die Bank das Konto wegen AGB-Verstoß. Bei einer Betriebsprüfung hat das Finanzamt Einblick in alle Kontobewegungen, also auch deine privaten Ausgaben. Mit einem separaten Geschäftskonto vermeidest du beides.
Das hängt von deinem Buchungsvolumen ab. N26 Business bietet unbegrenzte SEPA-Überweisungen bei 0 EUR Grundgebühr, hat aber kein DATEV. Finom Solo hat DATEV inklusive, begrenzt die Überweisungen aber auf 50 pro Monat. Für die meisten Freelancer ist Finom Solo der bessere Kompromiss.
Sobald du regelmäßig mehr als 50 Buchungen pro Monat hast, wirst du bei kostenlosen Tarifen mit Einzelgebühren mehr zahlen als bei einem Pauschalmodell. Bei über 5.000 EUR Monatsumsatz lohnt sich ein Upgrade auf FYRST Complete, Finom Start oder Qonto Basic.
Die meisten Steuerberater in Deutschland arbeiten mit DATEV. Eine direkte DATEV-Anbindung deines Geschäftskontos spart beiden Seiten Zeit und reduziert Fehler beim Buchungsimport. Frage deinen Steuerberater, ob er DATEV nutzt, bevor du ein Konto eröffnest.
Quellen
- Einkommensteuergesetz §18 EStG, Einkünfte aus selbständiger Arbeit: gesetze-im-internet.de
- Finom Solo Konditionen, Stand 2026: finom.co
- FYRST Base Geschäftskonto: fyrst.de
Alle Geschäftskonten für Freelancer, Gründer und KMUs findest du in unserem Geschäftskonto Vergleich 2026.
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