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Domino-Steine mit Neobank-Namen: Nuri, Ruuky und Penta sind gefallen, N26, Revolut, Trade Republic und bunq stehen noch
Hintergründe

Neobank-Konsolidierung 2026: Wer überlebt, wer nicht – und ist dein Geld sicher?

· Tobias Rehermann · 11 Min. Lesezeit
Domino-Steine mit Neobank-Namen: Nuri, Ruuky und Penta sind gefallen, N26, Revolut, Trade Republic und bunq stehen noch

Das Wichtigste in Kürze

  • – Die großen Neobanken sind 2024/2025 profitabel geworden: N26 (erster Gewinn Q3 2024), Trade Republic (12,5 Mrd. EUR Bewertung), Revolut (1,1 Mrd. GBP Gewinn 2024), bunq (85 Mio. EUR Gewinn)
  • – Nuri (insolvent 2022), Ruuky (insolvent 2023) und Penta (von Qonto übernommen) haben den Markt verlassen. Vivid Money und Monese kämpfen
  • – Dein Geld ist bis 100.000 EUR pro Bank geschützt, egal ob deutsche, litauische oder niederländische Einlagensicherung. Alle EU-Systeme sind gleichwertig reguliert
  • – Warnsignale: Keine Finanzierung seit 18+ Monaten, Feature-Kürzungen, schlechte Bewertungen, BaFin-Maßnahmen
  • – Die Konsolidierung ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, seine Einlagen zu streuen

Nuri ist pleite. Ruuky ist pleite. Penta gehört jetzt Qonto. Vivid Money hat sein Cashback zusammengestrichen. Gleichzeitig ist Trade Republic mit 12,5 Milliarden Euro bewertet und Revolut hat 2024 über eine Milliarde Pfund Gewinn gemacht. Die Neobank-Branche spaltet sich gerade in Gewinner und Verlierer. Die Frage, die sich viele stellen: Ist mein Geld sicher?

Die kurze Antwort: Ja, bis 100.000 Euro. Die lange Antwort ist komplizierter. Und lohnender.

Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Neobanken 2026 profitabel sind, welche vom Markt verschwunden sind und woran du erkennst, ob dein Anbieter in Schieflage gerät. Dazu: Alles, was du über die Einlagensicherung bei Neobanken wissen musst.

69 %

der börsennotierten Fintechs waren 2024 profitabel

Quelle: BCG Global Fintech Report 2025

Wer ist profitabel, wer nicht?

2024 war das Jahr, in dem sich die Spreu vom Weizen getrennt hat. Die großen Neobanken haben den Profitabilitäts-Nachweis erbracht. Die kleinen nicht.

N26: Spät profitabel, dafür regulatorisch sauber

N26 hat im dritten Quartal 2024 erstmals schwarze Zahlen geschrieben: 2,8 Millionen Euro Nettogewinn. Das klingt nach wenig, ist aber ein Wendepunkt. Zwischen 2019 und 2023 hat N26 insgesamt über 700 Millionen Euro Verlust angehäuft.

Der Umsatz stieg 2024 auf rund 440 Millionen Euro (+40 %). Auslöser für den Turnaround: Die BaFin hat im Juni 2024 den Wachstumsdeckel aufgehoben, der seit 2021 die Neukundenzahl auf 50.000 pro Monat begrenzte. Hintergrund waren Mängel bei der Geldwäscheprävention. N26 zahlte 9,2 Millionen Euro Bußgeld und hat die Compliance-Anforderungen offenbar erfüllt.

Für dich als Kunde heißt das: N26 hat eine deutsche Vollbanklizenz. Deine Einlagen sind über die EdB (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken) bis 100.000 Euro geschützt. Das ist der höchste regulatorische Standard, den eine Neobank in Deutschland bieten kann.

Trade Republic: Die Geldmaschine

Trade Republic hat sich vom Neobroker zur größten deutschen Fintech-Erfolgsgeschichte entwickelt. Bereits seit 2022 profitabel, über 500 Millionen Euro Umsatz, 10 Millionen Kunden, 150 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen. Die Bewertung stieg im Dezember 2025 auf 12,5 Milliarden Euro.

Im Januar 2026 erhielt Trade Republic von der BaFin die Erlaubnis, ein eigenes multilaterales Handelssystem (MTF) zu betreiben. Damit bereitet sich das Unternehmen auf das PFOF-Verbot ab Juli 2026 vor und macht sich unabhängiger von externen Handelsplätzen.

Wichtig für die Einlagensicherung: Trade Republic hat keine eigene Banklizenz, sondern arbeitet mit Partnerbanken. Deine Einlagen liegen bei der Deutschen Bank, J.P. Morgan SE, Citibank Europe oder HSBC Continental Europe. Je nach Partnerbank greift die deutsche, irische oder französische Einlagensicherung. In allen Fällen: 100.000 Euro pro Bank. Details dazu in unserem Trade Republic Sicherheitscheck.

Revolut: Gewinne in Milliardenhöhe

Revolut hat 2024 einen Gewinn von 1,1 Milliarden Pfund erzielt, bei 3,1 Milliarden Pfund Umsatz. Die Bewertung liegt bei 75 Milliarden US-Dollar. Revolut ist damit die wertvollste private Neobank der Welt.

Einlagensicherung: Revolut operiert über eine litauische Banklizenz (Revolut Bank UAB). Deine Einlagen sind über das litauische Einlagensicherungssystem bis 100.000 Euro geschützt. EU-weit gleichwertig reguliert, aber im Insolvenzfall könntest du mit litauischen Behörden kommunizieren müssen statt mit deutschen.

bunq: Der stille Gewinner

bunq hat 2024 einen Gewinn von 85,3 Millionen Euro erzielt (+65 % gegenüber 2023). Die niederländische Neobank ist seit 2021 profitabel und damit einer der Pioniere in der Branche. CEO Ali Niknam hält nach wie vor die Mehrheit der Anteile. Das macht bunq unabhängig von Venture-Capital-Runden.

bunq hat eine niederländische Vollbanklizenz und wird direkt von der EZB beaufsichtigt. Deine Einlagen sind über das niederländische Einlagensicherungssystem (DGS) bis 100.000 Euro geschützt. Seit 2025 expandiert bunq in die USA und baut das Kreditgeschäft aus.

Wer hat den Markt verlassen?

Die Liste der gescheiterten Neobanken in Deutschland wird länger.

Nuri (ehemals Bitwala): Krypto-Kollateralschaden

Nuri meldete im August 2022 Insolvenz an. Der Auslöser: Die Krypto-Plattform Celsius Network, über die Nuri ein Bitcoin-Ertragskonto anbot, war im Juli 2022 zusammengebrochen. Rund 500.000 Kunden waren betroffen. Im Dezember 2022 wurden alle Konten geschlossen.

Die Lehre: Nuri hatte sein Geschäftsmodell an einen einzelnen Partner gekoppelt. Als Celsius fiel, fiel Nuri mit. Für die Kunden lief die Abwicklung vergleichsweise geordnet ab: Die Konten liefen über die Solarisbank (heute Solaris SE), die reguläre Bankeinlagen schützte. Wer Geld auf dem normalen Girokonto hatte, bekam es zurück. Wer im Bitcoin-Ertragskonto investiert war, musste Verluste hinnehmen. Die Celsius-Insolvenz läuft bis heute.

Ruuky: Kein Kapital im Abschwung

Die kleine deutsche Neobank Ruuky stellte im Januar 2023 einen Insolvenzantrag. Grund: Im veränderten Marktumfeld war kein neues Venture Capital zu bekommen. Rund 250.000 Kunden mussten sich eine neue Bank suchen. Der Betrieb wurde wenige Wochen nach dem Antrag eingestellt.

Penta: Von Qonto geschluckt

Die deutsche Business-Neobank Penta wurde im Juli 2022 von der französischen Qonto für 200 Millionen US-Dollar übernommen. Alle Penta-Kunden wurden bis Ende 2023 auf Qonto migriert. Die Marke Penta existiert nicht mehr.

Pentas Fall ist kein klassisches Scheitern. Die Übernahme durch Qonto war für die Kunden ein relativ sanfter Übergang: Kontodaten blieben erhalten, das Produkt wurde unter neuem Namen weitergeführt. Aber es zeigt, wie schnell sich Marken im Neobanking auflösen können. Und dass selbst eine Bewertung von 200 Millionen Dollar keine Garantie für eigenständiges Überleben ist.

Wer kämpft noch?

Vivid Money hat seine letzte Finanzierungsrunde im Februar 2022 abgeschlossen (114 Millionen USD, 886 Millionen USD Bewertung). Seitdem: kein neues Funding. Cashback-Limits wurden schrittweise reduziert: Von anfangs bis zu 25 % auf ausgewählte Marken sind noch 0,1-1 % übrig. Trading kostet seit 2024 Gebühren. Vivid schwenkt auf Business-Kunden um und hat 2025 ein Geschäftskonto eingeführt. Das Muster kennt man von anderen Fintechs, die sparen müssen, ohne es offen zu sagen.

Vivid nutzt keine eigene Banklizenz. Dein Konto läuft über die Solaris SE (Berlin), die selbst 2024 in die Schlagzeilen geriet: Die BaFin verhängte ein Bußgeld wegen Mängeln bei der Geldwäscheprävention. Für deine Einlagen ändert das nichts (Solaris hat eine deutsche Vollbanklizenz, EdB-Schutz bis 100.000 Euro). Aber es zeigt, wie viele Abhängigkeiten im Hintergrund existieren.

Monese operiert weiterhin, aber die TrustPilot-Bewertung liegt bei 2,5 von 5 Sternen (über 42.000 Bewertungen). Gebühren für UK-Kunden wurden eingeführt. Seit Jahren keine neue Finanzierungsrunde. Kein Wachstum, keine Profitabilität. Im Juli 2024 übernahm Pockit die Monese-Kunden in Großbritannien. Der europäische Betrieb läuft zwar weiter, fühlt sich aber zunehmend wie ein Auslaufmodell an.

C24 Bank: BaFin-Sonderbeauftragter

Überraschung im November 2025: Die BaFin hat bei der C24 Bank (Check24-Tochter) einen Sonderbeauftragten bestellt. Grund: „massive Mängel in der Geldwäscheprävention“. Finanztip hat daraufhin seine Empfehlung für C24 zurückgezogen. Die C24 Bank hat eine deutsche Vollbanklizenz und volle EdB-Einlagensicherung. Dein Geld ist geschützt. Aber das Beispiel zeigt: Auch eine Banklizenz schützt nicht vor regulatorischen Problemen.

Einlagensicherung: So ist dein Geld geschützt

Einlagensicherung der Neobanken

N26
Banklizenz Vollbanklizenz BaFin
Einlagensicherung EdB (Deutschland)
Land DE
Limit 100.000 EUR
Trade Republic
Banklizenz Partnerbanken
Einlagensicherung EdB / DGS je nach Partnerbank
Land DE/IE/FR
Limit 100.000 EUR
Revolut
Banklizenz Revolut Bank UAB
Einlagensicherung Litauisches DGS
Land LT
Limit 100.000 EUR
bunq
Banklizenz Vollbanklizenz DNB
Einlagensicherung Niederländisches DGS
Land NL
Limit 100.000 EUR
C24 Bank
Banklizenz Vollbanklizenz BaFin
Einlagensicherung EdB (Deutschland)
Land DE
Limit 100.000 EUR

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Alle EU-Einlagensicherungssysteme sind durch die Richtlinie 2014/49/EU harmonisiert: 100.000 Euro pro Person und Institut, Auszahlung innerhalb von 7 Werktagen. Ob dein Geld in Deutschland, Litauen oder den Niederlanden gesichert ist, macht rechtlich keinen Unterschied.

In der Praxis gibt es aber Unterschiede. Bei der deutschen EdB ist die Auszahlung gut eingespielt: Du bekommst dein Geld automatisch, ohne Antrag, auf ein von dir angegebenes Referenzkonto. Bei ausländischen Einlagensicherungssystemen kann die Kommunikation in einer anderen Sprache laufen. Das verzögert den Prozess nicht zwingend, kann aber für Unsicherheit sorgen.

Wichtig: Die 100.000-Euro-Grenze gilt pro Person und pro Institut. Wenn du bei Trade Republic 50.000 Euro liegen hast und zusätzlich ein Depot bei der Deutschen Bank, zählen die Einlagen bei der Deutschen Bank zusammen. Bei verschiedenen Partnerbanken (z.B. Deutsche Bank und J.P. Morgan SE) hast du dagegen jeweils eigene 100.000 Euro Schutz.

Warnsignale: Woran erkennst du eine Neobank in Schieflage?

Nicht jede Neobank, die Probleme hat, geht auch pleite. Aber die Muster aus den bisherigen Fällen sind erkennbar. Wenn du diese Warnsignale bei deinem Anbieter siehst, solltest du zumindest über ein Zweitkonto nachdenken:

  • Kein neues Funding seit 18+ Monaten bei gleichzeitig fehlendem Gewinn. Neobanken, die weder profitabel sind noch frisches Kapital einsammeln, leben von der Substanz.
  • Feature-Kürzungen ohne Erklärung: Cashback gestrichen, kostenlose Karte jetzt kostenpflichtig, Zinsen gesenkt. Wenn eine Neobank anfängt, Gratisleistungen abzubauen, fehlt Geld.
  • Schlechte Kundenbewertungen: TrustPilot unter 3,0 bei tausenden Bewertungen ist ein ernstes Warnsignal. Unzufriedene Kunden wechseln, neue kommen nicht.
  • Abhängigkeit von einem einzigen Erlösmodell: Nuri war abhängig von Celsius. Trade Republic war abhängig von PFOF. Der Unterschied: Trade Republic hat rechtzeitig diversifiziert.
  • BaFin-Maßnahmen: Sonderbeauftragte, Wachstumsdeckel oder Bußgelder signalisieren regulatorische Probleme. Die kosten Geld, Aufmerksamkeit und Vertrauen.

Was solltest du tun?

So schützt du dein Geld bei Neobanken

1

Einlagen auf mehrere Banken verteilen

Halte nicht mehr als 100.000 Euro bei einer einzelnen Bank. Bei Trade Republic zählt jede Partnerbank separat, aber du kannst nicht selbst wählen, bei welcher Partnerbank dein Geld liegt. Wenn du die Einlagensicherung maximieren willst, verteile auf mindestens zwei bis drei verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Banklizenzen.
2

Profitabilität prüfen

Ist deine Neobank profitabel? Die großen vier (N26, Trade Republic, Revolut, bunq) sind es. Prüfe bei kleineren Anbietern: Wann war die letzte Finanzierungsrunde? Gibt es öffentliche Geschäftszahlen? Wenn dein Anbieter seit Jahren Verluste macht und kein frisches Kapital bekommt, ist Vorsicht angebracht. Einen guten Überblick bieten Portale wie Crunchbase oder die Pressemitteilungen der Anbieter.
3

Zweitkonto einrichten

Selbst wenn dein Hauptkonto bei einer stabilen Neobank liegt: Richte ein Zweitkonto bei einem anderen Anbieter ein. Im Insolvenzfall kannst du wochenlang keinen Zugriff auf dein Konto haben. Lastschriften, Daueraufträge, Gehaltseingänge laufen ins Leere. Mit einem Zweitkonto bleibst du im Ernstfall zahlungsfähig.
4

Warnsignale beobachten

Verfolge die Nachrichten zu deiner Neobank. Feature-Kürzungen, plötzliche Gebührenerhöhungen oder BaFin-Maßnahmen sind Gründe, sich nach Alternativen umzusehen. Nicht aus Panik, sondern aus Vorsorge.

Fazit: Die Konsolidierung ist gesund

Die Neobank-Branche 2026 erinnert an das Platzen der Dotcom-Blase: Die Schwachen fallen, die Starken werden stärker. N26, Trade Republic, Revolut und bunq haben den Profitabilitäts-Test bestanden. BCG prognostiziert, dass sich der Markt weiter zu einer „Hantelform“ entwickelt: Sehr große Traditionsbanken auf der einen Seite, sehr große Neobanken auf der anderen. Die Mittelschicht wird verdrängt.

In Zahlen: 69 % der börsennotierten Fintechs waren 2024 profitabel. Aber die Top-15 Neobanken vereinen über 70 % der globalen Kundenbasis auf sich. Der Markt konzentriert sich. Für kleine Neobanken ohne klaren Differenzierungsfaktor bleibt kaum Platz.

Für dich als Kunde ist das weniger dramatisch, als es klingt. Dein Geld ist geschützt. Streue deine Einlagen, prüfe die Profitabilität deines Anbieters und behalte die Warnsignale im Blick. Wer bei einer der großen vier Neobanken ist, hat wenig zu befürchten. Wer bei einem kleinen Anbieter ohne Gewinn und ohne frisches Kapital ist, sollte zumindest ein Zweitkonto haben.

Die Konsolidierung bedeutet auch: Die überlebenden Neobanken werden besser. Mehr Kapital, bessere Produkte, stabilere Infrastruktur. Der Wettbewerb mit den Traditionsbanken wird härter. Davon profitierst am Ende du als Kunde.

Unser Tipp

Eröffne ein Zweitkonto bei einem profitablen Anbieter. N26 bietet deutsche Einlagensicherung, Trade Republic hat die breiteste Partnerbank-Abdeckung. Unser Ratgeber zur Einlagensicherung bei Neobanken erklärt die Details.

Quellen

  1. N26: „N26 Group reports first quarterly profit“, Pressemitteilung November 2024. n26.com
  2. Business Punk: „Trade Republic: Deutschlands neuer 12,5-Milliarden-Champion“, Dezember 2025. business-punk.com
  3. CNBC: „Revolut tops $1 billion in profit as revenue jumps 72%“, April 2025. cnbc.com
  4. CNBC: „bunq accelerates US expansion as profit jumps“, April 2025. cnbc.com
  5. BaFin: „Sonderbeauftragter bei C24 Bank GmbH“, November 2025. bafin.de
  6. BCG: „Fintech’s Next Chapter: Scaled Winners and Emerging Disruptors“, 2025. bcg.com

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