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Hoher, kippender Stapel Euromünzen im Vordergrund, im Hintergrund startet eine Rakete in einen dramatischen Sturmhimmel
Hintergründe

250.000 Euro in den SpaceX-IPO? Ich rechne das Klumpenrisiko kalt durch

· Tobias Rehermann · 11 Min. Lesezeit
Hoher, kippender Stapel Euromünzen im Vordergrund, im Hintergrund startet eine Rakete in einen dramatischen Sturmhimmel

Ich bin mit 500 Euro in den SpaceX-IPO gegangen. Bewusst, mit gedeckeltem Einsatz, als Selbstversuch. Während ich abends durch r/wallstreetbetsGER scrolle, sehe ich Screenshots von Orders, die eine ganz andere Größenordnung haben. Eine davon zeigt einen Zeichnungsauftrag über 250.000 Euro. Ob das Bild echt ist, kann ich nicht prüfen, und ich behaupte es auch nicht. Aber die Zahl bleibt hängen, weil sie eine Frage aufwirft, die ich für mich selbst sauber durchrechnen wollte: Was bedeutet so ein Einsatz konkret, wenn man ihn kalt durchrechnet statt nur das Adrenalin zu spüren?

Ich nehme drei Volumen-Stufen, lege die nüchternen Zahlen daneben und schaue, wie sich Gebühren, Stückzahl und vor allem das Risiko verschieben, wenn aus 500 Euro plötzlich eine Viertelmillion wird. Das ist mein Teil 2 zum 500-Euro-Selbstversuch: dort der disziplinierte Mini-Einsatz, hier die kalte Risiko-Sektion als Gegenpol. Keine Empfehlung, keine Prognose.

Das Wichtigste in Kürze

Ich vergleiche 500 Euro, 10.000 Euro und 250.000 Euro im SpaceX-IPO. Bei einem Festpreis von 135 USD (rund 125 Euro je Aktie) sind das grob vier, 80 oder 2.000 Aktien. Die Trade-Republic-Pauschale von 1 Euro fällt bei großen Orders kaum ins Gewicht, das Klumpenrisiko dafür umso mehr. Eine Beispielrechnung zeigt: Minus 30 Prozent am ersten Tag wären bei 250.000 Euro ein Verlust von 75.000 Euro. Free Float unter 5 Prozent und 20 bis 30 Prozent Volatilität in den ersten Tagen machen so einen All-in-Einsatz zur Wette, nicht zur Geldanlage. Die reale pro-rata-Quote lag bei meiner Zuteilung bei rund 13 Prozent, aus 250.000 Euro gezeichnet wären also nur rund 32.300 Euro tatsächlich zugeteilt worden. Das ist keine Anlageberatung.

Drei Einsätze, dieselbe Aktie: was sich wirklich ändert

Die Aktie kostet im IPO einen Festpreis von 135 USD. Je nach Wechselkurs sind das rund 125 Euro pro Stück. Mit dieser einen Zahl lässt sich jede Order ausrechnen, und das habe ich für die drei Stufen gemacht. Bei Trade Republic kostet die Zeichnung bei Zuteilung pauschal 1 Euro, egal wie groß die Order ist. Bei kleinen Beträgen ist das ein echter Vorteil. Bei großen Summen wird daraus ein Effekt, der trügerisch ist.

500 Euro vs. 10.000 Euro vs. 250.000 Euro im SpaceX-IPO

500 Euro
Was daraus folgt rund 4 Aktien, TR-Gebühr 1 Euro (0,2 Prozent vom Einsatz), gut streubar neben anderem Vermögen
10.000 Euro
Was daraus folgt rund 80 Aktien, TR-Gebühr 1 Euro (0,01 Prozent), schon spürbarer Einzelposten
250.000 Euro
Was daraus folgt rund 2.000 Aktien, TR-Gebühr 1 Euro (rund 0,0004 Prozent), faktisch alles in einer einzigen Aktie

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Schau dir die letzte Zeile an. Die Gebühr von einem Euro ist bei 250.000 Euro so winzig, dass sie in der Entscheidung keine Rolle mehr spielt. Das macht mich nachdenklich: Die Reibung, die einen früher gebremst hat, ist weg. Eine klassische Bank hätte für so eine Order vielleicht 50 oder 100 Euro genommen. Das hätte niemanden vom Zeichnen abgehalten, aber es war ein kleiner mentaler Stolperstein. Bei einem Euro pauschal fällt selbst der weg. Der einzige Widerstand, der bleibt, ist die eigene Disziplin.

Und während die Gebühr immer kleiner wird, wächst das Klumpenrisiko in die Gegenrichtung. Bei 500 Euro ist die Position ein Spielgeld-Posten neben Tagesgeld, ETF und allem anderen. Bei 250.000 Euro hängt das gesamte Kapital an einer einzigen, frisch gelisteten, hochvolatilen Aktie.

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Die 250.000-Euro-Rechnung, kalt durchgespielt

Jetzt nehme ich die große Zahl ernst, aber nur als Rechenbeispiel. Auf r/wallstreetbetsGER kursiert dieser Screenshot einer Order über 250.000 Euro. Ob er echt ist, lässt sich nicht verifizieren. Als Rechengrundlage taugt die Summe trotzdem, weil sie zeigt, wie schnell so ein Einsatz kippen kann. Alle folgenden Zahlen sind eine Beispielrechnung, keine Prognose. Ich kenne keinen Eröffnungskurs, niemand kennt ihn vor dem ersten Handelstag.

Als Orientierung dient ein realer Präzedenzfall: Beim Börsengang von Deliveroo 2021 mit eigener Retail-Tranche fiel die Aktie am ersten Handelstag um rund 30 Prozent. Übertragen auf 250.000 Euro sieht das so aus.

−75.000 €

Theoretisch bei voller Zuteilung: 250.000 Euro bei minus 30 Prozent am ersten Tag (wie Deliveroo 2021). Real griff die pro-rata-Quote, siehe unten. Keine Prognose.

Minus 30 Prozent klingen abstrakt. 75.000 Euro an einem einzigen Tag sind es nicht. Und das ist nicht das Worst-Case-Ende der Skala. Hier die drei Szenarien nebeneinander, alle als reines Beispiel.

Beispielrechnung 250.000 Euro (keine Prognose)

Minus 30 Prozent (wie Deliveroo Tag 1) −75.000 €
Minus 50 Prozent (deutlicher Fehlstart) −125.000 €
Plus 20 Prozent (positiver Tag) +50.000 €

Auf den ersten Blick wirkt das fast symmetrisch: 50.000 Euro Plus stehen 75.000 Euro Minus gegenüber. Aber so funktioniert ein volatiler IPO nicht. Bei einer erwarteten Schwankung von 20 bis 30 Prozent in den ersten Handelstagen kann der Kurs am selben Tag von Plus 20 auf Minus 20 drehen. Der Gewinn von heute Vormittag ist kein gebuchtes Geld, solange du nicht verkauft hast. Wer auf das Plus spekuliert, braucht perfektes Timing in einem Markt, der gerade erst Preise findet.

Das Zuteilungs-Paradox

Es gibt eine Falle, die viele übersehen. Der Deal ist mehrfach überzeichnet, die Zuteilung läuft pro rata. Viele zeichnen deshalb absichtlich hoch, in der Erwartung, am Ende nur einen Bruchteil zugeteilt zu bekommen. Wer 250.000 Euro zeichnet und damit rechnet, vielleicht 20.000 Euro zu erhalten, kalkuliert einen kleinen Posten ein. Aber die Zuteilungsquote steht erst nach der Order fest, und sie ist nicht garantiert niedrig. Im ungünstigen Fall wirst du voll zugeteilt und hältst plötzlich 250.000 Euro in einer einzigen Aktie, die du so nie halten wolltest. Du hast dann genau das Klumpenrisiko, das du eigentlich umgehen wolltest, nur unfreiwillig.

Inzwischen ist die echte Quote bekannt: Bei meiner eigenen Zuteilung kamen rund 13 Prozent der gezeichneten Summe zum Zug. Auf 250.000 Euro übertragen wären das rund 32.300 Euro, die tatsächlich in SpaceX geflossen wären, der große Rest erstattet. Das entschärft im Nachhinein das Vollzuteilungs-Risiko, ändert aber nichts an der Lehre: Vorher stand die Quote nicht fest, und 32.300 Euro in einer einzigen frisch gelisteten Aktie sind noch immer eine gewaltige Wette.

Was die echte Zuteilung aus der 250.000-Euro-Rechnung macht

Jetzt die Rechnung mit den echten Zahlen. Die dramatischen 75.000 Euro Verlust von oben galten für den Fall der vollen Zuteilung. Genau den hat die pro-rata-Quote verhindert. Bei rund 13 Prozent wären von 250.000 Euro gezeichneter Summe nur etwa 32.300 Euro tatsächlich in SpaceX-Aktien geflossen, die restlichen knapp 218.000 Euro wurden erstattet und lagen während der Zeichnungsfrist nur blockiert herum.

Damit schrumpft nicht nur das Risiko, sondern auch die Chance. Selbst der vielzitierte First-Day-Spike rechnet sich plötzlich nüchtern: Steigt der Kurs am ersten Tag um 30 Prozent, bringt das auf die real investierten 32.300 Euro rund 9.700 Euro Gewinn. Klingt nach viel, ist aber gemessen an der gewollten Viertelmillion mickrig, keine 4 Prozent auf den Betrag, den die Person eigentlich einsetzen wollte.

250.000 Euro gezeichnet: gewollt gegen real (bei rund 13 % Zuteilung)

In SpaceX investiert
Vollzuteilung (theoretisch) 250.000 €
Realität pro rata rund 32.300 €
Bei +30 % am ersten Tag
Vollzuteilung (theoretisch) +75.000 €
Realität pro rata rund +9.700 €
Bei −30 % am ersten Tag
Vollzuteilung (theoretisch) −75.000 €
Realität pro rata rund −9.700 €

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Und genau hier liegt der ernüchternde Kern. Die pro-rata-Quote trifft alle gleich: Ob du 500 Euro oder 250.000 Euro gezeichnet hast, du bekamst denselben Bruchteil von rund 13 Prozent. Der ganz große Cashout aus diesem IPO ist für normale Zeichner damit strukturell gedeckelt. Wer wirklich groß profitieren will, braucht entweder eine privilegierte, große Zuteilung, wie sie eher institutionelle Investoren bekommen, oder kauft am ersten Handelstag massiv im Sekundärmarkt nach, und zwar zum dann schon gestiegenen, teureren Kurs. Beides steht Normalanlegern praktisch nicht offen. Die Zeichnung demokratisiert den Zugang, aber nicht die Chance, richtig abzuräumen.

Warum diese Aktie besonders schwer einzuschätzen ist

Ein Verlustszenario allein macht noch keine besonders riskante Aktie. Drei Punkte aus der Recherche machen aber deutlich, warum SpaceX hier ein Sonderfall ist.

Der Free Float liegt unter 5 Prozent. Es kommt nur ein winziger Teil der Aktien an die Börse. Elon Musk hält über seine Class-B-Anteile rund 85 Prozent der Stimmrechte. Für dich als Käufer von Class-A-Aktien heißt das zweierlei: kaum Mitsprache, und ein dünner Markt. Wenig frei handelbare Stücke bedeuten, dass schon mittelgroße Kauf- oder Verkaufswellen den Kurs stark bewegen. Das ist einer der Gründe für die nächste Zahl.

20 bis 30 Prozent Volatilität in den ersten Handelstagen. Diese Spanne nennt Franco Granda von PitchBook für die Anfangsphase. Ausschläge von einem Fünftel bis einem Drittel des Kurses sind in den ersten Tagen also normal, nicht die Ausnahme. Deshalb ist die 75.000-Euro-Beispielrechnung von oben keine Schwarzmalerei, sondern liegt im erwartbaren Bereich.

Der faire Wert ist umstritten. Morningstar-Analyst Nicolas Owens schätzt den fairen Unternehmenswert auf rund 780 Milliarden US-Dollar. Das IPO zielt auf eine Bewertung von etwa 1,77 Billionen US-Dollar. Owens Schätzung liegt also unter der Hälfte des Emissionsziels. Das ist keine Kaufempfehlung gegen die Aktie und keine Prognose, aber es zeigt, wie weit die Meinungen über den angemessenen Preis auseinandergehen. Wenn ein etablierter Analyst rund die Hälfte ansetzt, ist die Spannbreite dessen, was am Markt passieren kann, enorm.

Free Float ist der Anteil der Aktien, der frei an der Börse handelbar ist. Liegt er unter 5 Prozent, ist nur ein kleiner Teil im Umlauf, der Rest bleibt bei Großaktionären gebunden. Folge: Der Markt ist dünn, einzelne große Orders bewegen den Kurs überdurchschnittlich, und die Schwankungen fallen heftiger aus als bei einer breit gestreuten Aktie. Genau das treibt die hohe Anfangsvolatilität.

Deliveroo ging 2021 mit einer eigenen Retail-Tranche an die Börse, ähnlich wie hier viele Privatanleger zeichnen. Am ersten Handelstag fiel die Aktie um rund 30 Prozent. Das zeigt: Eine hohe Nachfrage im Vorfeld und ein gehyptes IPO sind keine Garantie für einen guten Start. Ich nutze den Fall hier nur als realen Vergleichspunkt für meine Beispielrechnung, nicht als Vorhersage für SpaceX.

Position Sizing: die einzige Lehre, die immer trägt

Wenn ich aus dieser Rechnung eine Sache mitnehme, dann diese: Wie viel du in eine einzelne Aktie steckst, bestimmt mehr als die Wahl der Aktie selbst. Eine einfache Faustregel, die ich für mich ernst nehme: Nie mehr in eine Einzelposition stecken, als du komplett verschmerzen kannst, ohne dass es deine finanzielle Lage oder deinen Schlaf berührt.

Bei 500 Euro ist diese Frage leicht zu beantworten. Selbst ein Totalverlust ärgert mich, aber er verändert nichts an meinem Leben. Bei 250.000 Euro ist das eine völlig andere Liga. Hier geht es bei einem schlechten ersten Tag um Beträge, für die viele Menschen Jahre arbeiten. Die Aktie ist in beiden Fällen dieselbe. Was sich ändert, ist allein die Größe des Einsatzes, und die ist die eine Variable, die du zu hundert Prozent selbst kontrollierst.

Dafür gibt es keine feste Zahl, weil sie von deiner Gesamtsituation abhängt. Eine verbreitete Orientierung ist, einzelne spekulative Einzelwerte klein gegenüber dem Gesamtvermögen zu halten, sodass selbst ein starker Einbruch das Depot nicht aus der Bahn wirft. Entscheidend ist die ehrliche Frage: Wie viel kann ich verlieren, ohne dass es weh tut oder mich zu Panikverkäufen treibt? Diese Grenze kennt nur jeder für sich selbst. Das ist keine Anlageberatung, sondern ein Denkanstoß.

„Wie viel du investierst, kontrollierst du zu hundert Prozent. Den ersten Börsenkurs nicht.“

Warum ich bei 500 Euro geblieben bin

Ich habe meinen Einsatz nicht aus Geiz gedeckelt und auch nicht, weil ich nicht an die Mission glaube. Ich habe ihn gedeckelt, weil ich genau diese Rechnung vorher gemacht habe. 500 Euro sind für mich der Betrag, bei dem ich neugierig mitspielen kann, ohne dass die Entscheidung von Angst oder Gier getrieben wird. Ich kann den IPO erleben, die Mechanik verstehen und am Ende ehrlich darüber schreiben, ohne dass ein schlechter erster Tag mein Depot zerlegt.

Der All-in-Einsatz mit 250.000 Euro ist das andere Extrem auf derselben Skala. Eine Viertelmillion in einen volatilen Hype-IPO mit weniger als 5 Prozent Free Float, gezeichnet über eine App mit einem Euro Reibung. Ich verurteile das nicht. Vielleicht ist die Person hinter so einer Order vermögend genug, dass auch das für sie ein kleiner Posten ist. Ob ein Einsatz groß oder klein ist, hängt eben nicht von der absoluten Zahl ab, sondern davon, was er im Verhältnis zum Gesamtvermögen bedeutet.

Was ich aus meinem Selbstversuch mitnehme, ist deshalb keine Zahl, sondern eine Haltung. Die Disziplin, den Einsatz vorher festzulegen und nicht im Eifer des Gefechts nachzulegen, ist bei einem IPO wie diesem wichtiger als jede Kursprognose. Wenn du tiefer einsteigen willst, wie das Zeichnen technisch abläuft und welcher Broker was kostet, habe ich das hier getrennt aufbereitet: im Zeichnen-Ratgeber und im Broker-Vergleich. Und falls du den Gegenpol zu dieser Risiko-Sektion sehen willst, also den disziplinierten Mini-Einsatz in der Praxis, findest du ihn in meinem 500-Euro-Selbstversuch.

Der ruhige Gegenpol zum All-in: Wie du SpaceX mit Disziplin und langfristig ins Depot holst, zeigt unsere Serie: beim IPO leer ausgegangen, was jetzt, SpaceX per Sparplan kaufen und IPO-Hype gegen Zeit im Markt.

Hinweis: Dieser Beitrag ist meine persönliche Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung. Alle Szenario-Zahlen sind Beispielrechnungen ohne Prognosecharakter. Aktien, besonders frisch gelistete und hochvolatile, bergen das Risiko von Totalverlusten. Triff jede Anlageentscheidung selbst und nur mit Geld, dessen Verlust du verkraften kannst.

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