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Wer sein Geld bei Scalable Capital parkt, muss jetzt aktiv werden. Der Münchner Neobroker hat sein Zinsmodell umgebaut: Ab dem 1. April 2026 gibt es auf dem bisherigen Verrechnungskonto keine Zinsen mehr. Stattdessen bekommen Kunden ein separates Tagesgeldkonto mit eigener IBAN und 2,50 % Zinsen pro Jahr. Der Haken: Der Wechsel passiert nicht automatisch. Wer das neue Konto nicht in der App eröffnet, verliert ab April jegliche Verzinsung auf sein Broker-Guthaben. Für Bestandskunden war der 31. März der letzte Tag mit Zinsen nach altem Modell.
Für rund eine Million Kunden in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, den Niederlanden und Spanien ist das eine spürbare Veränderung.
Das Wichtigste in Kürze
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Scalable Capital hat das Verrechnungskonto ab 1. April 2026 unverzinst gestellt.
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Das neue Tagesgeldkonto zahlt 2,50 % pro Jahr, monatlich gutgeschrieben, ohne Limit.
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Bestandskunden müssen das Konto aktiv in der App eröffnen (App-Version 26.3, keine neue Identifizierung).
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Der Zinssatz gilt für FREE- und PRIME+-Kunden gleichermaßen.
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Im FREE-Modell fließt ein Teil des Geldes in Geldmarktfonds, kein vollständiger gesetzlicher Einlagenschutz.
Was sich zum 1. April geändert hat
Scalable Capital hat das bisher automatisch verzinste Broker-Verrechnungskonto entkoppelt. Das neue Produkt heißt intern „Scalable Overnight“ und ist ein klassisches Tagesgeldkonto: eigene IBAN, monatliche Zinsgutschrift, jederzeit verfügbar, kein Mindestbetrag. Der Zinssatz von 2,50 % ist variabel und kann von Scalable jederzeit angepasst werden.
Die Konditionen unterscheiden sich damit deutlich vom alten Modell. Vorher lief alles still im Hintergrund. Wer Geld im Broker-Verrechnungskonto liegen hatte, bekam automatisch Zinsen auf das gesamte Guthaben, zuletzt noch 2,00 % p.a. Jetzt braucht es einen aktiven Klick. Überweisungen zwischen Tagesgeldkonto und Depot-Verrechnungskonto laufen in Echtzeit, das ist der einzige Komfortvorteil gegenüber einem externen Tagesgeld.
Schon der Zinsverlauf auf dem alten Verrechnungskonto hat das Ende angezeigt. Im Dezember 2024 lagen die Zinsen noch bei 3,25 % p.a., dann ging es schrittweise runter: 2,75 % im Februar 2025, 2,25 % im April, 2,00 % im Juni. Ab 1. April 2026 bei null. Scalable sagt offen: Das alte Modell war nicht mehr tragfähig.
Zinsen auf dem Scalable-Verrechnungskonto ab 1. April 2026
Quelle: Scalable Capital Zinsübersicht
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Scalable Capital
84 · Sehr gut
Trade Republic
85 · Sehr gut
So eröffnest du das neue Tagesgeldkonto
Der Prozess ist kurz. Scalable selbst veranschlagt weniger als eine Minute. Voraussetzung: Die App ist auf Version 26.3 oder neuer aktualisiert. Eine neue Identifizierung per Video ist nicht nötig, weil Scalable die bestehende Kundenprüfung weiterverwendet.
Scalable Tagesgeldkonto aktivieren
App aktualisieren
Neues Produkt hinzufügen
Bestätigung abschließen
Guthaben übertragen
Wichtig: Ohne diesen Schritt liegt das Geld unverzinst auf dem Verrechnungskonto. Das gilt auch für Neukunden, die sich seit Mitte März 2026 bei Scalable registriert haben. Ein automatisches Tagesgeld gibt es nicht mehr.
Die Einlagensicherung-Falle im FREE-Modell
Stiftung Warentest nimmt das neue Scalable-Tagesgeld nicht in den regulären Tagesgeldvergleich auf. Grund: Im kostenlosen FREE-Modell liegt ein Teil des Guthabens nicht bei einer Bank, sondern in Geldmarktfonds nach OGAW-Standard. Fondsanteile sind zwar im Insolvenzfall Sondervermögen, aber nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro geschützt, und sie können an Wert verlieren.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat sich ähnlich geäußert. Niels Nauhauser wurde in der WirtschaftsWoche mit der Einschätzung zitiert, dass ein als Tagesgeld beworbenes Konto vollständig der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen sollte. Die BaFin weist darauf hin: Der Begriff „Tagesgeld“ ist gesetzlich nicht definiert, Scalable bricht formal also keine Regel.
FREE-Kunden (kostenloses Depot) bekommen 2,50 % p.a., aber ein Teil ihres Geldes liegt in Geldmarktfonds. Kein klassischer Einlagenschutz bis 100.000 Euro. Wer diesen Schutz will, braucht das kostenpflichtige PRIME+-Modell für 4,99 Euro pro Monat.
Im PRIME+-Modell sieht das anders aus. Guthaben verteilt sich automatisch auf Scalable Capital Bank und bis zu vier weitere Partnerbanken. Pro Bank greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro, in Summe also bis zu 500.000 Euro Schutz. Scalable ist zudem Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Wer größere Beträge parkt, muss rechnen: 4,99 Euro monatlich sind bei 50.000 Euro Guthaben rund 0,12 Prozentpunkte Rendite weniger, dafür gibt es echten Bankeinlagen-Schutz.
Scalable Capital im Marktvergleich
Mit 2,50 % p.a. liegt Scalable über Trade Republic. Aktionsangebote der Direktbanken sind auf dem Papier attraktiver, fallen aber nach drei bis sechs Monaten deutlich ab.
Tagesgeld im Vergleich (Stand April 2026)
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
Für Dauerparker ohne Lust auf Kontowechsel gehört Scalable mit 2,50 % zu den dauerhaft besseren Angeboten. Wer allerdings schon ein Depot bei einer anderen Bank hat und nur Geld parken will, fährt mit Openbank (2,75 % Neukundenaktion bis April, danach 2,20 % für Gehaltseingangs-Kunden) oder einer klassischen Direktbank oft besser, mit echter Einlagensicherung obendrauf.
Mehr Details zu den Marktkonditionen stehen in unserem Tagesgeld-Zinsen-Vergleich und im Überblick zu Tagesgeld bei Neobanken.
PFOF-Kontext: warum Scalable jetzt umbaut
Scalable hat den Schritt offiziell nicht begründet. Das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow tritt am 1. Juli 2026 in Kraft. Neobroker verlieren damit eine wichtige Einnahmequelle. Scalable hat mit der European Investor Exchange bereits eine eigene Börse gestartet und baut mit dem PRIME+-Abo ein Einnahmemodell auf, das unabhängiger von Order-Provisionen ist. Je attraktiver das Tagesgeld-Paket, desto eher zahlen Kunden 4,99 Euro im Monat. Trade Republic zahlt seit 2023 automatisch 2,00 % EZB-Zins aufs Girokonto, das erhöht den Druck zusätzlich.
Für wen sich das Scalable-Tagesgeld lohnt
Das Produkt passt am besten zu Menschen, die ohnehin bei Scalable ein Depot haben und Bargeld zwischen Aktien-Trades parken wollen. Der Echtzeit-Transfer macht das Umschichten bequem, 2,50 % sind solide, und für PRIME+-Kunden stimmt auch die Einlagensicherung.
Wer nur Geld parken möchte und keinen Scalable-Broker braucht, fährt mit einer klassischen Direktbank fast immer besser. Ein dediziertes Notgroschenkonto oder eine Tagesgeldhopping-Strategie bringt oft mehr Rendite bei gleichem oder besserem Schutz. Auch der Vergleich mit Alternativen wie Geldmarkt-ETFs oder Festgeld lohnt sich, wenn das Geld länger liegt.
Wichtig bleibt: Der Zinssatz ist variabel. Scalable kann morgen 2,00 % machen, übermorgen 1,50 %. Trade Republic koppelt den Zins an den EZB-Einlagensatz, das ist transparenter, auch wenn der Zins selbst niedriger ist. Der direkte Vergleich beider Anbieter steht ausführlich im Artikel Revolut vs Trade Republic und bei unserer Anleitung zur Versteuerung von Tagesgeld-Zinsen.
Was Bestandskunden jetzt tun sollten
App updaten und das Tagesgeldkonto in der Scalable-App eröffnen, falls noch nicht geschehen. Das dauert tatsächlich nur eine Minute. Dann das Guthaben vom Verrechnungskonto aktiv aufs neue Tagesgeldkonto verschieben, geht ebenfalls in der App mit Echtzeit-Transfer. Zuletzt den Freistellungsauftrag prüfen: Die monatliche Zinsgutschrift landet jetzt separat und sollte im Sparer-Pauschbetrag berücksichtigt sein.
Wer das Tagesgeld gar nicht braucht, sollte zumindest sein Broker-Guthaben reduzieren. 0,00 % Zinsen bei laufender Inflation bedeuten realen Kaufkraftverlust. Sinnvoller: Geld anlegen, zum Beispiel in Geldmarkt-ETFs oder ETF-Sparpläne, oder auf ein echtes Tagesgeld mit Einlagensicherung überweisen.
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