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Aufsteigende Treppe aus leuchtend grünen Glasstufen, ein orangefarbener Block schert nach unten aus der Reihe aus (KI-generiertes Bild)
Hintergründe

EZB hebt den Zins auf 2,50 Prozent: Was das für dein Tagesgeld bedeutet

· Tobias Rehermann · 10 Min. Lesezeit
Aufsteigende Treppe aus leuchtend grünen Glasstufen, ein orangefarbener Block schert nach unten aus der Reihe aus (KI-generiertes Bild)

Das Wichtigste in Kürze

  • – Die EZB hat den Einlagenzins am 10. September auf 2,50 Prozent angehoben, nach dem Schritt vom 17. Juni ist das die zweite Erhöhung in Folge
  • – Auf deinem Tagesgeldkonto landet das nicht automatisch: Banken geben Erhöhungen deutlich langsamer weiter, als sie Aktionszinsen streichen
  • – Trade Republic hat die Weitergabe noch am Tag des Entscheids zugesagt und hebt zum 16. September von 2,25 auf 2,50 Prozent an
  • – Wer noch auf einem ausgelaufenen Lockzins sitzt, verliert doppelt: erst ist die Aktion weg, dann kommt die Erhöhung nicht an
  • – Scalable hat den Tagesgeldzins am Entscheidungstag nicht angefasst, sondern in der App für 3 Prozent Festgeld auf 24 Monate geworben
  • – Vor dem Wechseln den eigenen Zins nachsehen. Ein Aktionszins nützt wenig, wenn du in drei Monaten wieder von vorne anfängst

Was die EZB entschieden hat

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat den Einlagenzins von 2,25 auf 2,50 Prozent angehoben. Das ist der Zins, den Banken bekommen, wenn sie Geld über Nacht bei der Notenbank parken. Und damit ist er die Messlatte für alles, was deine Bank dir auf dem Tagesgeldkonto zahlt. Wirksam wird der neue Satz am 16. September. Bis dahin rechnen die Banken noch mit den alten 2,25 Prozent.

Es ist die zweite Anhebung nacheinander. Am 17. Juni war der Satz bereits von 2,00 auf 2,25 Prozent gestiegen, im Juli hat die EZB dann pausiert. Der Auslöser für den neuen Schritt ist die Inflation: Im August lag sie im Euroraum bei 3,3 Prozent und damit spürbar über dem Ziel von 2 Prozent.

Die Richtung stimmt also für Sparer. Über das Tempo, in dem es bei dir ankommt, entscheidest allerdings nicht du, sondern deine Bank.

Warum die Erhöhung nicht von selbst auf deinem Konto landet

Tobias Rehermann zeigt auf seine Kündigungsschreiben für Girokonto und Kreditkarte
Tobias Rehermann mit seinen Kündigungsschreiben für Girokonto und Kreditkarte

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Der Einlagenzins ist kein Schalter, der dein Tagesgeldkonto mitdreht. Er verändert nur, was deine Bank verdient, wenn sie dein Geld weiterreicht. Ob sie davon etwas abgibt, ist ihre Entscheidung.

Und die fällt erfahrungsgemäß in eine Richtung schneller aus als in die andere.

Aktionszinsen verschwinden über Nacht. Erhöhungen brauchen Wochen.

Was Ende August passiert ist

Zum 31. August sind gleich drei Zinsaktionen ausgelaufen, und was danach übrig blieb, zeigt das Muster ziemlich deutlich:

  • Advanzia: beworben wurden 3,76 Prozent. Der Standardzins danach liegt bei 1,51 Prozent effektiv.
  • DKB: aus 2,75 Prozent wurde ein Basiszins von 1,00 Prozent.
  • norisbank: die 4,00 Prozent sind schon Anfang August auf 2,25 Prozent gefallen, und die gibt es nur mit gleichzeitig geführtem Girokonto. Ohne Girokonto sind es 0,75 Prozent.

Niemand hat dabei getrickst. Die Fristen standen in den Bedingungen, und die Absenkungen waren angekündigt. Sie liefen nur eben still ab, ohne Mail und ohne Hinweis in der App.

Diese drei Absenkungen waren am Tag der Umstellung wirksam. Bei der Erhöhung wird das anders laufen.

Der Unterschied zwischen variabel und garantiert

Ein variabler Tagesgeldzins darf sich jederzeit ändern, nach oben wie nach unten. Ein Aktionszins ist dagegen für einen festen Zeitraum zugesagt, meist drei bis sechs Monate, und fällt danach auf den Standardsatz zurück. Beides steht in den Bedingungen, aber nur eines davon wirbt auf der Startseite.

Die Kopplung an die EZB gibt es, nur nicht beim Guthaben

Der Punkt: In der Zinsübersicht von Scalable Capital stehen Guthaben und Kredit direkt untereinander. Gebaut sind die beiden völlig unterschiedlich.

Beim Wertpapierkredit nennt die Bank den EZB-Hauptrefinanzierungssatz als Bezugsgröße und hält einen festen Abstand dazu ein. Seit dem 17. Juni stehen dort 2,40 Prozent Leitzins und 3,49 Prozent Sollzins, in der Zeile davor, gültig seit September 2025, 2,15 und 3,24 Prozent. Gleicher Abstand, anderes Niveau. Beim Tagesgeld taucht die EZB in derselben Übersicht überhaupt nicht auf, dort steht nur „variabel, etwa mit Marktzinsen“. Die letzten beiden Änderungen fielen auf den 16. März und den 1. September, also auf Termine, an denen sich am Leitzins gar nichts getan hat.

Für den Kredit steht die Kopplung in der Tabelle. Für dein Guthaben steht dort ein einziges Wort: variabel.

Bleibt der Abstand wie bisher, steigt der günstigere der beiden Kreditzinsen dieser Bank am 16. September von selbst auf rund 3,74 Prozent, weil der Hauptrefinanzierungssatz dann bei 2,65 Prozent liegt. Beim Tagesgeld dagegen muss jemand eine Entscheidung treffen. Das ist kein Vorwurf an eine einzelne Bank, sondern das Muster, nach dem die ganze Branche arbeitet.

Wo dein Geld gerade steht

Die folgenden Zinssätze gelten unmittelbar vor der Entscheidung. Sie sind der Maßstab, an dem du in den nächsten Wochen ablesen kannst, wer die Erhöhung weitergibt und wer nicht.

Tagesgeld und Guthabenzinsen vor dem EZB-Entscheid

Advanzia
Zins p.a. 3,45 % effektiv
Gilt für Neukunden, 3 Monate
Anmerkung danach 1,51 % effektiv
Scalable Capital
Zins p.a. 2,60 %
Gilt für alle Guthaben
Anmerkung seit 1. September
Trade Republic
Zins p.a. 2,25 %
Gilt für alle Guthaben
Anmerkung koppelt an den EZB-Einlagensatz, ab 16.09. 2,50 %
norisbank
Zins p.a. 2,25 %
Gilt für nur mit Top-Girokonto
Anmerkung ohne Girokonto 0,75 %
DKB
Zins p.a. 1,00 %
Gilt für Basiszins, alle Beträge
Anmerkung plus 200 Euro Neukundenbonus bis 15.09.

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Wo eine Anpassung am wahrscheinlichsten ist

Trade Republic ist ein besonders aufschlussreicher Fall. Der Broker gibt den Einlagensatz der EZB nach eigener Darstellung vollständig weiter und liegt seit dem 17. Juni bei 2,25 Prozent, also exakt auf dem alten Notenbank-Niveau. Hält diese Kopplung, reagiert Trade Republic hier vermutlich als Erstes.

Nachtrag vom 11. September: Genau so ist es gekommen. Noch am Tag des Entscheids lag in der App eine Mitteilung mit der Überschrift „Mehr Zinsen für dich“, in der Trade Republic die Weitergabe zusagt. Ab dem 16. September gibt es dort 2,50 Prozent auf das gesamte Cash-Guthaben. Was das konkret bringt und woher der Zins tatsächlich kommt, steht in unserem Beitrag zur Zinserhöhung bei Trade Republic.

Scalable Capital liegt mit 2,60 Prozent bereits über dem alten Einlagensatz und hat erst zum 1. September erhöht. Ein zweiter Schritt kurz danach wäre eine Überraschung.

Genau so kam es dann auch. In der App lag am Nachmittag der Entscheidung keine Zinsanhebung, sondern eine Anzeige: 3 Prozent Zinsen, garantiert für 24 Monate, auch für die Kinder. Gemeint ist damit nicht das Tagesgeld, sondern das Festgeld, das Scalable seit Anfang September anbietet. Für 12 Monate gibt es dort 2,75 Prozent, für 24 Monate 3,00 Prozent, und Festgeldkonten für die eigenen Kinder lassen sich ebenfalls anlegen. Der Tagesgeldsatz in der Zinsübersicht stand zur selben Stunde unverändert bei 2,60 Prozent.

Bei den klassischen Häusern lohnt Geduld statt Hektik. Wer dort jetzt kündigt, weil der Zins niedrig aussieht, verpasst womöglich eine Anpassung, die zwei Wochen später ohnehin gekommen wäre.

Was du jetzt sinnvollerweise tust

In vier Schritten zur richtigen Reaktion

1

Sieh nach, was du gerade wirklich bekommst

Nicht was beworben wurde, als du das Konto eröffnet hast, sondern was heute gutgeschrieben wird. Der Wert steht im Zinsaushang oder in der letzten Abrechnung. Bei drei der oben genannten Anbieter liegt zwischen Werbung und Wirklichkeit inzwischen mehr als ein Prozentpunkt.
2

Prüfe, ob du auf einem abgelaufenen Aktionszins sitzt

Aktionszinsen laufen typischerweise nach drei bis sechs Monaten aus. Wenn du dein Tagesgeldkonto im Frühjahr eröffnet hast, ist die Frist mit hoher Wahrscheinlichkeit vorbei. Genau dieser Fall kostet dich am Ende Geld, weil er nicht auffällt.
3

Warte zwei bis drei Wochen, bevor du wechselst

Nach einer Zinserhöhung ziehen die Anbieter zeitversetzt nach. Wer sofort umzieht, vergleicht alte Konditionen mit alten Konditionen. Wer im Oktober vergleicht, sieht das Feld nach der Anpassung.
4

Rechne den Aufwand gegen den Ertrag

Ein Prozentpunkt mehr auf 10.000 Euro sind 100 Euro im Jahr, vor Steuern. Das lohnt sich. Bei 2.000 Euro sind es 20 Euro, und dafür ein neues Konto samt Legitimation zu eröffnen, ist Geschmackssache.

Was du gerade nicht tun solltest

Festgeld über lange Laufzeiten abschließen, nur weil die Zinsen gerade gestiegen sind. Wenn die EZB am 29. Oktober erneut anhebt, bist du für Jahre an das heutige Niveau gebunden. Kurze Laufzeiten oder Tagesgeld halten dich beweglich, solange die Richtung nicht klar ist.

Das Angebot von Scalable ist dafür das Beispiel des Tages: 3 Prozent für 24 Monate klingen nach mehr als die 2,60 Prozent auf dem Tagesgeld, und die Zusage gilt auch wirklich. Du kaufst dir damit aber zwei Jahre Stillstand, in denen sich am Leitzins noch einiges bewegen kann. Fair ist es, die andere Seite genauso zu nennen: Dreht die EZB 2027 wieder nach unten, ist die Garantie plötzlich das bessere Geschäft. Wer sich nicht entscheiden will, legt nur den Teil fest, den er die nächsten zwei Jahre sicher nicht braucht.

Was als Nächstes ansteht

Der nächste Zinsentscheid der EZB fällt auf den 29. Oktober, danach folgt der 17. Dezember. Bis dahin zählt vor allem, wer die heutige Erhöhung weitergibt und wie lange es dauert. Wir schauen uns das in den nächsten Wochen an und melden uns, wenn sich bei den größeren Anbietern etwas bewegt.

Ein Datum solltest du dir davon unabhängig merken: Am 30. September endet die ING-Aktion. 3,75 Prozent für vier Monate plus 200 Euro Prämie gibt es dort nur, wenn du Giro- und Extra-Konto zusammen eröffnest. Danach fällt der Zins auf 0,75 Prozent. Diesmal weißt du es vorher.

Häufige Fragen zum EZB-Zinsentscheid

Der Einlagenzins ist der Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken überschüssiges Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank parken können. Er ist seit 2024 der wichtigste der drei Leitzinsen und damit die Untergrenze für das, was eine Bank mit deinem Geld risikofrei verdienen kann. Deshalb orientieren sich Tagesgeldzinsen an ihm, ohne ihm automatisch zu folgen.

Das hängt vom Anbieter ab. Wer seinen Zins ausdrücklich an den Einlagensatz koppelt, passt meist innerhalb von Tagen an. Klassische Banken lassen sich oft mehrere Wochen Zeit, und manche geben nur einen Teil weiter. Verlässlich ist nur der Blick in den eigenen Zinsaushang, nicht die Ankündigung in der Presse.

Ein Wechsel lohnt sich vor allem dann, wenn dein aktueller Zins deutlich unter dem Marktniveau liegt, typischerweise nach dem Ende eines Aktionszeitraums. Direkt nach einer EZB-Entscheidung ist der Vergleich allerdings unscharf, weil noch nicht alle Anbieter reagiert haben. Zwei bis drei Wochen Abstand liefern das ehrlichere Bild. Einen aktuellen Überblick findest du in unserem Tagesgeld-Vergleich.

Neobroker nutzen Guthabenzinsen als Argument, um Kunden auf die Plattform zu holen, und verdienen ihr Geld an anderer Stelle. Klassische Banken finanzieren mit deinen Einlagen ihr Kreditgeschäft und haben andere Kostenstrukturen. Achte auf den Unterschied bei der Absicherung: Prüfe, ob dein Guthaben unter die gesetzliche Einlagensicherung fällt und bei welchem Institut es tatsächlich liegt. Details dazu stehen im Broker-Vergleich.

Ja, die Wirkung läuft in beide Richtungen. Dispozinsen und variabel verzinste Kredite folgen dem Leitzins in der Regel schneller nach oben als Guthabenzinsen. Wenn du einen Dispo nutzt, ist das der teurere Teil der Nachricht. Bei Scalable Capital lässt sich das sogar nachrechnen: Der Sollzins für den Wertpapierkredit hängt dort mit festem Abstand am EZB-Hauptrefinanzierungssatz, und der steigt am 16. September von 2,40 auf 2,65 Prozent.

Wie sich die einzelnen Anbieter in den nächsten Wochen bewegen, verfolgen wir laufend im Tagesgeld-Vergleich.

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