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OpenAI und Anthropic, die zwei wertvollsten KI-Unternehmen der Welt, steuern beide auf einen Börsengang zu. Anfang Juni 2026 haben beide bei der US-Börsenaufsicht SEC vertrauliche Unterlagen eingereicht. Seitdem kursieren Preise, Termine und vermeintliche Kaufmöglichkeiten, die so nicht existieren. Wenn du gehört hast, dass OpenAI oder Anthropic „an die Börse gehen“, und jetzt wissen willst, was davon stimmt und wie du dich seriös positionierst, bist du hier richtig.
Dieser Beitrag ist der zentrale Wegweiser zum Thema. Er erklärt, wo beide IPOs gerade stehen, was die astronomischen Bewertungen bedeuten und welche Wege es für dich als Privatanleger in Deutschland gibt. Stand aller Angaben: 16. Juni 2026.
Das Wichtigste in Kürze
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Beide Unternehmen haben Anfang Juni 2026 eine vertrauliche S-1 bei der SEC eingereicht. Es gibt aber noch keinen Ausgabepreis, kein Ticker-Symbol und kein verbindliches Börsendatum.
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Anthropic wird nach der Series-H-Runde vom Mai 2026 mit 965 Mrd. USD bewertet, OpenAI zuletzt privat mit rund 852 Mrd. USD.
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Direkt kannst du noch keine Aktie kaufen. Wer dir das heute verspricht, verkauft dir mit hoher Wahrscheinlichkeit ein wertloses oder betrügerisches Konstrukt.
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Es gibt seriöse indirekte Wege über börsennotierte Backer wie Microsoft, Amazon oder Alphabet. Diese sind aber kein Eins-zu-eins-Ersatz für eine echte Beteiligung.
Was gerade passiert: zwei vertrauliche S-1-Einreichungen
Innerhalb einer Woche haben beide KI-Schwergewichte den ersten formalen Schritt Richtung Börse gemacht. Anthropic reichte am 1. Juni 2026 einen vertraulichen S-1-Entwurf bei der SEC ein, OpenAI folgte am 8. Juni 2026. Eine S-1 ist das Registrierungsdokument, das ein US-Unternehmen vor einem Börsengang einreichen muss.
Wichtig ist das Wort „vertraulich“. Beide Firmen nutzen ein Verfahren, bei dem die Unterlagen zunächst nur der SEC vorliegen und nicht öffentlich einsehbar sind. Das ist bei großen Tech-IPOs Standard. Es erlaubt den Unternehmen, den Prospekt mit der Aufsicht abzustimmen, bevor Zahlen und Risiken an die breite Öffentlichkeit gehen.
Was das für dich bedeutet: Zum heutigen Stand gibt es weder einen Ausgabepreis noch ein Ticker-Symbol noch ein verbindliches Börsendatum. Wer dir eine konkrete Aktie zu einem konkreten Preis anbietet, kann sich nicht auf offizielle Angaben stützen, weil es diese Angaben schlicht noch nicht gibt.
Ein typischer Ablauf hilft beim Einordnen: Auf die vertrauliche Einreichung folgt eine Phase, in der das Unternehmen den Prospekt mit der SEC abstimmt. Erst danach wird die S-1 öffentlich, es folgt eine Werbephase bei Großinvestoren (die sogenannte Roadshow), und ganz am Ende werden Preis und Termin festgelegt. Beide Unternehmen befinden sich erst am Beginn dieser Kette. Bis zum öffentlichen Prospekt bleibt das Meiste, was du zu Zahlen und Risiken liest, eine Schätzung von außen.
Auch die Bankenseite ist erst teilweise sortiert. Anthropic hat Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan Chase als federführende Konsortialbanken (Lead-Underwriter) ausgewählt, bekannt gegeben am 3. Juni 2026. Für OpenAI gelten Goldman Sachs und Morgan Stanley als gesetzt. Laut dem Wirtschaftsmagazin Fortune war Anfang Juni noch nicht entschieden, welche Bank bei welchem Börsengang die Führungsrolle (die „Lead Left“-Position) übernimmt. Goldman Sachs und Morgan Stanley ringen um genau diese Spitzenrolle. Dass sich die größten Wall-Street-Häuser um beide Mandate streiten, sagt vor allem etwas über die erwartete Größe der Deals.
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Wer sind OpenAI und Anthropic?
OpenAI ist das Unternehmen hinter ChatGPT und den GPT-Sprachmodellen und damit der bekannteste Name der aktuellen KI-Welle. Zuletzt wurde OpenAI in einer Finanzierungsrunde im Oktober 2025 privat mit rund 852 Mrd. USD bewertet. Größter strategischer Investor ist Microsoft, das nach einer Rekapitalisierung im Oktober 2025 rund 27 Prozent an OpenAI hält. Auch Nvidia ist mit rund 30 Mrd. USD beteiligt. Laut CFO Sarah Friar überschritt der annualisierte Umsatz 2025 die Marke von 20 Mrd. USD (Unternehmensangabe, keine testierten Zahlen). Hohe Umsätze bedeuten dabei nicht Gewinne: Interne Hochrechnungen, über die Medien berichteten, erwarten für OpenAI auch in den kommenden Jahren tiefrote Zahlen und Profitabilität frühestens gegen Ende des Jahrzehnts.
Anthropic ist der direkte Rivale und steht hinter der KI-Assistenten-Familie Claude. Nach der Series-H-Finanzierungsrunde vom Mai 2026, in der 65 Mrd. USD eingesammelt wurden, liegt die Bewertung bei 965 Mrd. USD. Zu den Lead-Investoren zählten unter anderem Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital. Strategisch wichtig sind vor allem Amazon, das insgesamt rund 13 Mrd. USD investiert hat, und Alphabet, das im April 2026 eine mögliche Investition von bis zu 40 Mrd. USD ankündigte. Beim Umsatz wuchs Anthropic 2026 rasant. Allerdings stammen die für das zweite Quartal 2026 kursierenden Zahlen (rund 10,9 Mrd. USD Umsatz und ein erstes kleines Betriebsergebnis) aus Unterlagen, die Anthropic vor der Series-H-Runde an Investoren gab, also laut unternehmensinternen Angaben an Investoren, keine testierten Zahlen. Anthropic selbst warnte die Investoren, dass diese Profitabilität nicht nachhaltig sei und geplante Infrastruktur-Ausgaben das Ergebnis bald wieder ins Minus drücken würden.
Beide Firmen eint ein Muster, das du im Hinterkopf behalten solltest: enormes Wachstum, gigantische Bewertungen und gleichzeitig sehr hohe Kosten für Rechenleistung. Die Bewertungen spiegeln vor allem Zukunftserwartungen wider, nicht heutige stabile Gewinne.
Die Bewertungen im Vergleich
Der folgende Tracker fasst den aktuellen Stand beider Börsengänge zusammen. Er ist die Antwort auf die häufigste Frage zum Thema: Wie weit ist das Ganze eigentlich, und wer liegt vorn?
OpenAI & Anthropic IPO-Tracker, Stand 16. Juni 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.
Diese Zahlen muss man richtig einordnen. Eine private Bewertung ist nicht dasselbe wie ein IPO-Preis. Die 965 Mrd. USD bei Anthropic und die rund 852 Mrd. USD bei OpenAI stammen aus Finanzierungsrunden mit ausgewählten Großinvestoren. Sie sagen, zu welchem Preis diese Investoren zuletzt eingestiegen sind. Was die Aktien am ersten Handelstag an der Börse tatsächlich wert sein werden, legt erst der Markt fest, und das kann deutlich darüber oder darunter liegen.
Auch eine Beteiligungsquote ist nicht automatisch ein anteiliger Geldwert. Microsofts rund 27 Prozent an OpenAI sind die nominelle Eigenkapitalquote aus dem aktuellen Quartalsbericht (10-Q). Der tatsächliche wirtschaftliche Wert hängt vom sogenannten Liquidations-Wasserfall ab, also davon, wer im Ernstfall in welcher Reihenfolge bedient wird. Diese 27 Prozent sind ausdrücklich nicht gleichbedeutend mit 27 Prozent eines möglichen IPO-Erlöses.
Eine private Bewertung ist ein Preisschild aus dem letzten Deal. Was die Aktie an der Börse wert ist, entscheidet erst der erste Handelstag.
Bei Anthropic kommt eine Besonderheit hinzu. Hier sind die Beteiligungen der großen Technologiekonzerne teilweise so verschachtelt, dass die genauen Quoten erst mit der öffentlichen S-1 sichtbar werden. Für Amazon und Alphabet kursieren zwar Schätzungen, doch belastbare Prozentwerte gibt es noch nicht. Auch das ist ein Grund, warum jede Aussage „X Prozent gehören Y“ mit Vorsicht zu lesen ist, solange der Prospekt nicht offenliegt.
Wann kommt der Börsengang?
Ein verbindliches Datum gibt es nicht. Seriös lässt sich nur über Ziel-Fenster und Prognosen sprechen. Aus dem Marktumfeld wird für Anthropic ein mögliches Börsenfenster ab Oktober 2026 genannt, für OpenAI ein Zielkorridor von September bis zum vierten Quartal 2026. Das sind Einschätzungen, keine Zusagen der Unternehmen.
Konkretere Schätzungen liefern spezialisierte Prognoseplattformen. Laut der KI-Prognoseplattform FutureSearch (Stand 10. Juni 2026) liegt das Median-Datum für den Anthropic-Börsengang beim 15. Dezember 2026, für OpenAI beim 25. März 2027. FutureSearch schätzt die Marktkapitalisierung am ersten Handelstag für beide jeweils im Bereich von etwa 1,1 Bio. USD, allerdings mit einer sehr breiten Spanne. Wer zuerst kommt, ist offen: Auf der Prognosebörse Polymarket lag die Wahrscheinlichkeit, dass Anthropic zuerst an die Börse geht, zuletzt bei rund 75,5 Prozent.
Für deutsche Anleger ist außerdem wichtig: Beide Börsengänge sind für US-Börsen wie NASDAQ oder NYSE geplant, eine Zweitnotierung an einer europäischen Börse ist nicht angekündigt. Sobald die Aktien notiert sind, könntest du sie grundsätzlich über einen Broker mit US-Aktienhandel kaufen, etwa Trade Republic. Die Zuteilung vor dem ersten Handelstag bleibt jedoch typischerweise institutionellen Investoren vorbehalten. Berichte, OpenAI plane eine eigene Tranche für Privatanleger, sind bislang nicht offiziell bestätigt.
Diese Zahlen sind Prognosen, keine Fakten. Wie wackelig sie sind, zeigt FutureSearch selbst.
Prognosen sind keine Zusagen. Die genannten Termine und Bewertungen sind Modellrechnungen mit hoher Unsicherheit. FutureSearch hat seine eigene Anthropic-Schätzung im Juni 2026 deutlich revidiert: Im März 2026 lag die Prognose noch bei einem Börsengang im März 2027 zu rund 560 Mrd. USD, nach der Series-H-Runde wurde sie auf Dezember 2026 und eine höhere Bewertung angehoben. Solche Sprünge belegen, wie schnell sich die Lage ändern kann. Triff keine Entscheidung, die auf einem dieser Daten als gesichert beruht.
Kannst du jetzt schon mitmachen?
Die kurze Antwort lautet: direkt noch nicht, indirekt schon. Eine OpenAI- oder Anthropic-Aktie kannst du heute nicht kaufen, weil keine notiert ist. Wer dir trotzdem einen direkten Einstieg verspricht, sollte deine Alarmglocken läuten lassen. Es gibt im Wesentlichen drei Wege, die du kennen solltest:
- Indirekt über börsennotierte Backer. Microsoft, Amazon, Alphabet und Nvidia sind an einem oder beiden Unternehmen beteiligt und selbst an der Börse handelbar. Wie das funktioniert, wo die Haken liegen und warum das kein Eins-zu-eins-Ersatz ist, liest du im Detail unter indirekt in OpenAI & Anthropic investieren.
- Beim Börsengang selbst zeichnen. Sobald der IPO terminiert ist, könntest du über einen Broker versuchen, dabei zu sein. Wie das Zeichnen von Neuemissionen abläuft, zeigen wir am Beispiel IPO über Trade Republic zeichnen.
- Die Finger von Pre-IPO-Angeboten lassen. Tokenisierte Anteile, SPV-Konstrukte und angebliche Vorzugszuteilungen sind die häufigste Falle. Anthropic und OpenAI haben solche Angebote selbst öffentlich für ungültig erklärt. Welche Maschen kursieren und woran du sie erkennst, steht unter OpenAI-Aktie kaufen, Vorsicht vor Fallen.
Ein Sonderfall sind breit gestreute KI-ETFs. Sie halten keine direkten Anteile an OpenAI oder Anthropic, sondern an bereits börsennotierten Firmen aus dem KI-Umfeld. Sie sind ein Weg, am Thema KI teilzuhaben, aber kein Stellvertreter für eine konkrete Beteiligung an diesen zwei Unternehmen. Wer hier einsteigt, setzt auf die Branche, nicht auf einen einzelnen Börsengang.
Direkt eine OpenAI- oder Anthropic-Aktie kaufen geht heute nicht. Jedes Gegenteil ist ein Warnsignal.
Warum dieser Hinweis so wichtig ist, zeigt ein realer Fall aus dem Mai 2026. Auf einer Blockchain-Plattform wurden tokenisierte „Anteile“ beider Unternehmen gehandelt. Sowohl Anthropic als auch OpenAI erklärten diese Konstrukte öffentlich für ungültig und warnten, dass solche Übertragungen unter ihren Bedingungen unzulässig seien. Anthropic ging so weit, Anbieter solcher Anteile als „wahrscheinlich entweder betrügerisch oder als Angebot ohne Wert“ zu bezeichnen. Nach den Warnungen verloren die Token innerhalb einer Woche rund ein Drittel ihres Wertes. Das ist der Kern der dritten Option: Es geht nicht um Vorsicht aus Prinzip, sondern um konkrete, dokumentierte Fallen.
Fazit: orientieren, nicht hetzen
OpenAI und Anthropic stehen am Anfang eines Börsengang-Prozesses, nicht am Ende. Die S-1-Einreichungen sind ein echter Meilenstein, aber sie liefern noch keinen Preis, kein Ticker und kein Datum. Alles, was darüber kursiert, ist entweder eine als solche gekennzeichnete Prognose oder mit Vorsicht zu genießen.
Für dich als Privatanleger heißt das: Es gibt keinen Grund zur Eile und keine Zuteilung, die du heute „sichern“ müsstest. Verschaffe dir Überblick, verstehe den Unterschied zwischen privater Bewertung und Börsenkurs, und nutze die seriösen indirekten Wege bewusst statt aus Angst, etwas zu verpassen. Wir aktualisieren diesen Tracker, sobald sich der Status beider IPOs ändert.
Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kursprognose und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
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