Sonntagabend, kurz nach acht. Der Radar kommt heute später als sonst, und das war Absicht: Der Tag gehörte erst der Familie, jetzt gehört die letzte Stunde dem Rückblick. Der Kaffee ist inzwischen ein Tee geworden, das Prinzip bleibt dasselbe.
Beim Sortieren ist mir aufgefallen: Die wichtigsten Bewegungen dieser Woche haben es alle nicht in die Schlagzeilen geschafft. Ein angekündigtes Beben, das ausblieb. Eine Gebühr, die sich halbiert hat, ohne dass es jemand verkündet hätte. Und eine Landkarte, die sich in Nebensätzen sortiert.
Das Wichtigste in Kürze
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Sechs Wochen nach dem PFOF-Verbot ist der befürchtete Gebührenschock bei den Neobrokern ausgeblieben. Die Kosten verschieben sich stattdessen in Randgebühren.
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Wise hat die Gebühr für den Währungsumtausch deutlich gesenkt: ab 0,2 Prozent statt vorher ab 0,47 Prozent. Ohne Ankündigung, einfach so.
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Wero wächst weiter: bunq ist seit dem 19. August auch in Deutschland dabei, ab dem 25. August nimmt der dm-Onlineshop Wero an. C24 winkt dagegen ab, die DKB bleibt unentschieden.
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Am 2. September wird die N26-Ordergebühr wirksam, am 10. September entscheidet die EZB.
Fund 1: Das Beben, das nicht kam
Vor sechs Wochen trat das PFOF-Verbot in Kraft, und die Prognosen waren düster: Wenn den Neobrokern die Rückvergütungen der Handelsplätze wegbrechen, müssten die Orderpreise steigen. Der Ein-Euro-Trade stand symbolisch auf der Kippe.
Jetzt liegt die erste Bilanz vor, und sie fällt unspektakulär aus. Der Gebührenschock ist ausgeblieben. Trade Republic und Scalable Capital haben ihre Standardpreise gehalten, Trading212 hat seine Konditionen gar nicht angefasst. Eine Auswertung von Biallo Mitte August bestätigt das Bild.
Interessant wird es im Kleingedruckten, denn die Kosten verschwinden nicht, sie wandern. Bei Trade Republic ist die Karteneinzahlung inzwischen durchgehend kostenpflichtig, 1 Prozent vom Betrag. Früher war die erste Einzahlung per Karte gratis. Die klassische Überweisung kostet weiterhin nichts, wer also per Karte einzahlt, zahlt für Bequemlichkeit. Bei justTRADE kostet die Quotrix-Route 2,90 Euro, während LS Exchange und Tradegate beim gewohnten Euro bleiben. Und bei finanzen.net zero und Traders Place schaut die BaFin gerade genauer auf Bonifizierungsmodelle, also auf die Frage, wo ein Preisvorteil endet und ein verdeckter Anreiz beginnt.
Für dein Geld heißt das: Die Schlagzeilen-Gebühr ist stabil, die Randgebühren sind in Bewegung. Einzahlungsweg und Handelsplatz entscheiden inzwischen öfter über deine Kosten als der Orderpreis selbst. Die ganze Bilanz mit allen Zahlen steht im PFOF-Beitrag.
Fund 2: Die Gebühr, die leise gefallen ist
Das hier hätte ich fast übersehen, und genau deshalb steht es im Radar. Ich schaue mir die Konditionen sowieso regelmäßig an, diese Woche fiel mir auf: Wise hat die Gebühr für den Währungsumtausch gesenkt, von vorher ab 0,47 Prozent auf jetzt ab 0,2 Prozent. Keine Pressemitteilung, kein Banner auf der Website. Die Zahl auf der Preisseite ist einfach kleiner geworden.
Der Wert gilt als grober Richtwert für den Tausch von Euro in US-Dollar, je nach Währungspaar und Betrag schwankt die Gebühr. Wer 1.000 Euro in Dollar tauscht, zahlte vorher rund 4,70 Euro, jetzt sind es etwa 2 Euro. Klingt nach Kleingeld, summiert sich aber bei jedem, der regelmäßig in Fremdwährung überweist, im Ausland arbeitet oder Rechnungen in Dollar bezahlt.
Mich beschäftigt an der Meldung weniger die Zahl als das Muster: Preissenkungen werden fast nie kommuniziert. Erhöhungen kommen per Mail mit Zustimmungspflicht, Senkungen passieren stumm. Wer nicht regelmäßig nachschaut, rechnet mit veralteten Kosten.
Für dein Geld heißt das: Wenn du Wise wegen der Gebühren vor Monaten verworfen hast, lohnt ein zweiter Blick. Die aktuellen Konditionen halte ich im Wise-Testbericht aktuell.
Fund 3: Die Wero-Landkarte sortiert sich
Letzte Woche stand an dieser Stelle der Wero-Start bei N26. Diese Woche geht die Sortierung weiter, in beide Richtungen.
bunq ist seit dem 19. August dabei, auch für Kunden in Deutschland. Nach Frankreich und Belgien ist das der dritte Markt, die Freischaltung läuft schrittweise. Falls du also bei bunq bist und die Funktion noch nicht siehst: Das ist normal, sie kommt. Damit kannst du als bunq-Kunde jetzt Geld an eine Handynummer schicken, ganz ohne IBAN, so wie es Kunden von Sparkassen, Volksbanken, ING, Deutscher Bank, Postbank, Revolut und N26 schon können.
Die Gegenbewegung gibt es auch: C24 hat auf Nachfrage erklärt, man verfolge „andere strategische Prioritäten“. Kein Zeitplan, keine Zusage, nur die ausdrückliche Option, später einzusteigen. Und die DKB? Hat sich nach eigener Auskunft schlicht noch nicht entschieden. Die einen bauen, die anderen schauen zu.
Und noch ein Nebensatz, der mehr wiegt, als er klingt: Ab dem 25. August kannst du im dm-Onlineshop mit Wero bezahlen. Das ist der erste große deutsche Händler, und damit der Schritt vom Geld-Verschicken unter Freunden zum echten Bezahlen. An den Filialkassen bleibt es vorerst beim Konjunktiv, der dm-Finanzchef kann es sich „vorstellen“.
Für dein Geld heißt das: Ob deine Bank dabei ist und wie du Wero aktivierst, steht im laufend aktualisierten Wero-Überblick.
Zwei Termine, die näher rücken
Beide kennst du aus den letzten Wochen, beide sind jetzt weniger als drei Wochen entfernt. Am 2. September wird bei N26 die Ordergebühr von 0,90 Euro je Einzelorder für alle wirksam, Sparpläne bleiben kostenlos. Am 10. September entscheidet die EZB über die Zinsen. Eine Prognose bekommst du von mir weiterhin nicht, eine Einordnung danach schon.
Warum ausgerechnet diese drei
Weil alle drei zeigen, wie sich Finanzmärkte wirklich bewegen: selten mit Knall, meistens mit Verschiebungen im Kleingedruckten. Das PFOF-Beben blieb aus, dafür kosten jetzt Einzahlungswege und Handelsplatz-Routen echtes Geld. Von der Wise-Senkung hat kaum jemand geschrieben, trotzdem spart sie realen Nutzern reales Geld. Bei der Wero-Landkarte wächst am ehesten das Kleingedruckte: ein Nebensatz in einer Hilfeseite hier, ein abwinkendes Statement dort.
Nichts davon verlangt heute Abend eine Entscheidung von dir. Falls du unter der Woche ohnehin in deine Banking-App schaust: Wirf einen Blick darauf, wie du zuletzt Geld zu deinem Broker geschickt hast. Karte oder Überweisung, das ist inzwischen ein Preisunterschied.
Ich mache jetzt den Laptop zu und für den Rest vom Abend gar nichts mehr. Guten Start in die Woche,
Tobi
Quellen
PFOF-Bilanz: biallo.de. Wise-Preisseite: wise.com. bunq startet Wero in Deutschland: t-online.de, offizielle Partnerliste: wero-wallet.eu. C24-Statement zu Wero: mobiflip.de. Wero im dm-Onlineshop: mobiflip.de. Alle weiteren Angaben stammen aus unseren eigenen, im Text verlinkten Artikeln.
Stand: 23. August 2026, 20:30 Uhr
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