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Wenn du bei Revolut Tether liegen hattest, ist dein Guthaben seit dem Wochenende weg. Nicht verschwunden, sondern umgetauscht: Revolut hat USDT für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz aus der App genommen. Was am Stichtag noch im Konto lag, wurde automatisch in deine Hauptwährung gewandelt, zum jeweiligen Marktpreis, ohne dass du etwas anklicken musstest.
Für die meisten ist das eine Randnotiz. Für einige ist es ein steuerlich relevanter Vorgang, den sie nicht selbst ausgelöst haben. Und es macht etwas sichtbar, das bisher eher abstrakt wirkte: MiCA regelt jetzt auch die Apps, in denen die meisten Leute einfach nur ihr Gehalt parken.
Das Wichtigste in Kürze
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Revolut hat USDT (Tether) für Kunden im EWR und in der Schweiz entfernt. Grund sind die Stablecoin-Regeln der EU-Verordnung MiCA, die Tether nicht erfüllt.
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Restguthaben wurden automatisch zum Marktpreis in die Hauptwährung des Kontos umgewandelt. Das ist Revoluts Standardverfahren bei jedem Delisting.
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Eingehende USDT-Einzahlungen werden abgelehnt. Revolut fragt dann nach einer Krypto-Adresse, die dir gehört, um das Geld zurückzuschicken.
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Ein Zwangsumtausch ist steuerlich ein Verkauf. Bei einer Haltedauer unter einem Jahr kann das relevant werden, auch wenn der Coin selbst kaum schwankt.
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Revolut hat als Ersatz einen eigenen Euro-Stablecoin gestartet: EURR. Der ist in Deutschland zum Start allerdings noch nicht verfügbar.
Was Revolut genau gemacht hat
Revolut hat USDT für betroffene Kunden komplett aus dem Angebot genommen. Die Begründung steht wörtlich im deutschen Hilfebereich der Bank: USDT werde entfernt, weil es „derzeit nicht die gesetzlichen Anforderungen für Stablecoins erfüllt, die für Krypto-Dienstleistungen in deiner Region gelten“. Gemeint ist die EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets, kurz MiCA, die Stablecoin-Herausgebern Vorgaben zu Zulassung, Reserven, Offenlegung und Aufsicht macht.
Der Punkt dahinter: Tether hat sich diesen Regeln nicht unterworfen. Der größte Stablecoin der Welt hat schlicht keine MiCA-Zulassung beantragt. Damit dürfen regulierte europäische Anbieter ihn nicht mehr anbieten, egal wie groß er ist.
Die Fristen liefen gestaffelt: Kaufen ging zuletzt Anfang Juli, Einzahlen bis Ende Juli, Verkaufen und Auszahlen bis zum 31. August. Wer keine dieser Fristen genutzt hat, für den hat Revolut entschieden.
Nicht der Kurs hat dein Tether beendet, sondern eine Zulassung, die nie beantragt wurde.
Was mit deinem Guthaben passiert ist
Revolut beschreibt das Verfahren in seinem Hilfebereich allgemein für jedes Delisting, und der Satz ist eindeutig: „Etwaige verbleibende Guthaben werden zum aktuellen Marktpreis in deine Primärwährung umgewandelt.“ Bei einem deutschen Konto heißt das in aller Regel Euro.
Konkret heißt das: Du musstest nichts tun, und du konntest auch nichts verhindern. Der Betrag liegt jetzt als Euro-Guthaben in deiner App. Schau nach, ob die Gutschrift angekommen ist, und notiere dir Datum und Betrag. Genau die brauchst du gleich noch.
Wenn dir jemand jetzt noch USDT schickt
Eingehende USDT-Einzahlungen werden von Revolut abgelehnt. Nach einer internen Prüfung fragt dich die Bank nach einer Krypto-Adresse, die dir selbst gehört, und schickt das Guthaben dorthin zurück. Wichtig: Es geht um eine Adresse, die du kontrollierst. Wer hier auf eine fremde Adresse ausweicht, verliert im Zweifel den Zugriff.
Der Teil, den kaum jemand erwähnt: die Steuer
Ein Zwangsumtausch ist steuerlich kein neutraler Vorgang. Der Tausch von Krypto in Euro gilt in Deutschland als Veräußerung, und zwar unabhängig davon, ob du sie selbst ausgelöst hast oder deine Bank. Für private Anleger greift dann die Ein-Jahres-Regel, die wir in unserem Beitrag zur Krypto-Haltefrist ausführlich erklären: Nach mehr als zwölf Monaten Haltedauer ist der Gewinn nach aktuellem Recht steuerfrei, darunter zählt er zu den privaten Veräußerungsgeschäften mit einer Freigrenze von 1.000 Euro im Jahr.
Jetzt kommt die Besonderheit bei einem Stablecoin. USDT soll ungefähr einen US-Dollar wert sein. Der Kurs des Coins selbst bewegt sich also kaum. Dein Gewinn oder Verlust kommt deshalb fast nur vom Wechselkurs zwischen Dollar und Euro zwischen Kauf und Zwangsumtausch, kaum vom Coin selbst. Wer im Frühjahr gekauft hat und im August zwangsverkauft wurde, hat je nach Kursverlauf ein kleines Plus oder Minus, das mit Krypto im engeren Sinn nichts zu tun hat.
Bei einem Stablecoin entsteht der steuerpflichtige Gewinn fast immer am Dollarkurs, nicht am Coin.
In den allermeisten Fällen geht es dabei um kleine Beträge, die unter der Freigrenze bleiben. Trotzdem gilt: Die Freigrenze umfasst alle privaten Veräußerungsgeschäfte eines Jahres zusammen. Wer 2026 ohnehin schon Krypto getauscht hat, sollte den Revolut-Umtausch mitzählen. Wir sind keine Steuerberater, und bei größeren Summen gehört das in fachliche Hände.
Nebenbei: Ab 2027 melden Krypto-Dienstleister solche Vorgänge automatisch ans Finanzamt. Was das für dich heißt, steht in unserem Beitrag zur Krypto-Meldepflicht.
Revolut ist spät dran, nicht früh
Wer das für einen Alleingang hält, liegt falsch. Coinbase, Kraken, OKX und Crypto.com haben USDT in Europa bereits vor Revolut aus dem Angebot genommen. Revolut zieht damit als einer der letzten großen Anbieter nach.
Der Hintergrund ist derselbe wie bei dem Stichtag, über den wir im Sommer geschrieben haben: MiCA sortiert den europäischen Krypto-Markt neu, und wer keine Zulassung hat, fliegt raus. Die Details dazu stehen in unserem Beitrag zum Krypto-Stichtag 1. Juli 2026.
Was bleibt, sind die Stablecoins, die sich den Regeln gestellt haben. USDC und EURC von Circle sind MiCA-konform und weiterhin verfügbar. Kleiner wird der Markt in Europa dadurch kaum, er sortiert sich nur neu.
EURR: der Ersatz, den es in Deutschland noch nicht gibt
Fast zeitgleich mit dem Tether-Aus hat Revolut einen eigenen Euro-Stablecoin gestartet. Er heißt EURR, soll konstant einen Euro wert sein und ist direkt in die normale Revolut-App eingebaut. Herausgeber ist allerdings nicht Revolut selbst: Das übernimmt Bridge Building S.A. aus Luxemburg, eine Gesellschaft von Bridge, dem Stablecoin-Dienstleister, der zu Stripe gehört.
Der Haken für uns: EURR ist zum Start nur in Dänemark, Polen und Portugal verfügbar. Deutschland ist nicht dabei. Revolut kündigt eine schrittweise Ausweitung auf weitere EWR-Länder im weiteren Jahresverlauf an, nennt aber kein Datum und macht sie von regulatorischer und operativer Bereitschaft abhängig.
Was das für dich praktisch bedeutet
Wenn du bei Revolut auf einen Euro-Stablecoin umsteigen wolltest, ist EURR aktuell keine Option, jedenfalls nicht von Deutschland aus. Verfügbar bleiben die MiCA-konformen Alternativen wie EURC. Und wer den Euro-Betrag ohnehin nur geparkt hatte, findet in einem verzinsten Konto vermutlich den ehrlicheren Platz dafür. Ein Stablecoin zahlt dir keine Zinsen.
Was du jetzt tun solltest
Nach dem Zwangsumtausch: die vier Schritte
Gutschrift prüfen
Anschaffungsdaten sichern
Freigrenze im Blick behalten
Keine USDT mehr auf Revolut schicken
Und der ruhige Blick zum Schluss: Es ist unangenehm, wenn eine Bank ohne Rückfrage über dein Guthaben entscheidet. In diesem Fall hatte sie keine Wahl, und sie hat monatelang vorher gewarnt. Ärgerlich wird es nur für die, die die Mails nicht gelesen haben.
Häufige Fragen
Nein. Das Guthaben wurde zum Marktpreis in deine Hauptwährung umgewandelt und liegt als normales Guthaben in deiner Revolut-App. Verloren ist nichts, aber du hältst jetzt Euro statt Tether.
Nein, solange Tether keine MiCA-Zulassung hat. Das ist keine Entscheidung von Revolut, sondern eine Folge der europäischen Regeln. Betroffen sind der Europäische Wirtschaftsraum und die Schweiz, außerhalb davon bleibt USDT bei Revolut verfügbar.
Ein Tausch von Krypto in Euro gilt als Veräußerung, auch wenn die Bank ihn auslöst. Relevant wird er, wenn du die Coins weniger als ein Jahr gehalten hast und die Summe aller privaten Veräußerungsgeschäfte im Jahr über der Freigrenze von 1.000 Euro liegt. Bei größeren Beträgen frag bitte einen Steuerberater, das hier ist kein Steuerrat.
Verfügbar bleiben die Stablecoins, deren Herausgeber sich der MiCA-Aufsicht gestellt haben, darunter USDC und der Euro-Stablecoin EURC von Circle. Revoluts eigener EURR startet zunächst nur in Dänemark, Polen und Portugal.
Zum Start nicht. Revolut hat EURR am 26. August 2026 zunächst für Kunden in Dänemark, Polen und Portugal freigeschaltet und kündigt weitere EWR-Länder im Jahresverlauf an. Ein Termin für Deutschland steht nicht fest.
Quellen
- Revolut Hilfebereich Deutschland, „USDT wurde bei Revolut entlistet“ (help.revolut.com/de-DE), abgerufen am 01.09.2026
- Revolut Hilfebereich Deutschland, „Entlisting bei Krypto“ mit dem Verfahren zur Umwandlung von Restguthaben (help.revolut.com/de-DE), abgerufen am 01.09.2026
- Berichterstattung zum Zeitplan des Delistings und zum EURR-Start vom 26.08.2026 (Bloomberg, CoinDesk, PYMNTS), abgerufen am 01.09.2026
- Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA), Anforderungen an Emittenten wertreferenzierter Token
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