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Projekt Zuwachs: Volksbanken Raiffeisenbanken planen einen eigenen Neobroker für Neukunden
Hintergründe

Volksbanken-Neobroker: Was hinter Projekt Zuwachs steckt

· Christian Jansen · 6 Min. Lesezeit
Projekt Zuwachs: Volksbanken Raiffeisenbanken planen einen eigenen Neobroker für Neukunden

Nach den Sparkassen bringt sich jetzt die zweite große Filialbank-Gruppe in Stellung. Unter dem Projektnamen „Zuwachs“ prüfen die Volks- und Raiffeisenbanken einen eigenen Neobroker, gedacht ausdrücklich für Neukunden. Das wäre das genossenschaftliche Gegenstück zu S-Neo, mit dem die Sparkassen seit diesem Sommer bundesweit ins digitale Wertpapiergeschäft gestartet sind. Vorab so viel: Entschieden ist noch nichts, veröffentlichte Konditionen gibt es nicht. Wir ordnen hier ein, was geplant ist und was es für dich bedeuten würde.

Projekt Zuwachs in Kürze

Die Volks- und Raiffeisenbanken planen unter dem Arbeitstitel „Zuwachs“ einen eigenen Neobroker für Neukunden, geführt von der DZ Bank und Union Investment und angebunden an den bestehenden Geno Broker. Vorgesehen ist ein verzinstes Verrechnungskonto samt Karte, aber ohne Girokonto. Das Ziel: junge, digitale Anleger gewinnen und später bei Beratungsbedarf an die örtliche Volksbank weiterreichen. Eine Entscheidung wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Konkrete Preise, Ordergebühren oder Zinssätze sind bisher nicht öffentlich.

Stand der Dinge: „Zuwachs“ ist ein Projekt in Prüfung, kein fertiges Produkt. Alle Angaben beruhen auf Berichten aus Fachmedien (Börsen-Zeitung, Handelsblatt, finanz-szene). Sobald offizielle Konditionen vorliegen, aktualisieren wir diesen Beitrag mit belegten Zahlen.

Was ist Projekt Zuwachs?

Hinter „Zuwachs“ steht der Plan, das bisher eher unauffällige Brokerage der Genossenschaftsbanken zu einem eigenständigen, app-first gedachten Angebot auszubauen. Geführt wird das Projekt laut Berichten von der DZ Bank als Spitzeninstitut der Gruppe und von Union Investment. Andocken soll es an den Geno Broker, den bereits existierenden Wertpapier-Service, den viele Volksbanken heute schon anbieten.

Die technische Basis würden der genossenschaftliche IT-Dienstleister Atruvia sowie die Spezialisten Lemonmarkets und die DWP Bank liefern. Damit die Funktionen stehen, ist ein Vorlauf nötig, weshalb eine Entscheidung erst für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet wird. Bis dahin bleibt vieles offen.

Der Antrieb dahinter ist kein Geheimnis. Trade Republic, Scalable Capital und Neobanken wie Revolut ziehen seit Jahren genau die jungen, wechselbereiten Kunden an, die den Filialbanken fehlen. Erst haben die Sparkassen mit S-Neo reagiert, jetzt wollen die Genossen nachziehen, statt diese Gruppe kampflos zu verlieren.

Das geplante Modell: Depot ohne Girokonto

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Der spannendste Teil steckt im Zuschnitt. Nach den bisherigen Berichten soll „Zuwachs“ Neukunden ein verzinstes Verrechnungskonto mit Karte bieten, aber bewusst ohne klassisches Girokonto. Das ist ein deutlicher Unterschied zur eigenen Genossenschaftswelt, in der sonst das Mitgliedschafts- und Kontomodell im Zentrum steht.

Die Logik dahinter: erst niedrigschwellig Anleger gewinnen, die ein einfaches Depot und einen Ort für ihr Cash suchen. Und wenn daraus später echter Beratungsbedarf wird, etwa bei Baufinanzierung, Altersvorsorge oder größeren Vermögensfragen, sollen diese Kunden an ihre örtliche Volksbank weitergereicht werden. Der Neobroker wäre damit weniger ein Ziel als ein Einstieg.

Der Plan ist, junge Anleger digital abzuholen und sie erst später in die Filiale zu holen, wenn Beratung gefragt ist.

Der Unterschied zu S-Neo

Für die Einordnung lohnt der direkte Vergleich mit dem Sparkassen-Pendant. S-Neo steckt fest in der Sparkassen-App und setzt bislang ein Sparkassen-Girokonto voraus. Wer kein Sparkassen-Kunde ist, kommt vorerst nicht rein.

„Zuwachs“ würde genau andersherum ansetzen. Das Angebot zielt auf Neukunden ohne bestehende Bindung, ein Girokonto wäre gerade nicht Voraussetzung. Falls es so kommt, wäre der genossenschaftliche Neobroker für Außenstehende leichter zugänglich als S-Neo, das seine Öffnung für Nicht-Kunden erst zum Jahreswechsel plant. Wie S-Neo heute funktioniert und was es kostet, liest du in unserem Überblick zu S-Neo.

S-Neo, Projekt Zuwachs und Trade Republic im Ansatz

Zugang
S-Neo (Sparkassen) nur mit Sparkassen-Girokonto
Projekt Zuwachs (Volksbanken) für Neukunden ohne Girokonto geplant
Trade Republic für alle offen
Cash-Zins
S-Neo (Sparkassen) 0 %
Projekt Zuwachs (Volksbanken) verzinstes Verrechnungskonto geplant
Trade Republic 2,25 %
Ordergebühr
S-Neo (Sparkassen) meist 0,95 €
Projekt Zuwachs (Volksbanken) noch offen
Trade Republic 1 € Pauschale
Status
S-Neo (Sparkassen) bundesweit live
Projekt Zuwachs (Volksbanken) in Prüfung, Entscheidung 2. HJ 2026
Trade Republic live

Zu Projekt Zuwachs gibt es noch keine veröffentlichten Konditionen. Angaben in der Zuwachs-Spalte sind geplant, nicht final.

Was hieße das gegenüber Trade Republic und Scalable?

Ehrlich bleiben heißt hier: Solange keine Preise und Zinssätze feststehen, lässt sich kein echter Kostenvergleich ziehen. Was auffällt, ist das verzinste Verrechnungskonto. Dass die Genossen es überhaupt betonen, zeigt, wie sehr der Cash-Zins zum Standard geworden ist. Genau an diesem Punkt haben die Neobroker heute die Nase vorn: Trade Republic verzinst Cash mit 2,25 Prozent pro Jahr, Scalable Capital mit 2,50 Prozent. Beide haben zudem eine App, die sich seit Jahren bewährt hat, und ein breites Angebot.

Der mögliche Trumpf von „Zuwachs“ liegt woanders: 700 Volksbanken vor Ort, das Vertrauen in die Hausbank und die Möglichkeit, digital zu starten und trotzdem bei Bedarf einen Menschen in der Filiale zu haben. Für Anleger, die bei einem reinen App-Broker zögern, kann genau das den Ausschlag geben. Welche Alternativen es zum Sparkassen- und Filialmodell sonst gibt, haben wir in unserem Beitrag zu den S-Neo-Alternativen zusammengetragen.

Für wen das interessant werden könnte

Solange nichts entschieden ist, bleibt jede Empfehlung Spekulation. Trotzdem lohnt es sich für zwei Gruppen, das Projekt im Auge zu behalten: Genossenschaftskunden ohne eigenes Depot, die lieber im vertrauten Umfeld starten würden, statt sich bei einem fremden Neobroker anzumelden, und Einsteiger, denen die Kombination aus einfacher App und erreichbarer Beratung wichtig ist.

Wer dagegen schon bei Trade Republic oder Scalable investiert, hat keinen Grund zur Eile. Ein Angebot, das frühestens nach der Entscheidung in der zweiten Jahreshälfte 2026 Gestalt annimmt und dessen Konditionen niemand kennt, ist kein Argument, heute etwas umzustellen.

Fazit

Projekt „Zuwachs“ ist ein klares Signal: Nach den Sparkassen wollen auch die Volksbanken im Neobroker-Rennen mitspielen, und sie greifen mit dem Neukunden-Ansatz sogar breiter an, als es S-Neo bisher tut. Ob daraus ein ernsthafter Wettbewerber für Trade Republic und Scalable wird, entscheiden am Ende die Konditionen, und die stehen noch aus. Wir verfolgen das Projekt und ergänzen belegte Zahlen, sobald sie öffentlich sind. Bis dahin gilt: spannend zu beobachten, aber noch nichts, worauf du warten musst.

Quellen

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