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Radarschirm in Mintgrün auf dunkelblauem Grund, umgeben von Symbolen für Zinserhöhung, Festgeld-Schloss, Stichtag-Kalender und Preisschild
Tobis Finanzradar

Der Zins steigt, das Festgeld sperrt zu: meine Funde der Woche

· Tobias Rehermann · 8 Min. Lesezeit
Radarschirm in Mintgrün auf dunkelblauem Grund, umgeben von Symbolen für Zinserhöhung, Festgeld-Schloss, Stichtag-Kalender und Preisschild

Sonntagabend, die Woche ist durch, draußen wird es schon früher dunkel. 🌙 Auf dem Radar liegt eine Woche, in der die eigentliche Nachricht fast nie in der Schlagzeile stand, sondern zwei Absätze darunter.

Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank erhöht. Das war erwartet worden und für sich genommen keine Überraschung. Spannend wurden erst die Stunden danach: wie schnell die Anbieter reagiert haben, und was sie dabei mitgeliefert haben, ohne es groß zu bewerben.

Drei Dinge sind bei mir hängen geblieben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der EZB-Einlagensatz steigt am 16. September auf 2,50 Prozent. Trade Republic hat einen Tag nach dem Beschluss zugesagt, den Satz weiterzugeben.
  • In derselben Mitteilung steht, woher der Zins kommt: sieben Partnerbanken plus Dividenden aus Geldmarktfonds. Der Fondsanteil ist kein klassisches Bankguthaben.
  • Scalables neues Festgeld zahlt 3,00 Prozent auf 24 Monate, garantiert. Dafür kommst du zwei Jahre lang nicht an das Geld, auch nicht gegen Gebühr.
  • Beim Faktencheck unserer eigenen Gebührentabelle habe ich einen Fehler gefunden und korrigiert. Das AktivKonto der Deutschen Bank kostet 6,90 statt 7,90 Euro.

1. Der neue Zins kommt am Mittwoch, und einer hat schon zugesagt

Donnerstag, 14:15 Uhr: Die EZB hebt den Einlagensatz auf 2,50 Prozent an. Wirksam wird er am 16. September, also am kommenden Mittwoch. Bis einschließlich Dienstag gelten die alten 2,25 Prozent, und das ist keine Formalie, sondern der Grund, warum bei uns diese Woche noch überall 2,25 steht.

Am Freitagmorgen lag dann in meiner Trade-Republic-App eine Mitteilung mit dem Titel „Mehr Zinsen für dich“. Der Wortlaut: Die EZB habe die Erhöhung angekündigt, „Wir geben diesen Zinssatz an dich weiter.“

Ab Mittwoch bekommst du dort also 2,50 statt 2,25 Prozent. Auf 10.000 Euro sind das 25 Euro mehr im Jahr, vor Steuer.

Kurios daran: Die Trade-Republic-Website trug am Freitag noch überall 2,25 Prozent, sogar im Seitentitel. Die App war schneller als die eigene Homepage. Wir halten uns in so einem Fall an die offizielle Bekanntgabe des Anbieters, nicht an die Seite, die noch nicht nachgezogen wurde. Die Einordnung steht im Beitrag zur Zinserhöhung bei Trade Republic.

Der Teil, der mir wichtiger war als die Zahl

In derselben Mitteilung steht nämlich auch, woher dieser Zins eigentlich kommt. Und das ist heute anders, als es vor ein paar Monaten noch war. Das Geld liegt bei sieben Partnerbanken, und dazu kommen Dividenden aus Geldmarktfonds. Auf der Homepage nennt Trade Republic das selbst „Investments mit Kursrisiken“.

Ein Tagesgeldzins ist ein Versprechen der Bank. Ein Fondsertrag ist ein Ergebnis des Marktes. Ausgezahlt wird beides als eine einzige Zahl.

Was das praktisch heißt: Der Teil, der in Geldmarktfonds steckt, fällt nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung. Er ist Sondervermögen. Das ist im Insolvenzfall meist eine gute Konstruktion, aber eben kein geschütztes Guthaben, und der Wert kann schwanken. Für 2,50 Prozent auf ein paar tausend Euro Notgroschen ist das verkraftbar. Man sollte es nur wissen, bevor man es irgendwo als „sicheren Zins“ liest.

Was der Beschluss sonst noch für dein Geld bedeutet, habe ich am Donnerstag im Beitrag zum EZB-Zinsentscheid aufgeschrieben, inklusive der Beobachtung, dass die Kopplung an den EZB-Satz beim Kredit automatisch funktioniert und beim Tagesgeld „variabel“ heißt.

2. Drei Prozent, zwei Jahre, kein Notausgang

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Zwölf Minuten nach dem Zinsentscheid warb meine Scalable-App für das neue Festgeld: bis zu 3 Prozent, garantiert für 24 Monate, auch für die Kinder. Ich habe mir das Produkt danach in Ruhe angesehen. Der interessante Teil stand nicht in der Anzeige.

Die Konditionen zuerst: 2,75 Prozent auf zwölf Monate, 3,00 Prozent auf 24 Monate, ab einem Euro, ohne Höchstbetrag, der Zins ist für die Laufzeit garantiert. Das ist ein ordentliches Angebot, vor allem für alle, die ohnehin schon dort sind.

Haken eins: Das Geld ist blockiert, nicht nur gebunden

Nachzahlungen, Teilabhebungen und vorzeitige Rückzahlungen sind während der Laufzeit ausgeschlossen. Es gibt keinen Notausgang gegen Vorschusszinsen, wie ihn manche Banken einräumen. Wer nach acht Monaten an sein Geld will, kommt nicht ran.

Das ist keine Gemeinheit, sondern die Gegenleistung für die Garantie. Nur weil dein Geld sicher zwei Jahre liegen bleibt, kann die Bank zwei Jahre lang mit einem festen Satz rechnen. Es heißt nur: Der Notgroschen gehört woanders hin.

Haken zwei: Die automatische Verlängerung läuft andersherum, als man denkt

Beim 12-Monats-Festgeld ist die automatische Verlängerung voreingestellt, beim 24-Monats-Festgeld nicht. Wer also die kürzere Laufzeit nimmt, weil er sich nicht so lange binden will, und danach nichts tut, ist ein weiteres Jahr gebunden, und zwar zu dem Zins, der dann gerade gilt.

Und das ist der wirklich kuriose Teil

Die Einstellung zur Wiederanlage lässt sich laut Scalable nur in der Web-Version ändern, durch einen Klick auf das Enddatum. Beworben wird das Produkt in der App. Wer also nach der Anzeige spontan abschließt, verwaltet die wichtigste Option später am Rechner.

Haken drei: 3 Prozent sind gut, aber nicht die Spitze

Festgeld auf 24 Monate, Stand 13. September 2026

Scalable Festgeld
Zins p. a. 3,00 %
Einlagensicherung deutsche Partnerbanken, je 100.000 €
Bigbank
Zins p. a. 3,25 %
Einlagensicherung Estland, 100.000 €

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich jederzeit ändern.

Bigbank zahlt für dieselbe Laufzeit 3,25 Prozent, auf zwölf bis 23 Monate sind es 3,15 statt 2,75 Prozent. Auf 10.000 Euro über zwei Jahre macht das rund 50 Euro Unterschied. Der Preis dafür: estnische Einlagensicherung statt deutscher, und die Steuer musst du selbst über die Anlage KAP erklären, weil dort nichts automatisch abgeführt wird. Alle Details stehen im Beitrag zum Scalable Festgeld.

3. Ich habe unsere eigene Gebührentabelle geprüft, und einen Fehler gefunden

Der dritte Fund kommt diesmal aus dem eigenen Haus. Unsere Übersicht zu Kontoführungsgebühren trägt seit ein paar Tagen die Jahreszahl 2026 im Titel, also habe ich mir alle sieben Zeilen der Tabelle vorgenommen und jede einzeln an der Produktseite oder der Entgeltinformation der Bank geprüft.

Ein echter Fehler war dabei: Das AktivKonto der Deutschen Bank stand bei uns mit 7,90 Euro im Monat. In der Entgeltinformation vom 15. Juli 2026 stehen 6,90 Euro. Ein Euro im Monat zu hoch, also zwölf im Jahr, ausgerechnet auf einer Seite über zu hohe Gebühren. Ist korrigiert.

Zwei weitere Angaben waren unvollständig. Das Postbank Giro plus kostet 5,90 Euro nur ab 1.000 Euro Geldeingang im Monat, sonst 6,90. Und die Commerzbank hat gar kein „BasisKonto“, sondern ein GiroKonto zu 4,90 Euro, dessen Preis nicht am Geldeingang hängt, sondern am Vermögen: ab 50.000 Euro bei der Bank ist es kostenlos.

Die Preise stimmten fast durchweg. Die Produktnamen fast durchweg nicht.

Das ist der eigentliche Fund: „GiroKomfort“ und „GiroDirekt“ gibt es bei der Sparkasse KölnBonn nicht, dort heißen die Linien Giro Privat und Giro Privat Komfort. Duisburg führt S-Giro Komfort, Bad Hersfeld-Rotenburg inzwischen Giro Privat L 2026. Die Sparkassen benennen ihre Kontolinien regelmäßig um, die Preise bleiben dabei weitgehend gleich.

Für dich heißt das: Wenn du nachsehen willst, was dein Konto kostet, suche nicht nach dem Namen, den du im Kopf hast. Der steht womöglich seit zwei Jahren nicht mehr im Preisverzeichnis, und das Konto kostet trotzdem jeden Monat dasselbe. Die korrigierte Tabelle steht im Beitrag zu den Kontoführungsgebühren.

Außerdem diese Woche

Neue Folge von „Durchschaut“. Diesmal geht es um Siegel: Ende August hat die BaFin Bußgelder gegen bunq, Wise und die BforBank verhängt, und das war ein guter Anlass, einmal aufzuschreiben, woran du ein echtes Testsiegel von einem gekauften unterscheidest. Die Kurzfassung: Ein Siegel ohne Datum, ohne Testverfahren und ohne Prüfkriterien ist Dekoration.

Die Warteliste für mein Programm ist offen. „Geld aufräumen mit Tobi“ ist ein kostenloses 10-Wochen-Programm: eine Mail pro Woche, eine überschaubare Aufgabe, ein Häkchen. Erst der Kassensturz, dann die Konten, dann Tagesgeld und Girokonto, am Ende ein Sparplan. Ich gehe dabei selbst voran und kündige öffentlich mein eigenes altes Konto. Die erste Runde startet am 5. Oktober und ist auf 100 Plätze begrenzt, damit ich Fragen wirklich beantworten kann. Wer mag, trägt sich bei Geld aufräumen mit Tobi ein.

Was nächste Woche ansteht

Mittwoch, 16. September: Der neue EZB-Satz wird wirksam. Ich schaue mir dann an, wer nachzieht und wer schweigt. Erfahrungsgemäß sind die Broker schnell und die Filialbanken langsam, und manche Tagesgeldkonten merken die Erhöhung nie.

30. September: Die ING-Aktion mit 3,75 Prozent plus 200 Euro Prämie läuft aus. Danach gilt dort der Basiszins von 0,75 Prozent. Wenn du sie nutzen willst, ist jetzt der Moment, und wenn nicht, weißt du es wenigstens vorher.

Bis dahin: schönen Sonntagabend, und lass dir von keiner App etwas für 24 Monate andrehen, bevor du weißt, wie du wieder rauskommst. 😉
Tobi

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